c) Priester im Norden Judäa’s.

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Bevor wir in unserer Untersuchung über die Wohnsitze der Priester ausserhalb Jerusalem’s fortschreiten, ist es nothwendig, auch auf den Aufenthaltsort der Makkabäer, Modeim einen Blick zu werfen. I Makkab. 2, 1 berichtet: »In jenen Tagen stand auf von Jerusalem Mattathias, der Sohn Johannes, des Sohnes des Simon, ein Priester der Söhne Joarib’s, welcher in Modein wohnte.« Da ἀπὸ Ἱερουσαλήμ zu ἀνέστη gezogen wird,1) so besagt diese Mittheilung, dass Mattathias von Jerusalem, wo er gerade weilte, sich aufmachte. Dagegen hat Josephus2) die Worte des Makkabäerbuches anders verstanden, denn er gibt dieselben folgendermassen wieder:κατὰ δὲ τὸν αὑτὸν χαιρὸν ἦν τις οἰκῶν ἐν Μωδαῖ χώμη τῆς Ἰουδαίας, ὄνομα Ματταθίας ὑιὸς Ιωάννου τοῦ Συμεῶνος τοῦ ᾿Ασαμωναίου, ἱερεὺς ἐξ ἐφημερίδος ᾿Ἰώαβος 'Ἱεροσολυμήτης. Er hat demnach ἀπὸ Ἱερουσαλήμ als den Ort der Zugehörigkeit des Mattathias aufgefasst und da Josephus der Familie der Chasmonäer angehörte, dürfen wir wohl annehmen, dass er über den Aufenthaltsort und den Ursprung, wie auch über den Stammsitz seiner grossen Ahnen unterrichtet gewesen ist. Freilich ist andererseits zu befürchten, dass er nur, um der Familie, der anzugehören er angibt, die Stadt des Heiligthums als den Ort ihres Ursprunges zuzuschreiben, den Wortlaut der Quelle so erklärt hat. Doch da gegen seine Auffassung derselben keine Einwendungen von Gewicht erhoben werden können, dürfen wir annehmen, dass dieselbe die richtige ist, wogegen ja auch der Text des Makkabäerbuches, das ihm hier ohne Zweifel als Quelle diente, nicht spricht. Es wird also angegeben, dass Mattathias aus Jerusalem war, aber nach Modein zog, die Familie demnach bis zu dieser Uebersiedlung in der Hauptstadt wohnte, wie es auch Nehemias 11, 10 von der Priesterabtheilung Jojarib, der die Chasmonäer angehörten, ausdrücklich erzählt. Allerdings bleibt es trotz dieser bestimmten Angabe noch immer fraglich, ob der übrige Theil dieser Priesterclasse, auch nachdem sich Mattathias getrennt hatte, in Jerusalem verblieb, oder ob sich diese überhaupt in ihrer Gänze da aufhielt und nicht etwa nach Auflösung der Familienverbände, die ja im Laufe
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1) Siehe Grimm zur Stelle.
2) Antiquit. XII, 6, 1.


der Zeit vielfach erfolgt sein muss, zerstreut in verschiedenen Städten und Dörfern ihre Wohnsitze hatte. Die Unruhen und Wirren während der Afterpriesterschaft Jason’s, Menelaos’ und ihrer Gesinnungsgenossen mochten manche Priesterfamilie, die noch an dem Glauben der Väter festhielt, veranlasst haben, die Hauptstadt zu verlassen und sich in Dörfern zu besetzen. Aus I Makkab. 2, 17, »Du Mattathias bist der Oberste und Hochgeehrte und gross in dieser Stadt und stark durch Söhne und Brüder«, falls es wörtlich zu nehmen ist, geht hervor, dass auch Brüder oder Verwandte mit Mattathias nach Modeim gezogen waren und auch in Cap. 2, 18 wird neben seinen Söhnen ein Haus besonders genannt, wie auch in Cap. 2, 20.1) Ebenso wichtig wäre es, zu erfahren, ob einige Jahre später, als die Familie der Hasmonäer zur Herrschaft gelangte und der Nation Fürsten und Hohepriester gab, der ganze, in Modeim ansässige Stamm zurückkehrte, um als Angehörige der herrschenden Dynastie die Vortheile, welche die Verwandtschaft zu bieten pflegt, zu geniessen. Bei dieser Erwägung muss es bald auffallen, dass wir weder von den Nachkommen Juda’s, noch Eleasar’s, noch Jonathan’s etwas hören und nur die Söhne des als letzten zur Herrschaft gelangten Simon in den Geschichtsquellen erwähnt werden; sollen etwa alle übrigen Glieder der Familie ausgestorben sein? Verständlich ist das Schweigen der Berichte über Juda Makkabi, der wahrscheinlich kinderlos starb,2) doch lässt sich dafür, dass keine Mittheilung über die Nachkommen Jonathan’s vorhanden ist, von dem Josephus abzustammen angibt und auf den er seinen Stammbaum auch zurückführt,3) kein befriedi-
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1) Aus demselben Verse, »seine Söhne begruben ihn in dem Begräbniss ihrer Väter zu Modeim«, falls er nicht Thatsachen aus der Zeit des Verfassers auf die frühere überträgt, könnte geschlossen werden, dass schon die Väter des Mattathias in Modeim ansässig waren und dort einen Begräbnissplatz hatten. Doch spricht dagegen I Makkab. 13, 27—30, dass sich nur sieben Säulen auf dem Grabdenkmal der Familie befanden, welches Simon errichtet, nämlich für die Eltern und die fünf Brüder, demnach Grosseltern dort nicht bestattet gewesen sein können. Der obige Ausdruck dürfte als eine aus dem Hebräischen übersetzte, der Bibel entlehnte Phrase anzusehen sein.
2) Siehe oben Seite 107, Note 2.
3) Dass dessen Tochter die Grossmutter des Josephus gewesen sei, wie er es in Vita 1 behauptet, kann nur auf einem Textfehler beruhen; siehe Schürer I, Seite 59, Note 3.


