Die Lage des Sch'thijasteines

Posted 3 mos ago

‏משניטל ארון אבן היתה שם מימות נביאים ראשונים ושתייה היתה‎ ‏נקראת גבוהה מן הארץ שלש אצבעות. (יומא פרק ה' משנה ב')‎
»Als die Lade weggenommen wurde, befand sich dort (im Allerheiligsten) ein Stein aus den Zeiten der ersten Propheten. Er wurde Sch’thija genannt, und ragte vom Fußboden drei Finger hoch empor.« (Talm. Joma 53b.)
Nach den ältesten Ueberlieferungen über den Sch’thijastein, die wir in folgendem besprechen wollen, ist es klar, daB das Vorhandensein dieses Steines, sowie dessen ursprüngliche, umfassende, höchste Bedeutung mit den Anfängen der Weltschöpfung aufs engste verknüpft war. Unmöglich kann seine Entstehung einer späteren Zeit zugeschrieben werden.
Raschi weist in Sota 48 darauf hin, daß unter der Bezeichnung erste Propheten »Samuel und David« gemeint sei. Laut dieser Stelle in Sota sollte hier eigentlich auch Salomo mitzuzählen sein. Und die Frage wirft sich von selbst auf: Warum nur Samuel und David? Waren denn diese die allerersten oder die einzigen ersten Propheten? In der angeführten Stelle zu Sota kommt in der Tat die maßgeblichere Ansicht zum Ausdruck, daß die Bezeichnung ‏נביאים ראשונים‎ nur die letzten Propheten Chagai, Secharja und Maleachai ausschließt. Alle früheren Propheten sind als erste Propheten anzusprechen. Offenbar besagt diese Tradition, daß nicht die Entstehung, sondern die Entdeckung dieses Steines als Mittel und Höchstpunkt des בית המקדש mit Samuel und David in geschichtlichem Zusammenhange steht. An anderer Stelle wird König David und auch sein Sohn Salomo in der Reihe der 48 Propheten, die in unserem prophetischen Schrifttum mit Namen verewigt sind, mitgezählt.
Wo befindet sich heute dieser Stein? Wie ist seine Beschaffenheit?
Der »heilige Fels« oder die Sachra, wie er heute genannt wird — d. h. harter Stein, anschließend an seinen alten Namen Sch’thija, Gründungsstein — ein roher, ungefähr 15 Meter langer und 12 Meter breiter, flacher, unebener, nackter Fels, die obere Spitze des Moriaberges, auf dem heute der »Felsendom« der Moslims steht, ragt heute 1—2 Meter aus dem Boden empor. Da unsere Mischna in Joma für das Höhenmaß von der Erde bloß drei Finger angibt, muß wohl angenommen werden, daß der Tempelberg seit jener Zeit beinahe 10 Fuß abgetragen wurde. Der Fels hat keine regelmäßige Form, man kann ihn weder rund noch viereckig nennen, doch kann man immerhin von einer Länge und Breite dieses Steines sprechen. Er hat nach Westen zu eine beinahe gerade Linie, und ist da senkrecht künstlich behauen. Auch an den andern Seiten erkennt man künstliche Bearbeitung. Er hat nach Süden einen starken Vorsprung, im Norden Abstufungen, im Osten eine rundliche Form, und ragt da um ein weniges über den Boden hinaus, da die Oberfläche stark nach Osten geneigt ist, so daß sein östlicher Vorsprung unter den Boden der Moschee hinabgeht. Dies ist die Ursache, daß er nicht ebenso breit als lang sich darstellt. Der Felsendom selbst, bekannt unter dem Namen Omarmoschee (im Jahre 4397 vom Kalifen Omar erbaut) ist ein großes achteckiges Prachtgebäude, 60 Fuß lang, mit Eingängen und Vorhallen auf 4 Seiten mit je 6 großen Fenstern, an den anderen 4 Seiten je 7 Fenster. Ueber das ganze Gebäude breitet sich eine große Kuppel aus, deren Höhe neunzig und deren Durchmesser vierzig Fuß beträgt. Die Außenseite des unteren Stockes ist mit Marmor, die des oberen und neben den Fenstern aber mit glasierten Ziegeln von grüner, roter, schwarzer und weißer Farbe belegt, die bei Sonnenschein schöne Strahlen zurückwerfen und dem Gebäude ein prachtvolles Ansehen verleihen. Die Wände im Innern sind weiß angestrichen und es befinden sich dort an jeder Seite 3 Säulen, zusammen 24, deren jede 20 Fuß hoch ist, sechzehn hingegen tragen die große Kuppel. Der innere Teil dieses Domes ist mit einem eisernen Gitter umgeben und verschlossen.
Bis zu diesem Gitter kommen die Mohammedaner, um dort, das Angesicht gegen Süden gekehrt, ihre Andacht zu verrichten. Innerhalb dieses Gitters ist abermals eine hölzerne Einfassung, in deren Mitte der in Rede stehende Tempelstein sich befindet, der noch heute von allen Forschern und Fachgelehrten für den uralten Eben Sch’thija gehalten wird.
Nur auf einer Seite ist er mit dem Boden verwachsen und unten mit Holz gestützt, damit er nicht herabfalle. Unter demselben ist der Boden abgegraben, und deswegen hat es den Anschein, daß er in der Luft schwebe. Die Mohammedaner glauben in der Tat, daß die »Sachra« in der Luft schwebe. Denn als ihr Prophet, erzählen sie, von da gen Himmel fuhr, wollte der Felsen mitfahren, da hielt ihn Gabriel. Und er blieb so schwebend, bis Mohammed wieder auf ihn herabkommen werde. An der westlichen Seite des Felsens werden auch noch die Fingereindrücke des Erzengels gezeigt, der den Propheten in den Himmel begleiten wollte. Die arabische Sage weiß auch, daß Abraham auf diesem Steine gesessen habe, als er seinen Sohn Isaak opfern wollte. Auch seine Fingereindrücke seien noch bemerkbar.
Am jüngsten Tag wird die Kaaba (auch ein viereckiger heiliger Stein) von Mekka hierherkommen und die Bestimmung vollenden. Es sei in diesem Zusammenhange noch hingewiesen auf eine große Oeffnung des Felsens in der östlichen Richtung. Die Araber zeigen dort den Geisterbrunnen »Bir Aruah«, der mit einer runden Marmorplatte bedeckt ist. Diese Decke darf nicht gehoben werden, weil die Geister emporsteigen und größtes Unheil auf Erden anrichten könnten.
Alle diese und noch eine ganze Reihe ähnlicher Sagen, die auch von der Kirche an diesen Wunderstein geknüpft werden, zeigen klar und deutlich, daß wir es im großen und ganzen lediglich mit nachgedichteten Beziehungen zu den uralten israelitischen Ueberlieferungen zu tun haben, von denen wir später in zusammenhängender Betrachtung sprechen wollen.

Geschichtliches vom Sch’thijasteine.

Laut unserer Mischna in Joma ist es feststehend, daß ursprünglich die heilige Lade auf diesem Stein gestanden hat. Nach der Entfernung der Lade — laut einer authentischen Ueberlieferung schon zu Zeiten des Königs Josijahu — setzte der Priester auf ihn die Pfanne, das Räucherwerk des Allerheiligsten am Versöhnungstage. Der berühmte deutsche Archäologe Baurat Schick und gleich ihm auch noch...