V. 6. Wer ist diese, die aus der Wüste dort emporsteigt?

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V. 6. Wer ist diese, die aus der Wüste dort emporsteigt?
Von der Wüste kam Israels Erhebung, dessen Zwietracht, der Tod s. Num. 14, 29, die Gotteslehre, das Stiftszelt, das Synedrium, das Priestertum, das Levitentum, die Königswürde s. Ex. 19, 6 und alle guten Gaben Gottes an Israel. (In der Wüste beluden sie sich mit den von den Engeln ihnen gegebenen Kronen), in der Wüste nahmen sie dieselben ab (nach Verfertigung des Kalbes) s. Schabb. fol. 86b. Von der Wüste kam die Prophetie, folglich die Erhebung.
„wie Säulen von Rauch.“
R. Eleasar sagte im Namen des R. Jose ben Simra: Als die Israeliten von Lager zu Lager wanderten, stieg eine Wolkensäule hernieder und eine Feuersäule ging auf. Der Rauch vom Altare stieg auf wie zwei feurige Pfeile, hervorgehend vom Raume zwischen den beiden Stangen der Bundeslade kamen zwei Feuerfunken hervor und verbrannten die Schlangen, Seraphe und Skorpione vor ihnen, was die Völker der Welt sahen und sprachen: Es sind göttliche Wesen, die nur mit Feuer zu tun haben und es überfiel sie Angst und Schrecken vor den Israeliten s. Ex. 15, 16, weshalb es hier nicht hlpn sondern lvpt heißt d. i. jetzt und in der Zukunft.
Durchräuchert von Myrrhe d. i. unser Vater Abraham. Wie die Myrrhe das Haupt aller Gewürze ist, so war unser Vater Abraham das Haupt aller Gerechten; wie diese Myrrhe den Händen, die sie pflücken, Bitterkeit mitteilt, so ertrug auch unser Vater Abraham Bitteres und quälte sich durch Leiden; wie die Myrrhe nur durch Licht ihren Wohlgeruch verbreitet, so gab auch Abraham seine guten Werke im Glutofen zu erkennen.
und Weihrauch d. i. unser Vater Jizchak, der wie eine Handvoll Weihrauch auf dem Altare dargebracht werden sollte.
von allen Spezereien der Krämer d. i. unser Vater Jacob, dessen Bett durchaus makellos und nichts Verwerfliches darin war. Wie in der Krämerbüchse alle Gewürzarten sich befinden, sagte R. Tanchuma, so rührt von Jacob das Priester-, Leviten- und Königtum her. Unser Vater Abraham gab all das Seine an Jizchak s. Gen. 25, 5, aber Jacobs Güter kamen nur von dem, mit dem er gerungen hatte s. das. 32, 25-29. R. Judan sagte: Die Israeliten haben all das Glück, womit sie ihren Handel in dieser Welt betreiben, nur dem Ringen unseres Vaters Jacob zu danken. Ferner sagte R. Judan: Alle Geschäfte, welche die Israeliten mit Glück in dieser Welt machen, sind nur dem Ringen unseres Vaters Jacob zu danken. R. Asarja schreibt diesem Kampfe auch alles Kriegsglück und die Gotteserkenntnis der Israeliten in dieser Welt zu. Nach R. Berachja und R. Simon im Namen des R. Abuhu soll Gott den Staub, den dieser Kampf erregt hatte, genommen und unter den Thron seiner Herrlichkeit gelegt haben s. Nach. 1, 3. R. Berachja sagte im Namen des R. Chelbo: Wenn es heißt Gen. 32, 25: „Es rang ein Mann mit ihm“, da wissen wir nicht: War der Engel in Jacobs Gewalt oder umgekehrt? Weil aber die Worte folgen: „Der Engel sprach: Entlass mich, denn der Morgen ist aufgegangen“ s. das. V. 27 d. i. es ist die Zeit gekommen, dass ich den Schöpfer preisen muss, so erhellt, dass der Engel in unsers Vaters Jacobs Gewalt gewesen sein muss. In welcher Gestalt erschien er ihm? Als der Schutzherr des frevelhaften Esau, wie aus 33, 10 zu ersehen ist, wo der Sinn ist: Du siehst deinem Schutzherrn ähnlich.