gender Grund ausfindig machen, da überdies auch seine Söhne, wenn auch nur als Kinder erwähnt werden.1) Es scheint, dass sie in Modeim verblieben sind, auch nachdem die Priesterabtheilung Jojarib an die Spitze des Tempels und der Nation getreten war.2) Doch ist es unzweifelhaft, dass der Anstoss zum Aufstande und zur Erhebung der Makkabäer von Jerusalem selbst ausging, indem Mattathias nach I Makkab. 2, 6, von dem Anblicke des entweihten Heiligthums veranlasst, sich nach Modeim begab und dort die That vollführte, die das Zeichen zum Aufruhr gab.3)
Es ist trotz des völligen Stillschweigens der Quellen nicht ausgeschlossen, dass es im Kreise der höheren Priesterschaft Seitenverwandte der hasmonäischen Familie gab, die in Modeim wohnten und daher ganz unbekannt geblieben sind; dieser Vermuthung kann nicht entgegengehalten werden, dass die vornehmen Priester doch sicherlich aus der Mitte der jerusalemischen Familien hervorgingen, denn es ist, wie überall und zu allen Zeiten, anch im politischen Leben der Juden anzunehmen, dass die Vornehmen und Ehrgeizigen aus den verschiedenen
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1) Die Bemerkung des Talmuds, Baba bathra 3b, dass mit Mariamme, der Frau des Herodes das ganze Geschlecht der Hasmonäer ausgestorben sei, dürfte sich nur auf die gerade Linie beziehen, der die Fürsten und Könige angehört haben, doch mögen Seitenverwandte, die sich allerdings der erwähnten Grössen nicht rühmen konnten, vorhanden gewesen sein.
2) Vielleicht hängt die auffallende Bestimmung der Halacha betreffs des Pessachopfers, dass, wer am 14. Nissan ausserhalb Modeim’s nach Westen oder in derselben Entfernung von Jerusalem nach jeder Richtung sich befindet, sich an dem Pessachopfer nicht betheiligen müsse (Sifre Numeri §. 69), hiemit zusammen. Die pharisäischen Gesetzeslehrer mochten bei der folgerichtigen Durchführung der Vorschriften über das Pessachopfer auf die auch zu ihrer Zeit noch immer als erste genannte Priesterabtheilung Jojarib Rücksicht genommen und die Entfernung ihres Wohnsitzes von Jerusalem als Maass angesetzt haben; vielleicht thaten sie es, um sie für sich und ihre Richtung zu gewinnen, wodurch auch die übrigen Priester zum Anschlusse veranlasst worden wären. Dass diese Priesterabtheilung die bekannteste war, erhellt daraus, dass R. Jose b. Chalafta dieselbe sowohl bei der Zerstörung des ersten, als auch des zweiten Tempels am 9. Ab den Opferdienst im Heiligthum verrichten lässt, Seder Olam Cap. 30, Tos. Taanith IV, 9, b. Taanith 29a.
3) Nach II Makkab. 5, 27, das Mattathias nicht behandelt, ihn daher gar nicht nennt, entrinnt Juda mit zehn Begleitern dem Blutbade, das Apollonius anrichtet, und eröffnet den Kampf gegen die Syrer.


Priesterabtheilungen nach der Hauptstadt zogen und dort verblieben, um sich an den öffentlichen Angelegenheiten zu betheiligen und zu Ansehen und hoher Stellung zu gelangen. Die natürliche Folge dieser Wanderungen war, dass die Familienverbände der einzelnen Priesterabtheilungen zum grossen Theile sich lösten und die vornehmen Priester in Jerusalem vielleicht kaum mehr wussten, welcher sie angehörten, ausgenommen wenn sie in die genealogischen Verzeichnisse des Archives hineinblickten. Sie hatten es gar nicht nöthig, darauf zu achten, denn, wie wir bereits gesehen, war die Kenntniss der Zugehörigkeit zu einer Priesterabtheilung hauptsächlich wegen des allwöchentlichen Wechsels der dienstthuenden Classen im Tempel erforderlich, um den Opferdienst jedoch kümmerten sich die hochstehenden Priester überhaupt nicht. Einen sichern Beweis für die Behauptung, dass es in Jerusalem vornehme, angesehene Priester aus der Provinz gab, bietet uns die Mittheilung eines glaubwürdigen Augenzeugen, des R. Josua b. Chananja, der noch als Levit Dienste im Heiligthume verrichtet und die Männer, über deren Abkunft und Wohnort er erzählt, persönlich gekannt hat. Er berichtet,1) מעיד אני על משפחת בית עלובאי מצביים ועל משפחת בית קיפא מבית מקושש שהם בני צרות ומהם כהנים גדולים מקריבין על גבי מובח‎ gibt also ausdrücklich den Namen der Priesterfamilie und ihres Wohnsitzes an, wie auch die Thatsache, dass aus ihrer Mitte Hohepriester hervorgegangen sind. Da es für uns von besonderem Interesse ist, die Wohnorte der Priesterfamilien in der Provinz kennen zu lernen, wollen wir auch die Parallelstellen zu diesem dem Texte nach nicht ganz sichern Berichte vergleichen.
In Jebamoth 15b lautet die angeführte Mittheilung abweichend von der eben genannten, מעיד אני על שני משפחות גדולות שהיו בירושלים משפחת צבועים מבן עכמאי ומשפחת בית קופאי מבן מקושש שהיו בני צרות ומהם כהנים גדולים ושמשו על גבי המזבח Wir bemerken allsogleich, dass die beiden Relationen trotz geringen Umfanges gerade in den für uns wichtigen Theilen von einander erheblich verschieden sind, was ein ungünstiges Urtheil über die Zuverlässigkeit derselben erweckt, weshalb wir auch noch die dritte zu Rathe ziehen müssen, die in j. Jebamoth I, 3a folgen-
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1) Tos. Jebamoth I, 10.


