e) Das Targum Pseudo-Jonathan und das Jubiläenbuch über die Leviten.

Posted 8 mos ago

Im innigsten Zusammenhange mit der uns beschäftigenden Frage wird es nothwendig, eine für die Geschichte der Priesterschaft und des Verhältnisses der Leviten zu derselben bisher nicht beachtete Quelle hier näher zu betrachten. Wir haben bei der Erörterung der zwei heiligen und im Tempel besonderer Aufmerksamkeit gewürdigten Opferhandlungen, der Zubereitung der Reinigungsasche und der Entlassung des Sündenbockes am Versöhnungstage gefunden, dass auch Nichtpriester zu gewissen Verrichtungen bei denselben zugelassen, dass diese in früherer Zeit jedoch dem von den Priestern eingeführten und stets festgehaltenen Brauche gemäss ausschliesslich von diesen selbst ausgeführt wurden. Diese Thatsache sehen wir besonders deutlich und bestimmt in dem Berichte der Mischna (Joma VI, 3) zum Ausdrucke gebracht, der da besagt, הכל כשירין להוליכו (את השעיר המשתלח) אלא שעשו כהנים גדולים קבע ולא היו מניחין את ישראל להוליכו. אמר רבי יוסי מעשה והוליכו ערסלא מצפורי וישראל היה » Jeder darf den Sündenbock führen, doch setzten es die Hohenpriester fest, keinen Laien zuzulassen; R. Jose sagte, es ereignete sich, dass Arsela aus Sepphoris den Bock führte und er war ein Laie.« Und da an der Thatsache, dass in diesem Punkte, wie in vielen anderen des Opferdienstes, sich in der letzten Zeit des Tempels eine Umgestaltung vollzog, nicht zu zweifeln ist, sind wir auch in der Lage, den Zeitpunkt zu bestimmen, wann das eben angeführte Geschehniss vorgefallen ist. Auf Grund des in den voraufgehenden Untersuchungen erzielten, vielfach bestätigten Ergebnisses, dass R. Jochanan b. Sakkai in der Bewegung, welche diesen Wechsel vollzog, eine wichtige Rolle spielte, und dass alle mit den Einzelheiten des Opferdienstes sich befassenden Mischnastellen und Tractate sich auf den neugestalteten Dienst des Heiligthumes beziehen,1) können wir auch hier mit Zuversicht behaupten, dass auch die Ueberlieferungen R. Jose’s, — wie wir es übrigens bereits erkannt haben, — auf das letzte Jahrzehnt des Tempels hinweisen. Hienach würde sich dieser Bericht den übrigen, oben behandelten und derselben Zeit zugewiesenen anschliessen und uns in Uebereinstimmung mit diesen melden, dass der grosse, durchgreifende Umschwung in den letzten Jahren des jüdischen Staates nicht nur die Stellung der Pharisäer zum Tempel, sondern auch die des mit ihnen verwachsenen Volkes zu den Opferhandlungen änderte. Während
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1) Siehe Grätz, Geschichte III, Seite 749.