Gleich einem Könige, welcher einen gezähmten Löwen (S. Midr. Beresch. r. Par. 77.) und einen ungezähmten wilden Hund hatte. Was tat er? Er suchte den Löwen gegen seinen Sohn zu hetzen; denn er dachte, wenn der Hund meinen Sohn anfallen sollte, kann dieser sprechen: Konnte ich dem Löwen beikommen und sollte dir nicht beikommen können? So spricht auch Gott zu den Völkern der Welt, welche die Israeliten befeinden: Euer Schutzherr konnte vor ihrem Vater nicht bestehen und ihr wollt sie bezwingen? Nach R. Huna erschien der Engel dem Jacob als Hirt, der wie jener Schafe und Kamele hatte. Führe du die deinigen, sprach er zu ihm, und ich führe die meinigen hinüber. (S. Midr. Beresch. r.  Par. 77.) Als unser Vater Jacob die seinigen hinüber gebracht hatte, sprach er: wir wollen zurückgehen und nachsehen, vielleicht haben wir etwas vergessen. Bei seiner Rückkehr rang ein Mann mit ihm. R. Chija der Grosse und R. Simeon bar Rabbi handelten mit groben seidenen Stoffen und gingen deswegen nach Tyrus und besorgten ihre Geschäfte. Als sie wieder zum Tore hinaus waren, sprachen sie: Wir wollen noch einmal umkehren und nachsehen, ob wir nicht etwas vergessen haben. Sie kehrten um und fanden ein ganzes Gebund seidener Stoffe. Sie sprachen: So war auch die Art und Weise unseres alten Jacob. Nach den Rabbinen endlich erschien ihm der Engel als Räuberhauptmann. Einer wie der andere hatte Schafe und Kamele. Jener sprach: Führe die meinigen hinüber über den Fluss und ich will die deinigen hinüberbringen. In einem Augenblick brachte der Engel Jacobs Schafe hinüber und letzterer kehrte mehrmals in derselben Nacht zurück und fand jedes Mal noch andere. Was tat Jacob? Er nahm nach R. Pinchas ein wollenes Tuch und band es sich um den Hals. Du bist ein Zauberer, sagte der Engel, und ein solcher hat des Nachts kein Glück. Nach R. Huna sprach der Engel zu Jacob: Ich will ihm zeigen, mit wem er es zu tun hat. Was tat er? Er legte seinen Finger auf ein Felsstück und dieses sprühte Feuer. (S. Midr. Beresch. r. Par. 77.) Du willst mich dadurch in Furcht setzen, sprach Jacob, ich vermag mehr, wie es heißt Obad. V. 18: „Und das Haus Jacobs wird ein Feuer, und das Haus Josephs eine Flamme, aber das Haus Esaus Stroh werden.“ R. Chanina bar Jizchak sagte: Gott sprach zu dem Engel, dem Schutzherrn Esaus: Was stehst du da? Er kommt über dich mit fünf Schutzmitteln (Amuletten), mit seiner Tugend und mit der seines Vaters, seiner Mutter, seines Großvaters und seiner Großmutter, miss dich mit ihm, du kannst nicht einmal vor seiner Tugend bestehen. Da sah derselbe ein, dass er ihm nicht beikommen konnte s. Gen. 32, 26. Nach R. Levi sah der Engel die Schechina. Sowie ein Räuberhauptmann, welcher mit dem Sohne eines Königs rang, der, als er dessen Vater, den König, in der Nähe stehen sah, sich in seiner Gegenwart unterwarf, ebenso verhielt es sich auch hier mit dem Engel; als er die Schechina oben vor Jacob stehen sah, unterwarf er sich, sowie Gen. 32, 26 geschrieben steht: „Als er sah, dass er ihm nicht beikommen konnte, berührte er den Ballen seiner Hüfte“ d. i. die frommen Männer und Frauen, die Propheten und Prophetinnen, die einst von ihm und seinen Söhnen hervorgehen sollten. Welche sind es? Das Zeitalter der Religionsverfolgung. „Und das Gelenk Jacobs war verrenkt“ d. i. nach R. Elieser geschlagen, nach R. Berachja im Namen Rabsa’s gespalten wie ein Fisch, nach R. Nachman bar Jacob von seiner Stelle gerückt vergl. Ezech. 23, 17