den Wortlaut aufweist: על משפחת בית ענוביי מבית צבועים ועל משפחת בית נקיפי מבית קושש שהיו בני בניהם כהנים גדולים עומדים ומקריבין על גבי המזבח. Da aus den nicht geringfügigen Schwankungen des überlieferten Textes soviel jedenfalls ersichtlich ist, dass, was die eine Relation als den Namen der Familie darbietet, die andere als deren Wohnort anführt, handelt es sich zunächst darum, festzustellen, welche von beiden Angaben die richtige oder wahrscheinlichere ist.1) Da die der Tosefta und des jerusalemischen Talmuds in dem Hauptpunkte übereinstimmen, denen der babylonische nur mit der Umstellung der Namen gegenübersteht, so können wir fast mit Sicherheit בית עלובאי und בית קיפא‎ als die Namen der beiden Priesterfamilien,2) צביים oder בית צבעים und בית מקושש als die der Ortschaften, in denen jene wohnten, annehmen.3)
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1) Die Verbindung משפחת בית hat nichts Auffallendes an sich und steht auch nicht vereinzelt da, wie Arachin II, 3, משפחת בית פגרים ובית ציפרא מעימאום zeigt. Es scheint der Eigenname der des Ahnes zu sein, nach welchem man das ganze Haus seiner Nachkommen, oder, falls er ein bedeutender Mann war, seiner Angehörigen schon bei seinem Leben, wie in Schekalim 111, 3 של בית רבן גמליאל ושל בית הנינא סגן הכהנים היו משתחוין‎ mit בית verbunden בית ציפרא, בית פגרים nannte, und wenn dann von einer aus diesem Hause hervorgegangenen Familie die Rede war, fügte man zu dem mit dem Eigennamen bereits eng verwachsenen בית noch משפחת hinzu. Aehnlich ist das in Tos. Sota XIII, 3, j. Sota IX, 24b, b. Sota 48b, Synhedr. 11a erwähnte עליית בית גוריו, j. Synhedr. III, 21b, b. Kidduschin 40b עליית בית נתזה,‎ vgl. Friedmann zu Sifre Deuter. §. 47.
2) Ob hierunter der Hohepriester Kaiaphas oder Eljoenai b. Hakajjaf zu verstehen ist, soll hier schon deshalb unerörtert bleiben, weil es mir nicht ganz gesichert erscheint, dass in dem talmudischen Berichte wirkliche Hohepriester gemeint sind.
3) Die erste ist vielleicht identisch mit dem in Challa IV, 10 genannten ‏(אנשי הר צבועים הביאו בכוריהם לעצרת ולא קבלו מהם) Zebaim, von dessen Bewohnern wir oben Seite 174, Note 2 eine Unregelmässigkeit verzeichneten, in welcher sie den Priestern glichen, indem sie, wie diese, eine Ausnahme bilden wollten (siehe oben, Seite 169, Note 1) und ihre Erstlinge ohne Rücksicht auf das Schabuothfest vor der Zeit in den Tempel brachten. Die pharisäischen Gesetzeslehrer, die auf das feierliche Hinauftragen der Erstlinge deshalb grosses Gewicht legten, weil es Gelegenheit bot, das Volk ihrer Richtung zuzuführen, — weshalb sie, wie aus der Mischna Bikkurim III ersichtlich ist, das Darbringen der Erstlinge zu einem grossen Feste gestalteten, wiesen demzufolge alle früher Kommenden ab, die ja nur, weil sie das Vordringen des Volkes in den Tempel nicht billigten und von allen ähnlichen,


Ausser den bisher als Wohnsitze von Priesterfamilien erkannten Städten in Judäa lässt sich, wenn auch nicht mit gleicher Sicherheit, wie die früher behandelten, doch immer mit Wahrscheinlichkeit noch eine Reihe solcher nachweisen. An der bereits im Zusammenhange mit der Priesterstadt Gofna angeführten Stelle (Seite 160) in j. Taanith IV, 69a, die ausschliesslich der durch den Sturz Jerusalem’s vernichteten Grösse Judäa’s gewidmet ist,1) begegnen wir folgender Schilderung: ‏שני ארזים היו בהר המשחה תחת אחד מהן היו מוכרין ארבע חנויות טהרות והאחד היו מוציאין ממנו ארבעים סאה גוזלות בכל חודש וחודש ומהן היו מספיקין קינים לכל ישראל. 2) טור שמעון היה מפיק תלת מאוון דגרבין דמרקוע לקייטא כל ערובת שובאי ולמה חרב יש אומרים מפני הזנות ויש אומרין שהיו משחקין בכדור. 4) עשרת אלפים עיירות היו בהר המלך ולרבי אלעזר בן חרסום אלף מכולן וכננדם אלף ספינות בים וכולהם חרבו. 4) שלש עיירות היה סטמון שלהם עולה לירושלים בעגלה כבול ושיחין ומגדל צבעייא ושלשתן חרבו כבול מפני המחלוקת שיחין מפני כשפים ומגדל צבעייא מפני הזנות. (5 שלשה כפרים כל אחד ואחד היה מוציא כפלים כיוצאי מצרים כפר ביש וכפר שיחלייא וכפר דיכרייא. 6) אמר רבי יוחנן שמונים זוגים אחים כהנים נישאו לשמונים זוגות אחיות כהנות בלילה אחד בהדה גופנא חוץ מאחים בלא אחיות מאחיות בלא אחים חוץ מלוים חוץ מישראל. 7) אמר רבי יוחנן שמונים חנויות של אורגי פלגם היו במגדל צבעייא. 8) אמר רבי חייה בר בא שמונים חנויות של מוכרי טהרות היו בכפר אימרא. (9 רבי ירמיה בשם רבי חייה בר בא שמונים שידות של מתכת היו בשיחין. אמר רבי יניי שידה לא היתה בימינו. 10) רבי זעורה בשם רבי חונה אימר היא היתה קטנה שבמשמרות והיא היתה מוציאה שמונים וחמשה אלף פרחי כהונה. 11) אמר רבי יוחנן שמונים אלף פרחי כהונה נהרגו על דמו של זכריה Fassen wir diese Mittheilungen einzeln der Reihe nach in’s Auge; die erste meldet: Zwei Zedern standen auf dem Oelberge, unter der einen verkaufte man in vier Läden Toharoth, von der andern
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ostentativ gefeierten Volksfesten fernbleiben wollten, vor der Zeit kamen und gesondert opferten. Falls צבועים mit הר צבועים identisch ist, sehen wir auch hier die Bestätigung der oben erschlossenen Thatsache, dass, wie in Jericho, auch hier die vornehmen Priester die Bewolıner ihres Ortes veranlassten, den pharisäischen Einführungen entgegenzuhandeln.
1) Grätz IV, Seite 145 und 425 ist der Ansicht, dass sich diese Schilderungen auf die dem Barkochbakriege unmittelbar voraufgehende Zeit und nicht auf die letzten Jahre des Tempelbestandes beziehen; doch belehrt uns ein prüfender Blick auf die nur durch die Voraussetzung, dass das Heiligthum besteht, verständlichen Punkte, auf die Toharoth und Opfertauben, um uns zu überzeugen, dass sich diese Berichte nur auf die Zeit, als man in Jerusalem noch opferte, beziehen können.