nämlich vor dieser tief einschneidenden Veränderung ausschliesslich die Priester alle Opferhandlungen innerhalb und ausserhalb des Heiligthums für sich in Anspruch nahmen, — selbst in solchen Fällen, wo das Gesetz es gar nicht vorschreibt, dass jene von Priestern vollzogen werden,1) wie es zum Beispiel bei der Entlassung des Sündenbockes in Leviticus 16, 21 ושלח ביד איש עתי der Fall war, — um den Laien als nicht geheiligte Person von den Opfern fernzuhalten und die eigene Heiligkeit um so grösser erscheinen zu lassen, gewährten die gelehrten Häupter der Pharisäer nach ihrem Siege über die ausschliessenden Priester auch Laien den Zutritt zu manchen, die Opfer selbstverständlich nur mittelbar betreffenden Handlungen. So war bis dahin auch das Schlachten der Opfer in den Händen der Priester, wie wir es aus allen oben (Seite 138) angeführten Stellen unwiderleglich erwiesen, und wurde jetzt unter Aufsicht und Anleitung der Gelehrten vollzogen, die da fanden, dass die unwissenden Priester auf die Vorschriften nicht genügend achteten. Ebenso verhielt es sich mit der Zubereitung der Reinigungsasche, deren Bestimmungen in Numeri 19 die dabei beschäftigten Personen einigemal ohne nähere Bezeichnung mit איש oder überhaupt ohne jede Nennung des Subjectes als dritte Person des Verbums vorführen, demnach jedesfalls auch den Laien zulassen.2)
Vergleichen wir nun mit diesem Thatbestande die verschiedenen Versionen zu den eben besprochenen zwei Bibelstellen, so finden wir bei allen die genaue, wortgetreue Wiedergabe des unbestimmten Ausdruckes, mit Ausnahme des Pseudo-Jonathan’schen Targums, das, wo es ihm nur möglich ist und es durch den zu deutlich sprechenden Wortlaut der Bibel nicht gehindert wird, den Priester als die alle mit den Opfern zusammenhängenden Handlungen ausführende Person einfügt. So übersetzt es beim Dienste am Versöhnungstage in Levitus 16, 27 ,יתפקון באסלין על ידיהון טליא דכהניא mit יוציא
wo es wohl die ersten Worte der Halacha entsprechend hinzufügt, die Priester aber im Widerspruche mit derselben ergänzt. In gleicher Weise ver-
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1) Vgl. Brüll in Beth Talmud I, Seite 273 ff.
2) Auch Philo, De offerentibus §. 3 sagt: »Wenn das Feuer erloschen ist, befiehlt die Thora, dass ein Mann, der rein ist, die Asche sammle,« begnügt sich also mit der einfachen Wiedergabe des Wortlautes der Thoravorschrift.


fährt Pseudo-Jonathan folgerichtig in Numeri 19, 3 bei der Zubereitung der Reinigungsasche, wo er ושחט mit וכהנא אוחרן‎ Vers 5 ‏ ושרף‎mit כהן אוחרן Vers 9 איש טהור mit גבר כהן דכי wiedergiebt und alle Subjecte in Vv. 18, 19 und 21 durch das Einschieben des Priesters ergänzt. Geiger1) erklärt diese Erscheinung als sadducäischer Gesinnung entsprungen, dagegen sieht Gronemann2) hierin keine selbstständige, von der Halacha mit Bewusstsein abweichende Auffassung zum Ausdruck gebracht.3) Dass dieses Verfahren Pseudo-Jonathan’s nicht auf wenige Beispiele beschränkt sich zeigt, sondern der Ausfluss eines Principes ist, erhellt zur Genüge aus seiner Uebersetzung zu solchen Stellen, welche die besonderen Rechte der Priester betonen, wo er es für nöthig erachtet, hervorzuheben, dass die Thora die Leviten der betreffenden Vorzüge nicht theilhaftig werden lassen will; so umschreibt er zu Exodus 29, 30 ‏שבעת ימים ילבשם הכהן תחתיו מבניו‎ mit ‏,ילבשינון כהנא דיקום בתרוי מן בנוי ולא מן ליואי בזמן דיעולין למשכן זמנא‎ einen Zusatz darbietend, der umso grössere Beachtung verdient und umso eher als eine gegen andere Meinungen ankämpfende Bemerkung angesehen werden muss, als wir wissen, dass die Leviten in den letzten Jahren des Tempels sich bei Agrippa II die Erlaubniss erwirkten, priesterliche Kleider tragen zu dürfen.4) Pseudo-Jonathan schliesst sich hierin ganz der Ansicht des aristokratischen, auf seine priesterlichen Vorrechte eifersüchtigen Josephus an, der diese Erlaubniss des Königs für eine grosse Sünde erklärt, die eine schwere Strafe verdiente.
