KAP. 19. WAJERA - בראשית יט וירא von Rabbi Samson Raphael Hirsch

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Kap. 19. V. 1. Die beiden Engel kamen gen Sedom am Abend und Lot saß im Thore Sedoms. Als Lot sie sah, stand er ihnen entgegen auf, und bückte sich mit dem Angesichte zur Erde, 2. und sprach: sehet doch, meine Herren, kehret doch zum Hause eures Dieners und übernachtet und waschet eure Füße; ihr stehet dann früh auf und gehet eures Weges. Sie aber sprachen Nein, wir wollen auf der Straße übernachten. 3. Als er aber sehr in sie drang, kehrten sie zu ihm und kamen zu seinem Hause; er bereitete ihnen ein Mahl, backte Kuchen und sie aßen. 4. Kaum wollten sie sich niederlegen, so hatten die Männer der Stadt, die Männer Sedoms sich um das Haus zusammengethan von jung bis alt, das ganze Volk, von jedem Ende, 5. und riefen Lot zu und sagten ihm: wo sind die Männer, die diese Nacht zu dir gekommen, gieb sie uns heraus, wir wollen sie kennen lernen. 6. Da ging Lot zu ihnen hinaus zum Eingang, die Thüre aber hatte er hinter sich geschlossen, 7. und sprach: Handelt doch nicht, meine Brüder, so schlecht! 8. Seht doch, ich habe zwei Töchter, die noch keinen Mann erkannt, die möchte ich euch lieber hinausgeben, daß ihr mit ihnen, wie es euch gut dünkt verfahret, nur diesen Männern thuet nichts, denn sie sind doch in den Schatten meines Daches gekommen. 9. Da sprachen sie: rückt weiter hinan, und sprachen ferner: der Eine ist zum Aufenthalt gekommen, und hat sich da schon zum Richter aufgeworfen. Nun! Dir wollen wir noch Uebleres thun als ihnen! Da drängten sie mit aller Gewalt in den Mann, in Lot, und rückten hinan, die Thüre zu erbrechen. 10. Da streckten die Männer ihre Hand hinaus und brachten Lot zu sich in’s Haus, die Thüre aber hatten sie geschlossen, 11. und die Leute, welche am Eingang des Hauses sich befanden, hatten sie von Klein bis Groß mit Blindheit geschlagen; sie mühten sich vergebens ab den Eingang zu finden. 12. Da sprachen die Männer zu Lot: wen hast du sonst noch hier, Schwiegersohn und deine Söhne und Töchter, und Alle die in der Stadt dir angehören, führe sie aus der Gegend hinaus. 13. Denn wir vernichten diese Gegend; denn das Geschrei über sie ist groß geworden vor Gottes Angesicht, darum hat uns Gott gesendet sie zu vernichten. 14. Da ging Lot und redete zu seinen Schwiegersöhnen, die seine Töchter ge- heirathet hatten, und sprach: machet euch auf und gehet aus dieser Gegend hinaus, denn Gott vernichtet die Stadt; da war er wie ein Spaßmacher in den Augen seiner Schwiegersöhne. 15. Und als der Morgen herausgezogen war, da drängten die Engel in Lot: auf jetzt, nimm deine Frau und deine beiden Töchter, die bei dir sind, du könntest sonst mit hinein gerissen werden in die Sünde der Stadt. 16. Und da er noch zögerte, ergriffen die Männer ihn, seine Frau und seine beiden Töchter an der Hand, da Gott sich über ihn erbarmte, führten ihn aus und ließen ihn außerhalb der Stadt. 17. Und nun da er sie hinaus gebracht hatte sprach er, jetzt rette dich selbst! Schau nicht zurück! Stehe nicht still in der ganzen Ebene! Zum Gebirg hinan rette dich, damit du nicht mit umkommst. 18. Da sprach Lot zu ihnen: nicht doch, o Herr! 19. Siehe, es hat doch dein Diener Gnade in deinen Augen gefunden, und du hast schon deine Liebe, die du mit mir geübt, groß sein lassen mich am Leben zu erhalten. Ich kann aber nicht mich zum Gebirge hin flüchten, sonst würde mich das Unglück erreichen und ich sterben. 20. Siehe,‎ da ist diese Stadt so nahe, daß ich wohl dahin fliehen kann, und sie ist etwas sehr Geringes, möge ich mich doch dorthin retten können, sie ist etwas sehr Geringes, und es wird mein Leben erhalten. 21. Da sprach er zu ihm: siehe ich habe dir auch in dieser Beziehung Berücksichtigung gewährt, daß ich die Stadt, von der du gesprochen, nicht verderbe. 22. Eile, rette dich dorthin; denn ich kann nichts unternehmen bis du dorthin gekommen bist. Darum nannte er die Stadt Zoar. 23. ‎Die Sonne war über die Erde ‎aufgegangen da kam Lot nach Zoar, ‏24. und Gott hatte über Sedom und Amora Schwefel und Feuer regnen lassen; von Gott, vom Himmel, 25. und diese Städte und die ganze Ebene, auch alle Bewohner der Städte und das Gewächs des Bodens umwandelt. 26. Seine Frau schaute sich hinter ihm um, und ward da eine Salzsäule 27. Abraham machte sich früh am Morgen auf nach dem Orte hin, wo er vor Gottes Angesicht gestanden, 28. und schaute hinab auf die Richtung von Sedom und Amora und auf die Richtung des ganzen Landes der Ebene, da sah er, und siehe, schon stieg der Dampf des Landes auf wie der Dampf eines Kalkofens. 29. So war es denn, indem Gott die Städte der Ebene vernichtete, gedachte Gott Abraham’s und schickte Lot mitten aus der Umkehrung fort, als er die Städte umkehrte, in welchen Lot sich niedergelassen hatte. 30. Lot ging aber von Zoar hinauf und wohnte auf dem Gebirge, seine beiden Töchter mit ihm; denn er fürchtete sich in Zoar zu bleiben; so wohnte er denn in einer Höhle, er und seine beiden Töchter. 31. Da sprach die Aeltere zur Jüngeren: Unser Vater ist alt, und kein Mann ist mehr auf Erden zu uns zu kommen nach der Weise der ganzen Erde. 32. Gehe, laß uns unserem Vater Wein zu trinken geben und uns zu ihm legen, damit wir von unserem Vater Nachkommen beleben. 33. Da gaben sie ihrem Vater in dieser Nacht Wein zu trinken und es kam die Aeltere und legte sich zu ihrem Vater, er aber wusste es nicht als sie sich niederlegte und als sie aufstand. 34. Am andern Tage sprach die Aeltere zur Jüngern: Siehe ich habe gestern Nacht bei meinem Vater gelegen, wir wollen ihm auch diese Nacht zu trinken geben, komme auch du und lege dich zu ihm, damit wir von unserem Vater Nachkommen beleben. 35. Da gaben sie ihrem Vater auch in dieser Nacht Wein zu trinken, die Jüngste erhob sich und legte sich zu ihm, er aber wusste es nicht als sie sich niederlegte und als sie aufstand. 36. So empfingen die beiden Töchter Lot’s von ihrem Vater, 37. und die Aeltere gebar einen Sohn und nannte ihn Moab; dieser ist der Stammvater Moabs bis heute. 38. Auch die Jüngere gebar einen Sohn und nannte ihn Ben-ammi; dieser ist der Stammvater der Söhne Ammons bis heute.