gewann man monatlich vierzig Seah Tauben, von denen man alle Geflügelopfer der Juden bestritt.1) 2. Der Berg Simon
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1) Der Sinn des zweiten Satzes ist, wie der ähnlichlautende Bericht in Berachoth 44a אילן אחד היה לו לינאי המלך בהר המלך, שהיו מורידים ממנו ארבעים סאה גוזלות משלש בריכות בחדש lehrt, dass auf der genannten Zeder so viele Tauben nisteten und brüteten, dass alle Bedürfnisse des Tempels von diesem Baume allein gedeckt werden konnten. Es fragt sich nur, wem dieser gehörte; die Nähe der Kaufhallen, in denen man Toharoth verkaufte, lässt vermuthen, dass diese, wie jene einen Eigenthümer hatten, was der Angabe in Schekalim V, 1 schnurstracks widerspricht, wo Mardochai als der über die Vogelopfer gesetzte Beamte gezählt wird, dessen Aufgabe es war, Jedem, der Tauben darzubringen hatte, für einen gewissen Betrag solche zu liefern. Um dieser Schwierigkeit zu begegnen, könnte man wohl annehmen, dass der genannte Tempelbeamte die Tauben auf dem Tempelberge von den Eigenthümern des Baumes kaufte, oder sich die Magazine des Heiligthumes daselbst befanden, aus denen die nöthigen Tauben täglich geholt wurden (vgl. Grätz III, Seite 781, Note 1), doch ist hiefür im Wortlaute unseres Berichtes keine Stütze vorhanden, der vielmehr besagt, dass man die Opferthiere dort verkaufte. Ich gebe hier, ohne die für eine andere Gelegenheit vorbehaltene Beweisführung hieher zu setzen, folgende Vermuthung. Als im Jahre 63 das pharisäische Princip zur allgemeinen, alle Seiten des religiösen Lebens umfassenden Geltung gelangte, wurde der priesterliche Gerichtshof aus der Quaderhalle verdrängt, ohne aber dass derselbe, wie zu erwarten wäre, die Geneigtheit gezeigt hätte, sich in die Lage der Dinge zu fügen und seine Thätigkeit einzustellen. Daher finden wir in der Mischna Rosch haSchana I, 7, dass die Priester zwei Zeugen, die über die gesehene Mondsichel aussagen, annehmen, welche von dem בית דין, dem an ihre Stelle getretenen pharisäischen Gerichtshofe nicht anerkannt wurden. Dieselben Priester sind es, die in der Mischna Kethuboth I, 5 im Gegensatze zu den Weisen den priesterlichen Jungfrauen im Ehevertrage grössere Beträge zusichern; in Kethuboth XIII, 1—3 erscheinen sie als בני כהנים גדולים mit eigenen Meinungen in civilrechtlichen Fragen. Wo wirkte dieser priesterliche Gerichtshof, nachdem die Pharisäer seinen Platz in der sogenannten Quaderhalle eingenommen hatten und er sich seiner Macht nicht begeben wollte? Sollte etwa die talmudische Ueberlieferung eine diesbezügliche Mittheilung über Vorfälle im letzten Jahrzehnt des Tempelbestandes nicht ebenso erhalten haben, wie die Thatsache seiner fortgesetzten Wirksamkeit? In Wirklichkeit gedenkt sie der Wanderungen des Synhedrion in Aboda sara 8b, Rosch haSchana 31a (vgl. j. Synhedr. I, 18a, b. Schabb. 15a) ארבעים שנה עד שלא חרב הבית נלתה פנהדרין וישבה לה בחנויות‎ vierzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels wanderte das Synhedrion aus und besetzte sich in den Kaufhallen, wo die runde Zahl 40, wie in j. Joma V, 43a (siehe Grätz III, Seite 742), wenige Jahre vor der Zerstörung Jerusalem’s bedeutet. Schürer (II, Seite 163) thut Unrecht, diese Angabe, weil Josephus von dem Geschehnisse nichts weiss, für werthlos zu erklären, ohne auch nur den Versuch gemacht zu haben, den Inhalt und seine Grundlage zu prüfen. Derselbe