Es ist der Ausfluss seines strengpriesterlichen Standpunktes, wenn er nachdrücklichst und möglichst häufig die Heiligkeit des Priesters betont, wie in seiner Uebersetzung zu Exodus 29, 37 und 30, 29, כל הנונע במזבח יקדש‏ mit כל דיקרב במדבחא יתקרש מן בני אהרן ברם מן שאר עמא לית אפשר למקרב דילמא יתוקדון באשא מצלהבא דנפיק מן קודשיא um das Nahen eines Laien zum Altare, dem nur ein Priester etwas naheführen darf, für ausgeschlossen zu erklären; er verhängt zugleich den Tod durch göttliches Feuer, — welche Strafe er Leviticus 10, 2 entlehnt, — über Jedermann, der als
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1) Urschrift, Seite 477.
2) Die Jonathan’sche Pentateuchübersetzung, Seite 43.
3) Vgl. Sifre Numeri §. 124 und Gronemann, Seite 52, Note 1.
4) Antiquit. XX, 9, 6; siehe oben Seite 137.


Nichtpriester in das Heiligthum tritt, zu Numeri 4, 15, 19, 20; Leviticus 16, 13; 22, 9 und noch oft.1) Es ist auch hier seine Tendenz umso klarer, als wir zur Erkenntniss gelangt sind, dass durch den Sieg der Pharisäer im letzten Jahrzehnt des Tempelbestandes Leviten und Laien zu manchen, früher ausschliesslich von Priestern vollführten Handlungen im Heiligthume zugelassen wurden; gegen dieses Eindringen fremder, unbefugter Personen kämpft er mit diesen Zusätzen, wie in den früher angeführten gegen das Tragen weisser Kleider von Seiten der Leviten. Den Dienst derselben beschränkt er auf die Hülfsarbeiten ausserhalb des Stiftszeltes zu Numeri 18, 4, dagegen theilt er jedes Amt und alle Ehren, welche im Pentateuch genannt werden, den Priestern, die im Texte nicht einmal erwähnt sind, zu; sie vertheilen das Land unter die Stämme in Numeri 34, 18, begleiten den Hohenpriester Eleasar, als er dem aus einer Schlacht zurückkehrenden Heere entgegengeht, in Numeri 31, 13, sie sind seine Beisitzer in einer wichtigen Verhandlung in Numeri 32, 2 und noch anderes mehr.2)
Bevor wir in der Untersuchung weiterer Einzelheiten bei Pseudo-Jonathan fortfahren, ist es nöthig, wenn es das Material ermöglicht, seinen Standpunkt festzustellen. Dass er zum grossen Theile der talmudischen Halacha folgt, hat Gronemann in einer Reihe von überzeugenden Beispielen dargethan; dass sich aber in seiner Uebersetzung eine ansehnliche Anzahl von Stellen findet, die jener schnurstracks zuwiderlaufen, hat ebenfalls Gronemann verzeichnet, ohne jedoch hiefür in der von ihm angegebenen unzweifelhaft selbstständigen Auffassung Pseudo-Jonathan’s einen auch nur zum Theile befriedigenden Grund genannt zu haben. Denn stände er mit seiner der Halacha widersprechenden Erklärung mancher Bibelstellen vereinzelt da, so könnten und müssten wir mit der Annahme Gro-
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1) Vgl. Brüll in Beth Talmud IV, Seite 7.
2) Das Schlachten der Opfer lässt er durch einen im Bibeltexte auch nicht angedeuteten טבח besorgen; siehe besonders Leviticus 14, 5 ‎וצוה הכהן ויפקד כהנא לטבחא ויכוס = ושחט (und Geiger, Urschrift, Seite 469, und Jüdische Zeitschrift XI, 53), woraus nicht klar wird, ob er einen Laien für zulässig hält, da er darunter einen geübten Priester, der das Schlachten gelernt hat, verstehen kann, wie nach j. Schekalim V, 49a die Priester dasselbe bei den Weisen lernen.