R. Jochanan deutete den Vers: „durchräuchert von Myrrhe und Weihrauch“ auf das Räucherwerk der Familie des Euthinos. (s. Joma III, 11.) Die Myrrhe war eines von den elf Bestandteilen des heiligen Räucherwerkes. R. Huna deutet diese Worte auf das in Ex. 30, 34 bezeichnete Räucherwerk. Wohlgerüche d. s. zwei; Stakte, Onyx und Weihrauch d. i. fünf; Wohlgerüche. Wenn du aber sagen solltest, dass die letzteren bereits mitgezählt seien, so heißt es weiter: „Zu gleichen Teilen soll es sein“; das gibt fünf gegen fünf, also zehn. „Und reinen Weihrauch“ d. i. der elfte Bestandteil. Von hier aus haben die Gelehrten untersucht und gefunden, dass es gut für das Räucherwerk sei, wenn es nur aus diesen elf Bestandteilen bestehe. Es ist gelehrt worden: die Familie Euthinos war in der Zubereitung des Räucherwerks derart geschickt, dass der Rauch gerade in die Höhe stieg, sie wollte aber die Kunst nicht andern lehren. Die Gelehrten ließen Meister in diesem Fache von Alexandrien kommen, welche zwar in der Verfertigung geschickt waren, aber in der erwähnten eigentümlichen Wirkung stand das von ihnen gelieferte Räucherwerk dem von der Familie Euthinos bereiteten zurück, der Rauch stieg nicht wie eine Traube empor, und fiel nicht wie ein Stock herunter, sondern er fiel gleich herunter. Als die Gelehrten das wahrnahmen, sprachen sie: Alles, was Gott geschaffen hat, gereicht zu seiner Verherrlichung s. Jes. 43, 7. Die genannte Familie wurde wieder berufen, sie wollte aber ihre Tätigkeit nicht fortsetzen, bis ihr Lohn verdoppelt worden wäre. Derselbe belief sich anfangs nach R. Meir täglich auf 12, dann auf 24, nach R. Juda aber anfangs täglich auf 24, später auf 48 Minen. Als die Familie gefragt wurde, warum sie ihre Kunst nicht lehren wolle, gab sie zur Antwort: Wir besitzen eine Überlieferung von unseren Vorfahren, dass das Heiligtum einst zerstört werden wird, damit nun unsere Geschicklichkeit nicht zu götzendienerischen Zwecken in der Weise missbraucht werde, wie wir sie vor Gott dem Heiligen im Heiligtum verwenden, teilen wir sie nicht mit. Aus diesem Grunde wurde die Familie belobt, und es ging auch kein Weib und Kind derselben mit dem Wohlgeruch des Räucherwerkes aus, und bei einer Verheiratung von einem andern Orte wurde es der Neuvermählten zur Bedingung gemacht, dass sie sich auf dieselbe Weise führen müsse, damit es unter den Israeliten nicht heiße, sie dufte vom heiligen Räucherwerke, um zu bestätigen, was geschrieben steht Num. 32, 22: „Ihr sollt vor dem Ewigen und vor Israel unsträflich sein vergl. Prov. 3, 4
R. Akiba sagte: Simeon ben Luga hat mir erzählt: Ich und ein Kind aus der Familie Euthinos suchten einmal Kräuter auf einem Felde auf. Da sah ich das Kind bald weinen, bald lachen. Ich fragte: Mein Sohn, warum weinst du? Ich weine darum, antwortete das Kind, weil die Ehre meines Vaterhauses abgenommen (sich vermindert) hat. Warum lachst du? Weil eine schöne Zukunft für die Tugendhaften bestimmt ist, und Gott seine Kinder bald erfreuen wird. Was hast du gesehen? Einen Rauch wie mir entgegen aufsteigend. Lass mich ihn sehen. Das verbietet mir unsre Überlieferung. Es vergingen nur wenige Tage, so geht die Sage, da starb das Kind.
R. Jochanan ben Nuri erzählt: Ich sah einmal auf meinen Reisen einen Greis aus dem Hause Euthinos, welcher eine mit Kräuternamen beschriebene Rolle in der Hand hatte. Ich fragte ihn: Was hast du in deiner Hand? Er antwortete: So lange die Glieder meines väterlichen Hauses fromm (bescheiden) waren, teilten sie diese Rolle nur unter sich mit, jetzt aber – hier hast du sie, allein gehe vorsichtig damit um, es ist eine Rolle mit Kräuternamen. Als ich diesen Vorfall vor R. Akiba erzählte, fielen Tränen aus seinen Augen und er sprach zu mir: Von jetzt an dürfen wir diese Familie nicht mehr schimpflich erwähnen.