brachte jeden Freitag 300 Fass Nahrungsmittel1) hervor und wurde wegen Unzucht, nach Anderen wegen Ballspieles zerstört. 3. Zehntausend Dörfer befanden sich im Königsgebirge, von denen tausend dem Elieser b. Charsom gehörten. 4. Drei Dörfer gab es, deren קטמום zu Wagen nach Jerusalem geführt wurde, Kabul, Sichin und Migdal Zebaja. 5. Drei Städte hatten zwei Mal so viel Einwohner, wie die Zahl der aus Egypten befreiten Israeliten betrug, Kefar Bisch, Kefar Schichlaja und Kefar Dichraja. 6. R. Jochanan sagte: In Gofna heirateten 80 priesterliche Schwesternpaare. 80 priesterliche Brüderpaare an einem Abend. 7. R. Jochanan sagte: 80 Läden von Webern von Priesterhosen gab es in Migdal Zebaja. 8. R. Chijja b. Abba sagte: 80 Läden gab es in Kefar Imra, in denen Toharoth verkauft wurden. 9. R. Jirmija im Namen
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erzählt deutlich, wohin der eigentliche Gerichtshof ausgewandert ist, nämlich in die Kaufhallen; es sind dieselben, die auf dem Oelberge standen und in einem merkwürdigen, unsere Annahme bestätigenden Zusammenhange nochmals vorkommen, in b. Baba mezia 88a מפני מה חרבו חנויות של בית היני שלש שנים קודם ירושלים שהיו מעמידין דבריהן על דברי תורה שהיו אומרים תעשר . . . ולא מוכר . . . ולא לוקח wo überliefert wird, dass die Eigenthümer der Kaufläden von ihrem Getreide keine Zehnten geben wollten, indem sie sagten, dass Getreide, mit dem man Handel treibt, der Pflicht des Vetzehntens nicht unterliege. Sifre Deuteron. §. 105 und j. Pea I, 16c hat statt בני חנן: בית היני (siehe Grätz III, Seite 779, Note 5); Derenbourg (Essai, Seite 446) nimmt mit vollem Rechte, aber ohne Beweise zu erbringen, an, dass diese Kaufläden auf dem Oelberge in Händen von Priestern waren. Es sind dieselben, die sich, als die Pharisäer das Tempelwesen ganz umgestalteten und die aristokratischen Priester aus dem Heiligthume verdrängten, auf dem Oelberge Kaufläden errichteten, um sich durch den Verkauf von Opfertauben und Getreide unter den beiden Zedern für das ihnen bisher reichlich zufliessende und das oft mit Gewalt gewonnene Einkommen im Tempel zu entschädigen. Da diese Kaufläden, die sie innehatten, zu Anfang der Belagerung Jerusalem’s zerstört wurden, mussten die Priester in die Stadt zurück, was die angeführte Stelle von dem Synhedrion ebenfalls berichtet.
1) Soll es statt des unverstindlichen מוקוע nicht einfach מקצוע heissen, welches ein Geräth bedeutet, das immer in Verbindung mit Feigen genannt wird (siehe Levy, Wörterbuch, s. v. מקצוע und קצע)? Dieser Satz ist der einzige aramäisch gefasste in der langen Reihe der hebräischen Berichte und scheint auch inhaltlich nicht in diesen Zusammenhang zu gehören, denn, wie wir sehen werden, beschäftigen sich alle mit Gegenständen, die dem Kreise des Tempels und der Priesterschaft angehören, während dieser Satz nur die Fruchtbarkeit einer Gegend ohne jede Beziehung schildert.


des R. Chijja b. Abba sagte: 80 eherne Kästen gab es in Sichin. 10. R. Seira im Namen R. Huna’s sagte: Immer war die kleinste aller Priesterabtheilungen und brachte 85.000 junge Priester hervor. 11. R. Jochanan sagte: 80.000 junge Priester wurden erschlagen wegen des an Zacharia verübten Mordes. Ueberblicken wir die hier wörtlich angeführten Einzelberichte, so sehen wir Nr. 1 und 8 von Läden erzählen, in denen man Toharoth und Opferthiere verkaufte, Nr. 6 von der grossen Zahl der Priesterfamilien in Gofna, Nr. 10 von der Grösse der Priesterabtheilung Immer, Nr. 11 von den Tausenden der ermordeten Priester im Tempel, Nr. 3 von tausend Dörfern, die dem Hobenpriester1) Elieser b. Charsom gehörten, Nr. 7 von Webern der Priesterkleider;2) demnach berichten sieben Punkte ausdrücklich über die Priester des jerusalemischen Tempels und über solche Gegenstände, die mit ihnen eng zusammenhängen,3) so dass die Vermuthung berechtigt erscheinen dürfte, dass die ganze aus eilf Gliedern bestehende Reihe dieser Ueberlieferungen von denselben handelt. Der Redactor des palästinischen Talmuds hatte sie bereits in dieser Zusammenstellung fertig vorgefunden4) und sie seiner Schilderung der einstigen Grösse und Herrlichkeit Judäa’s unverändert einverleibt.5) Ist dieses als wahrscheinlich zugegeben, so folgt hieraus, dass diese Angaben, auch wo sie nicht ausdrücklich, wie bei Gofna und Immer, von der grossen Anzahl der Priester sprechen, und Städte nennen, solche meinen, in denen ebenfalls Priester wohnten; es ist hiebei noch zu beachten, dass es R. Jochanan ist, der über Gofna, Migdal Zebaja und Jerusalem berichtet und es sein Schüler, R. Chijja b. Abba, ein Priester ist, der uns Kefar Imra und Sichin beschreibt.
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1) Siehe Tos. Joma I, 22, b. Joma 35b.
2) Vgl. Levy, 8. v. פלניא mit Nidda 13b מכנסי כהנים למה הן דומין כמין פלניא של פרשי; Threni r. ad v. בלע, Seite 62a.
3) Von Nr. 4 und 9 werden wir später besonders sprechen und da wird sich uns dieselbe Beziehung ergeben, siehe unten Seite 200.
4) Er hat nur den vorher besprochenen aramäischen Satz eingefügt.
5) Der Umstand, dass in unmittelbarer Nachbarschaft die Folgen des hadrianischen Krieges geschildert werden, führte Grätz, wie bereits erwähnt wurde, zu der Annahme, dass auch dieses Stück, das jedoch für sich steht und abgeschlossen ist, derselben Zeit gewidmet ist.