nemann’s, dass sich hierin seine Selbstständigkeit offenbart, uns zufrieden geben. Nun hat aber Hoffmann1) darauf hingewiesen und es mit einer stattlichen Anzahl von Belegen auch erhärtet, dass man im Pseudo-Jonathan’schen Targum einigen Bestimmungen begegnet, welche wohl der recipirten Halacha widersprechen, sich aber in der Mechilta aus der Schule R. Ismael’s wiederfinden. Er vermuthet daher, dass auch andere Stellen, für welche sich keine Parallelen ausfindig machen lassen, in dem verlorenen Theile der Mechilta enthalten sein mochten. Um auf diese nicht bis zu vollster Sicherheit erhobenen Vermuthungen allein zu bauen, nehmen wir noch hinzu, dass die Pseudo-Jonathan’sche Pentateuchübersetzung mit dem sogenannten Buche der Jubiläen, das ebenfalls der letzten Zeit des Tempelbestandes angehört, die Deutung von Leviticus 19, 24 betreffs קדוש הלולים, wie auch von Leviticus 18, 91 über den ehelichen Umgang mit Heidinnen gemein hat, welchen Vers auch R. Ismael mit Pseudo-Jonathan wörtlich übereinstimmend gedeutet hat; so ergiebt sich, dass die der talmudischen Halacha widersprechenden Theile der Uebersetzung einer frühen Zeit, der der letzten Jahre des Tempels angehören. Auch der Umstand, dass wir andererseits in einem die Leviten betreffenden Punkte eine Uebereinstimmung zwischen Pseudo-Jonathan und Josephus, dem aristokratischen Priester fanden, bekräftigt das eben erzielte Ergebniss, abgesehen davon, dass sich uns mehrere Stellen als solche zu erkennen gaben, die den Bestrebungen der im Jahre 63 zum Siege gelangten Richtung mit Bewusstsein und Absicht entgegenwirken wollten. Da wir nun ermittelten, dass sich die Auffassung Pseudo-Jonathan’s mit derjenigen deckt, welche die Priester vor dem Durchdringen der pharisäischen Richtung allgemein vertraten und der er betreffs der Leviten ebenso unverhohlen Ausdruck gibt, wie der Priester Josephus über das Vordringen der Nichtpriester in die heiligen Vorrechte der Priester, so können wir als Endergebniss den Satz hinstellen, dass die alten Bestandtheile des Pseudo-Jonathan’schen Targums den Standpunkt der strengen, auf ihre Vorrechte eifersüchtigen Priester jener Zeit einnehmen, die dem letzten Jahrzehnt des Tempelbestandes und dem Siege der Pha-
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1) Einleitung in die halachischen Midraschim, Seite 74 ff.


risäer unmittelbar voraufging; der Priesterschaft, die alle Macht in ihren Händen vereinigte, Leviten und Laien vom Tempel fernhielt, sich die Abgaben von allen Bodenerträgnissen, wie auch die ihr nicht gebührenden Zehnten und die Frucht des vierten Jahres aneignete und alle Aemter besetzt hielt. Es liefert dieses Targum in den wesentlichen Punkten dasselbe Bild, welches die früheren Betrachtungen darboten.
Ich kann nicht umhin, in diesem Zusammenhange, wo ich die Stellung der Leviten zu den Priestern bespreche und auf die Uebereinstimmung zwischen Pseudo-Jonathan und Josephus einerseits und zwischen dem ersteren und dem Jubiläenbuche andererseits hinweise, aus diesem das für die Verhältnisse der Leviten wichtigste Stück anzuführen und dasselbe mit einigen Worten zu beleuchten, während ich mir die Ausführung der das Jubiläenbuch selbst und dessen Stellung zu den zeitgenössischen Schulen Palästina’s betreffenden Fragen für eine andere Gelegenheit vorbehalte. Ich beschränke mich hier auf wenige, uns unmittelbar interessirende Zeilen, die ich wörtlich anführe, um hiedurch nur darauf hinzuweisen, welche Beziehungen zwischen diesem Buche und dem Pseudo-Jonathan’schen Targum obwalten. In Cap. 31, 13 segnet Isaak seinen Enkel Levi mit folgenden Worten: »Es segne dich zuerst der Herr aller Welten, dich und deine Söhne in alle Ewigkeit! Und der Herr mache dich und deinen Samen gross und sehr geehrt und lasse dich und deinen Samen zu sich