V. 5. Ich bin schwarz, aber lieblich

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V. 5. Ich bin schwarz, aber lieblich
d. i. ich erscheine schwarz in meinen Taten, lieblich aber in denen meiner Väter. Die Gemeinde Israel spricht: Ich erscheine schwarz an mir selbst, lieblich an meinem Schöpfer s. Amos 9, 7, wo der Sinn ist: Ihr kommt euch wie Kinder von Mohren vor, mir aber wie die Kinder Israel, spricht der Ewige.
Oder: Schwarz erschien ich in Ägypten durch Widerspenstigkeit und Ungehorsam s. Ezech. 20, 8, aber auch lieblich durch das Blut des Pessachlamms und der Beschneidung s. das. 16, 9; schwarz erschien ich am Meere s. Ps. 106, 7, aber auch lieblich, als ich sang Ex. 15, 2: „Das ist mein Gott, ihn will ich erheben“; schwärz erschien ich in Mara s. das. 15, 24, aber auch lieblich s. das. V. 25; schwarz erschien ich in Rephidim s. das. 17, 7, aber auch lieblich s. das: 17, 15; schwarz erschien ich am Horeb s. Ps. 106, 19, aber auch lieblich s. Ex. 24, 3;. schwarz erschien ich in der Wüste durch Widerspenstigkeit s. das. 78, 40, aber auch lieblich durch Errichtung der Stiftshütte s. Num. 9, 15; schwarz erschien ich durch die Berichterstattung der Kundschafter s. Num. 13, 32, aber auch lieblich in Josua und Caleb s. das. 32, 24; schwarz erschien ich in Schittim durch meine Ausschreitungen s. Num. 25, 1, aber auch lieblich durch Pinchas s. Ps. 106, 30; schwarz erschien ich durch Achan, der am Banngut sich vergriff s. Jos. 7, 1, aber lieblich durch Josua s. das. V. 19; schwarz erschien ich in den Königen Israels, aber lieblich in den Königen Judas und gar in den Propheten; schwarz erschien ich durch Achab s. Reg. 21, 27. (Wie lange hat dieser gefastet? R. Josua ben Levi sagte: Drei Stunden; wenn er sonst in der dritten Stunde des Tages zu essen pflegte, aß er an diesem Tage erst in der sechsten Stunde und wenn er in der sechsten Stunde zu essen pflegte, aß er an diesem Tage erst in der neunten Stunde s. das. und ging barfuss (ua d. i. [xy). Wie heißt es aber von Jehoram? „Und das Volk sah und siehe, er hatte Sacktuch an seinem Leibe unter den Kleidern“ s. 2 Reg. 6, 30); schwarz bin ich in den Wochentagen, lieblich aber am Sabbath; schwarz bin ich durch alle Tage des Jahres, lieblich aber am Versöhnungstage; schwarz bin ich in dieser Welt, aber lieblich werde ich in der künftigen Welt sein.
ihr Töchter Jerusalems. Die Rabbinen sagen: Lies nicht ,lsvry tvnb Töchter Jerusalems, sondern ,lsvry tvnvb Erbauende Jerusalems, worunter die Mitglieder des großen Synedriums von Israel gemeint sind, welche in ihren Sitzungen über alle vorkommende Fragen und Rechtsfälle nachdenken, um sie nach Gerechtigkeit zu entscheiden.
Oder: Jerusalem wird einst nach R. Jochanan die Metropole aller Länder werden. Alles wird ihrer Herrlichkeit zuströmen s. Jos. 15, 47, denn derselbe erklärte das Wort tvnbl Ezech. 16, 61 zu erbauen zu Dörfern (]ynrpvkl) und nicht von deinem (;tyrbm alv), sondern von meinem Eingebrachten (ydyd ]ynrp ]m ala ;ynrp ]m al).
R. Bibi sagte im Namen des R. Ruben: Es steht Jes. 54, 1 geschrieben: „Juble Unfruchtbare!“ Kann eine Unfruchtbare jubeln? Allein der Sinn ist dieser: Juble Unfruchtbare, die nicht Kinder für die Hölle geboren hat.
R. Berachja sagte im Namen des R. Samuel bar Nachman: Die Israeliten werden mit einem Weibe verglichen, wie dieses den zehnten Teil vom väterlichen Nachlass erhält und auszieht, so hat auch Israel das Land der 7 Völker (der 7 kanan. Völker), den zehnten Teil von den siebenzig Völkerschaften in  Besitz genommen, und weil sie wie ein Weib geerbt haben, so heißt auch das von ihnen nach ihrem Durchzuge durch das Meer gesungene Lied hrys (gen. fem.) s. Ex. 15, 1, einst aber werden sie wie ein Mann alle väterlichen Güter erben s. Ezech. 48, 3, darum heißt das Lied, welches sie dann singen werden, nicht weiblich hsdx hrys, sondern männlich sdx rys s. Ps. 96, 1.
R. Berachja und R. Josua ben Levi sagten: Warum wird denn Israel mit einem Weibe verglichen (s. Jes. 54, 1)? Weil, wie bei diesem Tragen (Schwangerschaft) und Entbindung abwechselt, so auch bei Israel nach der Unterjochung die Befreiung folgt, und diese letztere den Schluss bildet, und weil Israel wie das Weib Beschwerlichkeit hier in dieser Welt zu ertragen hat, so heißt auch das Lied, was es dann singt, hrys (gen. fem.), aber einst, wo es dieser Leiden überhoben sein wird, heißt das Lied rys (gen. masc.) s. Jes. 26, 1.
Wie die Zelte Kedars, wie die Teppiche Salomos.
Wie jene, obgleich sie von außen garstig, schwarz und lumpig erscheinen, in ihrem Innern aber Edelsteine und Perlen bergen, so auch die Gelehrten (Schüler der Weisen), obgleich sie in dieser Welt hässlich, schwarz (und lumpig) aussehen, so tragen sie doch in sich die Thora, die ganze heilige Schrift, Mischna, Midraschot, Halachot, Talmud, Thosephta und Haggadot. Wenn du aber annehmen solltest, dass sie, wie die Zelte Kedars, der Waschung nicht bedürfen, so folgt darauf „wie die Teppiche Salomos.“ Wie diese, wenn sie schmutzig geworden sind, gewaschen werden müssen, so kommt auch für die Israeliten, wenn sie ein ganzes Jahr hindurch von Sünden besudelt sind, der Versöhnungstag und reinigt sie s. Lev. 16, 36 vergl. Jes. 1, 18. Oder solltest du glauben, dass wie die Zelte Kedars von einem Orte nach dem andern versetzt werden, so sei es auch mit Israel der Fall, so wird gleich hinzugefügt: „wie die Teppiche Salomos“ d. i. desjenigen, dem der Friede gehört, der durch das Wort die Welt ins Dasein rief und die, seitdem dies geschehen, nicht von ihrer Stelle gewichen ist.
R. Elieser ben Jacob legte Jes. 33, 20 dahin aus, dass die Israeliten gleich den Zelten Kedars einst kein Joch zu tragen haben werden. R. Chija erklärte das Wort tvymmvq 26, 13 mit „aufgerichteter (stolzer) Statur (aufrechtem Gang)“, der Furchtlosigkeit verrät.
R. Judan sagte: Wie Joseph an die Zelte Kedars d. i. an die Ismaeliten verkauft wurde s. Gen. 37, 28, und er dann seine Käufer kaufte s. das. 47, 20, so wird es auch denen ergehen, welche Israel in die Gefangenschaft abführen.