Ich weiss wohl, dass man diesem, ohnehin nur durch einen Wahrscheinlichkeitsschluss gestützten Ergebnisse in erster Reihe den Einwand entgegenhalten wird, dass doch nicht etwa tausend Dörfer des Königsgebirges von Priestern bewohnt waren, wie es nach meiner Auffassung aus diesem Berichte folgen würde! Bemerken wir zuvörderst, dass die drei Dörfer, deren Grösse Nr. 5 so übermässig übertreibend schildert, nach einer anderen Quelle im Königsgebirge lagen; es wird nämlich in b. Gittin 57a, — wo die Berichte über die Zerstörung Jerusalem’s und die Bettar’s noch weniger von einander geschieden sind, als im palästinischen Talmud, ja durcheinander laufen, von R. Jochanan bemerkt: »Es heisst in Threni 2, 2, ‚Zerstört hat der Ewige die Triften Jakobs‘, damit sind die sechzigtausend Dörfer gemeint, die der König Jannai im Königsgebirge hatte; so sagte auch R. Jehuda im Namen R. Assi’s (des Schülers von R. Jochanan), sechzigtausend Dörfer hatte der König Jannai im Königsgebirge, jedes hatte 600.000 Einwohner, mit Ausnahme dreier Städte, die das Zweifache hatten, nämlich Kefar Bisch, Kefar Schichlajim und Kefar Dichraja.« Berücksichtigen wir ferner, dass die Opfertauben, derer unser Bericht an erster Stelle gedenkt, laut einer Baraitha1) aus dem Königsgebirge stammten, wie dieses in überschwinglicher Weise auch in Berachoth 44a hervorgehoben wird; R. Abin sagte: der König Jannai hatte im Königsgebirge einen Baum, von dem man 40 Seah Tauben von dreimaliger Brut monatlich hatte. Da uns andererseits fast mit denselben Worten gemeldet wurde, dass eine Zeder auf dem Oelberge bei Jerusalem so viele Tauben lieferte, muss irgend ein Zusammenhang zwischen diesem Berge und dem Königsgebirge obwalten. Sollte vielleicht die ganze Kette der Schilderungen im jerusalemischen Talmud nur verschiedene Punkte des Königsgebirges zum Gegenstande haben? Dann müsste natürlich auch Gofna, dessen Lage uns genau bekannt ist, in demselben gelegen haben, da es sich ja inmitten der genannten Einzelberichte beschrieben findet. Wohl gibt es hiefür keine directe Angabe, doch spricht der Umstand, dass b. Berachoth 44a unmittelbar nach der Schilderung des Königsgebirges über Gofna handelt, für die vermuthete Lage
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1) Menachoth 87a, Tos. Menachoth IX, 3.


desselben; aber es lässt sich auch beweisen, wenn es uns gelingt, die Ausdehnung des genannten Gebirges zu bestimmen, um dann das aus Josephus’ Werken genügend bekannte Gofna darauf hin zu vergleichen.
In Sifre Deuteron. §. 6 wird Deuteron. 1, 7 ובואו הר האמורי ואל כל שכניו בערבה בהר ובשפלה ובנגב ובחוף הים das mit diesen Grenzbestimmungen ganz Palästina umspannt, folgendermassen erklärt: ואל כל שכניו זה עמון ומואב והר שעיר. בערבה זה מישור של יער. בהר זה הר המלך. בשפלה זה שפלת דרום. ובנגב ובחוף הים זה אשקלון ועזה וקיסרין Da werden‎ in einzelnen Stücken alle Theile des den Israeliten verheissenen Gebietes aufgezählt und wir finden in der That alle, nur die eigentliche Mitte des Landes fehlt, die demnach offenbar unter הר המלך zusammengefasst wird. Schon Neubauer1) bemerkt daher, dass das Königsgebirge von Jerusalem bis zur Ebene Jesreel den ganzen Norden umfasst.2) Daher konnte R. Assi von einer so grossen Zahl von Dörfern in diesem Gebirge reden, welche an die der galiläischen Städte bei Josephus3) erinnert, mit denen er, — wie sein Lehrer R. Jochanan*4) in der Bemerkung, dass sechzigtausend Ortschaften von Gibtha bis Antipatris, den beiden Grenzstädten Judäa’s vorhanden waren, ganz Judäa meinte,5) — den von Jerusalem nördlich sich erstreckenden Theil Palästina’s bezeichnen wollte. Denn, wie die Mischna (Schebiith IX, 2) zeigt, die da bestimmt, dass die Ebene von Lydda in manchen religionsgesetzlichen Hinsichten der Ebene des Darom und das Gebirge von Lydda dem Königsgebirge gleichgestellt sei, muss diese Stadt an der Grenze dieses Gebirges gelegen, dieses selbst also schon bei Jerusalem begonnen
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1) Geographie, Seite 41.
2) Grätz in Monatsschrift 1882, Seite 17 ff. will beweisen, dass הר המלך‎ ‎eine Stadt bedeute und mit dem von Johann Hyrkan erbauten Hyrkanion identisch sei, doch ruht seine Beweisführung auf sehr zweifelhafter Grundlage.
3) Bellum Judaicum III, 3, 1.
4) j. Megilla I, 70a, Threni r. בלע, Seite 62b.
5) In der Agada sind diese Grenzbestimmungen auch auf die Zeit der judäischen Könige übertragen, welches Verfahren bekanntlich nicht zu den Seltenheiten gehört; so sagt R. Jizchak Napcha in Synhedr. 94b: Zur Zeit des Königs Chiskija fand sich kein Unwissender von Dan bis Beer-Seba und zwischen Gebath und Antipatris gab es kein Kind und keinen Erwachsenen, die nicht die levitischen Reinheitsgesetze gekonnt hätten.