herantreten vor allem Fleisch, um ihm zu dienen in seinem Heiligthum, wie die Engel des Angesichts und wie die Heiligen. Wie diese, soll der Same deiner Söhne sein zur Ehre und zur Würde und zur Heiligung und er mache sie gross in alle Ewigkeiten. Und Herren und Fürsten und Vorsteher sollen sie dem ganzen Samen der Kinder Jakob’s sein, das Wort des Herrn sollen sie in Aufrichtigkeit reden und sein Recht ganz nach Gerechtigkeit richten und meine Wege dem Jakob erzählen und meine Pfade Israel. Der Segen des Herrn werde in ihren Mund gegeben, damit sie segnen den ganzen Samen der Geliebten. Und deine Mutter hat deinen Namen Levi genannt und mit Recht hat sie dich so benannt, du wirst dem Herrn am nächsten stehen und wirst theil haben an allen Kindern Jakobs. Sein Tisch sei der deinige und du und deine Söhne sollen davon essen. Durch alle Geschlechter sei dein Tisch voll und dein Unterhalt werde nie wenig in alle Ewigkeit!« Man beachte die eingehende, alle Seiten der priesterlichen Stellung und Thätigkeit umfassende Schilderung der zukünftigen Bedeutung und des hohen Berufes der Söhne Levi’s und man wird in der ganzen Beschreibung keinen einzigen Zug finden, der auf die eigentlichen Leviten, die doch allein auch den Namen ihres Stammvaters führen, sich beziehen könnte. Der Verfasser des Jubiläenbuches kennt als Nachkommen Levi’s nur die Priester, obgleich laut dem Pentateuch, dem er seine Angaben und die Wendungen im Segen oft wörtlich entlehnt und seine eigenen Zusätze nachbildet, auch die Leviten als der Familie des Stammvaters Levi angehörend behandelt. Dass sich dieser Standpunkt des Verfassers nicht etwa an dieser Stelle allein kundgibt, erhellt aus dem den priesterlichen Abgaben gewidmeten Abschnitte, der die zahlreichsten, widersprechendsten Vermuthungen hervorgerufen und den Commentatoren unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet hat, die sich vergeblich abmühten, die Zugehörigkeit des Verfassers zu einer der bekannten jüdischen Parteien oder sich abzweigenden Secten festzustellen. In Cap. 32 weiht Jakob seinen Sohn Levi zum Priester, der in Bethel auch schon priesterliche Dienste verrichtet; hierbei werden die von der Thora vorgeschriebenen Abgaben einzeln aufgezählt, die einestheils dem Priester angehören, während andere in Jerusalem gegessen werden sollen. Wohl spricht der Verfasser ausdrücklich von dem Zehnten, gedenkt jedoch mit keinem einzigen Worte und keiner Andeutung der Leviten, denen der Zehnt laut der unmissverständlichen Bestimmung des Gesetzes gehört, sondern spricht nur vom Priester Levi. Er ignorirt einfach die Leviten und nimmt hierin gar keine Rücksicht auf den Wortlaut des Pentateuchs, als ob sie — nach seiner Meinung — nicht zu den Dienern des Heiligthums gerechnet würden. Er ordnet im Cap. 32, 11 an, dass der zweite Zehnt in jedem Jahre ganz verzehrt werde, damit nichts übrigbleibe, da der Rest verbrannt werden müsste; doch unterlässt er es, die bei dieser Gelegenheit und in demselben Zusammenhange im Deuteronomium stets bedachten Leviten auch nur zu nennen. Es ist sonach unzweifelhaft, dass er, wie Pseudo-Jonathan und Josephus, den Standpunkt der ausschliessenden Priesterschaft vertritt, die den Leviten als solchen überhaupt nicht anerkennt. Die grosse Umgestaltung, die dem Siege der Pharisier und ihres Principes unmittelbar auf dem Fusse folgte, das ganze Tempelwesen neuordnete und die Machtstellung der vornehmen, sich abschliessenden Priesterschaft erschütterte, hatte eine ganze Reihe priesterlicher Schriften hervorgerufen, welche die priesterliche Richtung als die einzig berechtigte zu erweisen suchten; zu diesen gehörte, wie wir nunmehr erkannt haben, das Targum Pseudo-Jonathan in seinen alten Bestandtheilen, oder vielmehr die Schrift, aus der es schöpfte, und das Jubiläenbuch.