Das Haus Garmo (S. Joma fol. 38a.) war bei der Fertigung der Schaubrote und ihrem Herausnehmen geschickt, es wollte aber diese Geschicklichkeit niemand lehren. Die Gelehrten beriefen deshalb Bäckermeister von Alexandrien. Diese wussten wohl das Brot zu bereiten, aber in dem Herausnehmen derselben waren die Alexandriner nicht geschult; denn diese heizte den Ofen von außen, jene aber heizten ihn von innen und buken von außen, wodurch das Brot, wie manche meinen, verschimmelte. Als die Gelehrten es bemerkten, sprachen sie: Alles, was der Ewige gemacht hat, hat er seinetwegen gemacht s. Prov. 16, 4. Sie wollten daher die Familie Garmo wieder in ihre Tätigkeit einsetzen, sie schickten nach ihr, allein sie leistete nicht eher Folge, als bis ihr Lohn verdoppelt worden war. Sie erhielten nach R. Meir anfangs täglich 12, dann 24, oder, wie R. Jehuda meint, anfangs täglich 24, dann 48 Minen. Auf die Frage, warum sie die Kunst nicht lehren wollten, antworteten sie: Das väterliche Haus wusste, dass das Heiligtum einst zerstört werden wird, da könnte ein Unwürdiger mit unsrer Kunst Missbrauch treiben und sie zu götzendienerischen Zwecken verwenden. Aus diesem Grunde wurde das Haus rühmlich erwähnt. Auch wurde weder bei den männlichen noch weiblichen Gliedern der Familie jemals reines Brot (hyqn tp) gefunden, damit die Israeliten nicht sprechen könnten, sie nährten sich von Schaubroten, und einer solchen Verdächtigung soll man sich, wie Num. 32, 22 geschrieben steht, nicht aussetzen vergl. Prov. 3, 4.
Und diese Alle (Euthinos, Garmu) fanden eine (treffende) Antwort auf die Fragen (warum sie ihre Kunst nicht lehrten); nur die Familie Kamzar fand keine Antwort auf deren Frage (das mit Federn in der Hand ein aus vier Buchstaben bestehendes Wort auf einmal schreiben konnte,) fand man keinen hinreichenden Grund. Man fragte sie: Warum wollt ihr es uns nicht lehren, allein sie gaben keine Antwort. Weil dieses Haus auf seine Ehre mehr hielt, als auf die Ehre Gottes, so nahm dieselbe ab und das Himmelreich (,yms tvklm) besteht noch; auch pflanzte die Familie sich nicht fort, sie hatte weder Spross noch Enkel in Israel. Auf die ersten Häuser wurde angewendet Prov. 10, 7: „Des Gerechten Andenken dauert zum Segen, auf letzteres: „Des Frevlers Name verwest mit ihm.“ Daher hat Ben Asai gesagt: Von dem Deinigen wird dir gegeben, bei deinem Namen wird man dich rufen, an deinen Platz dich setzen, Vergesslichkeit ist von Gott fern, und kein Mensch rührt (kann rühren) an das, was seinem Nächsten (von Gott) bestimmt ist; und eine Regierung rührt auch nicht ein Haarbreit an die andre (d. i. nicht eine Sekunde später, als bestimmt ist von Gott, hört das Regiment des einen Königs auf, und nicht eine Sekunde früher kann das andre anfangen).
Hugdas (Agdes), ein Levite, war wieder geschickt in der Sangkunst, geschickter als seine Brüder, er wollte seine Fertigkeit aber nicht lehren. Wenn er nämlich den Mund zum Singen auftat, steckte er den einen Daumen in den Mund, den andern in den Fußboden, die anderen Finger setzte er zwischen die Saiten und erhob so seine angenehme Stimme in verschiedenen Tönen, dass seine Mitbrüder, die Leviten beschämt zurücktraten. Pinchas, der über die Priestergewänder gesetzt war, zog das Gewand des Oberpriesters gegen Bezahlung einem Feldherrn (Strategen) an.
Wer ist diese, die aus der Wüste dort emporsteigt? Diese Worte lassen sich auf Elischeba, die Tochter Aminadabs anwenden. Dieselbe sah (erlebte) fünf Freuden an einem Tage: sie sah ihren Schwager (Mose) als König, ihren Bruder (Nachschon) als Fürsten, ihren Mann als Oberpriester, ihre zwei Söhne als dessen Stellvertreter und ihren Enkel Pinchas als gesalbten Krieger. Ihre Freude aber wurde bald in Trauer und sie selbst wie in eine Rauchsäule verwandelt; denn als ihre Söhne zum Altare, das Opfer darzubringen, hintraten, wurden sie von einer Flamme verzehrt.
Oder der ganze Vers wurde auf R. Eleasar bar Simeon, als derselbe entschlummert (verschieden) war, insofern angewandt, als er ein Schrift- und Mischnahkundiger, ein Redner und Dichter genannt zu werden verdiente.