haben,1) so dass es nunmehr unzweifelhaft ist, dass Gofna im Norden Judäa’s im Königsgebirge lag. Doch ist es hauptsächlich der in der Nähe Jerusalem’s gelegene Theil dieses Gebirges, mit dem die Ueberlieferungen des Talmuds sich befassen und es scheint, dass die Priester aus naheliegenden, einleuchtenden Gründen hier ihren Aufenthalt genommen haben,2) wie in Gofna und wie auch laut Angabe des Evangeliums (Lucas 1, 39) der Priester Zacharias im Gebirge Judäa’s wohnte. Wäre es nun mit Hülfe der talmudischen Mittheilungen möglich, die im Königsgebirge ausdrücklich gezählten drei Städte, Kefar Bisch, Kefar Schichlaja und Kefar Dichraja näher zu bestimmen, so hätten wir mit grosser Wahrscheinlichkeit ebenso viele Wohnstätten der Priester gewonnen; doch sind dieselben sonst nirgends genannt.3)
Zum Schlusse dieser Betrachtung will ich noch eine Bemerkung der Tosefta über die Zufluchtsstädte besprechen, da dieselbe ebenfalls zur Beantwortung der Frage, wo Priester und Leviten zu suchen seien, beitragen dürfte. Ein alter Bericht meldet nämlich,4) ואף על פי שהפרישו שכם בהר אפרים לא היתה קולטת הפרישו קרית יערים תחתיה עד שכיבשו את שכם. ואף על פי שהפרישו את קדש בגליל לא היתה קולטת והפרישו גמלא תחתיה ער שכיבשו את קדש‎ Es ist eine beachtenswerthe Mittheilung, die, da sie weder aus Vergleichung und agadischer Deutung von Bibelstellen, noch aus irgend welcher gekünstelten Combination hervorgegangen ist, gewiss thatsächliche Verhältnisse aus der Zeit des Verfassers dieses Ausspruches auf die Vergangenheit überträgt, wie wir das gleiche Verfahren nicht nur in der talmudischen Litteratur, sondern in mehreren Fällen auch bei Josephus zu beobachten die Gelegenheit hatten. Jedesfalls beweist die Stelle soviel, dass diese
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1) Dasselbe bestätigt auch j. Demai VI, 25a; siehe Grätz in Monatsschrift 1876, Seite 2.
2) Vgl. Derenbourg, Essai, Seite 446.
3) Es ist jedesfalls beachtenswerth, dass der Midrasch Threni r. בלע Seite 62a, indem er den Wortlaut des palästinischen Talmuds getreu wiedergibt, bei den drei Städten im Königsgebirge den Zusatz בדרום hat, das ohne Zweifel die Bezeichnung für Judäa im Allgemeinen ist (siehe Frankel in Ha-Maggid IX, 24) und da diese Angabe entweder auf eine Quelle oder die Kenntniss des Autors von der Lage dieser Städte zurückgeht, so haben wir auch hierin die Bestätigung dessen, dass dieselben in Judäa lagen.
4) Tos. Makkoth III, 2, j. Makkoth II, 31d.


Städte, die in der Bibel nirgends als Zufluchtsorte bezeichnet sind, der Bedingung, welche die Thora an eine solche Stadt stellt, nämlich von Leviten bewohnt zu sein, entsprochen haben. Wohl könnte man annehmen, dass der Verfasser dieses Berichtes Kirjath-Jearim sich deshalb als Zufluchtsort dachte, weil er fand, dass die Bundeslade dort geweilt und von dessen Bewohnern gehütet wurde (I Samuel 7, 1), was doch nur, wie schon I Chronik 13, 2 hinzufügt, von Leviten geschehen konnte; doch da Gamala in der Bibel gar nicht vorkommt, muss es zur Zeit unseres Gewährsmannes von Leviten bewohnt gewesen sein, und die Wahrnehmung dieser Thatsache bewog ihn zu der Annahme, dass Gamala eine Zufluchtstadt gewesen sein müsse. Es war jene um so leichter, als es für eine sehr alte Stadt galt, wie es aus der Mischna (Arachin IX, 6) erhellt, die es zu den seit Josua’s Zeit befestigten Orten zählt, und als Festung gleichfalls zur Zufluchtsstadt geeignet war, wie Josephus (Antiquit. IV, 4,3) — im Gegensatze zur Halacha1) — von den Levitenstädten, von denen einige als solche dienten, sagt, dass sie feste, schöne Städte waren. Eine dieser 48 und zwar zu jenen 13 gehörend, welche die Leviten den Priestern überliessen,2) ist Beth-Schemesch, das R. Jochanan3) mit denselben Worten schildert, wie in Threni r. (s. v. בלע) die Priesterabtheilung Immer, משמרתה היתה קטנה במשמרות והיתה מוציאה שמונים אלף פרחים, es demnach als Priesterstadt bezeichnet. Wohl spricht er in dieser Ueberlieferung von der Zeit des ersten Tempels, doch ist es nicht nur an sich selbstverständlich, sondern auch aus der Umgebung, in welcher sich diese Mittheilung befindet, ersichtlich, dass er die Verhältnisse und Vorfälle in Jerusalem und Palästina schildert, wie sie unmittelbar vor der Zerstörung des zweiten Tempels waren und denen R. Jochanan, wie wir bereits einige Male erfuhren, besondere Aufmerksamkeit widmet.4)
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1) Tos. Makkoth III, 8, b. Makkoth 10a, Sifre Numeri § 109, b. Arachin 33b: לא טירים קטנים לא כרכים גדולים אלא עיירות בינוניות der Talmud findet es ebenfalls, seinem Standpunkte gemäss, auffallend, wie die Festung Kedesch zu solchen Zwecken ausersehen werden konnte.
2) Josua 21, 13—19, I Chronik 6, 42—45.
3) j. Taanith IV, 69a, vgl. 69b.
4) Hieraus folgt, dass auch unter dem, im selben Zusammenhange geschilderten Propheten Zacharia, trotzdem derselbe als eine biblische Figur


Wir haben demnach mehrere in Judäa gelegene Ortschaften als Wohnsitze von Priestern kennen gelernt, von denen es sich uns zugleich ergab, dass sie zumeist unweit von Jerusalem selbst sich befanden. Es wird jedoch im Zusammenhange mit einem Priester auch ein Ort genannt, der entfernt von der Stadt des Heiligthums lag, weshalb ich dessen Besprechung zum Schlusse unserer Untersuchung gelassen habe. Tos. Para X, 2 berichtet nämlich, אמר רבי אליעזר מעשה בשמעיה1) איש כפר עותני שהיה בידו לגין מלא מי חטאת והגיף את הדלת שמפתח טמא טמא מת תלוי בה ובא ושאל את רבי יוחנן בן זכאי ואמר לו שמעיה צא והזה את מימיך; da der hier vorgeführte Mann ein Gefäss mit Reinigungswasser in der Hand hat und die Erlaubniss erhält, es zu sprengen, muss er ein Priester gewesen sein. Nun wird uns auch sein Wohnort angegeben, כפר עותני der auch sonst aus der Mischna2) als ein Grenzort im Norden Judäa’s bekannt ist; auch Josephus
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behandelt wird und auch die einzelnen Züge seines Auftretens der Bibel entlehnt sind (II Chronik 24, 21), ein in der letzten Zeit des zweiten Tempels lebender Warner und die vom Talmud beschriebene Mordthat eine an ihm verübte ist (vgl. oben Seite 37); Grätz (III, Seite 754) hat demnach Recht, wenn er in dem Evangelium Matth. 23, 25 den Hinweis auf dieselbe Begebenheit findet, die Josephus (Bellum Judaicum IV, 5, 4) schildert und die ich auch in der eben angeführten Beschreibung R. Jochanan’s wiedererkenne. Obgleich einzelne Züge, die im Talmud von Zacharia erhalten sind, auf den Zacharia bei Josephus und Matthäus nicht passen, so steht der Identificirung dennoch nichts im Wege, da die talmudisch-agadische Darstellung sich an die Bibel anlehnt und aus derselben die Einzelheiten ihrer Schilderung nimmt, ohne Rücksicht auf die wirkliche Person, die sie ja als mit der biblischen identisch angenommen hat. Wohl sagt andererseits Josephus nicht, dass der Ermordete ein Priester war, was zu bemerken er gewiss nicht unterlassen hätte, wenn er es gewesen wäre, um die Sünde der ohnehin so scharf verurtheilten Männer nur noch grösser erscheinen zu lassen; doch berücksichtige man eine bisher noch gar nicht beobachtete Erscheinung, um Zacharia doch als Priester anzuerkennen. Wir finden nämlich, dass sich im Kreise der Priester gewisse Namen wiederholen, ohne bei Laien angetroffen zu werden; so sehen wir Zacharia bei Zacharia b. Kebutal in Joma I, 6, der dem Hohenpriester am Versöhnungstage aus der Bibel vorliest, demnach selber Priester war, Zacharia b. Hakazzab in Kethuboth II, 9, Zacharia b. Abkolos in Tos. Schabb. XVII, 6 (s. Grätz III, Seite 818), Zacharia, Sohn Phalek’s aus priesterlichem Geschlechte in Bellum Judaicum IV, 4, 1, Zacharia in Lucas 1, 5, 59. Vgl. auch 11, 51 mit בין האולם ולמזבח.
1) Seder hadoroth s. v. אליעזר liest .אליעזר בן שמעיה
2) Gittin VII, 8, Tos. Gittin VII, 9.


(Bellum Judaicum III, 3, 5) gedenkt desselben, indem er sagt: »Beide (Samarien und Judäa) grenzen bei einem Dorfe Anuath mit dem Zunamen Borkeos zusammen und dieses ist auch der Grenzort Judäa’s gegen Norden.« Neubauer1) identificirt mit Recht das talmudische Kefar Uthni, das die Mischna ausdrücklich als an der Grenze Judäa’s gelegen bezeichnet, mit Anuath und er glaubt dieses Dorf, das Josephus auch Borkeos nennt, auch in כפר ברקאי in Pessachim 57a wiederfinden zu können. Beachtenswerth für unsern Zweck wäre hiebei, dass ein Hoherpriester aus diesem Orte genannt wird und wir soeben einem gewöhnlichen Priester daselbst begegneten. Wir sehen also, dass Priester, die in Jerusalem Dienst verrichteten, sogar an der Nordgrenze Judäa’s wohnten, was wohl nur selten geschehen sein dürfte, doch nichts Auffallendes an sich hat, da sie nur zwei Mal im Jahre nach Jerusalem zu gehen brauchten.

 

d) Priester in Galilia.

Da es laut der letztangeführten Stelle auch im äussersten Norden Judäa’s Priester gab, will ich im Zusammenhange hiemit einige Worte der Frage widmen, ob Priester auch in Galiläa gewohnt haben, ohne jedoch auf die von dem Dichter Kalir in seinem Klagelied (2 איכה שבת aufgezählten Wohnsitze der 24 Priesterabtheilungen hier einzugehen. Wir würden erwarten, dass Josephus, der Galiläa so eingehend beschreibt, auch die Zusammensetzung seiner Bevölkerung behandeln, oder zu mindestens mit andeutenden Bemerkungen streifen werde; doch hatte er hiefür entweder keinen Sinn, wie es ihm schon oft zum Vorwurfe gemacht wurde, oder in seinem für Römer geschriebenen Werke keinen Raum, und wir sind auch hier auf die talmudischen Quellen angewiesen, die aber zu unserer Beruhigung infolge der schon oft betonten Unabsichtlichkeit ihrer uns interessirenden Mittheilungen volles Vertrauen verdienen. Dieselben erzählen,3) Joseph b. Illem aus Seppho-
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1) Géographie, Seite 57.
2) Siehe Zunz, Litteraturgeschichte der synagogalen Poesie, Seite 602; Schorr in Hechaluz IX/2, Seite 51.
3) Tos. Joma I, 4, j. Joma II, 38d, b. Joma 12b, vgl. j. Megilla I, 72b und Horajoth III, 47d.