V. 1. Das Lied der Lieder

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V. 1. Das Lied der Lieder
(,yrysh rys) Das sagt auch: die Schrift durch Salomo Prov. 22, 29: „Du hast wohl einen Mann gesehen; der schnell (gewandt, geschickt) in seinem Geschäft ist, dass er sich vor Könige stellte, vor Niedrige (Finsterlinge, ,yksx) aber stellte er sich nicht“. So ein schneller (gewandter) Mann in seinem Geschäfte war Joseph s. Gen. 39, 11. R. Jehuda sagte Es war der Schand- (Ehren-) und Opfertag des Nils, denn es war ein Tag des Schauspiels. R. Nechemja sagte: Es war ein Tag des Schauspiels des Nils und alle gingen, um es mitanzusehen, Joseph aber ging in das Haus, um seine Arbeit, zu verrichten und die Rechnungen seines Herrn nachzurechnen. Daher sagte R. Pinchas im Namen des R. Samuel bar Abba: Wer seinen Herrn nach Gebühr bedient, erlangt endlich die Freiheit. Woher können wir das lernen? Von Joseph. Dadurch, dass er seinen Herrn nach Gebühr bediente, gelangte er zur Freiheit. Darum stellte er sich auch vor Pharao s. Gen. 11, 14, „nicht stellte er sich vor Niedrige“ d. i. vor Potiphar, dessen Augen Gott blendete und ihn entmannte.
Oder „der schnelle Mann“ ist unser Lehrer Mose, welcher sich als solcher beim Bau des Stiftszeltes bewies. Darum konnte er auch vor Könige d. i. vor Pharao sich stellen s. Ex. 8, 16, während er vor Niedrige d. i. vor Jethro sich nicht stellte.
Aber auf diese Weise, wandte R. Nechemja ein, machst du das Heilige profan. Nein, unter „den Königen“ ist der König aller Könige, Gott, zu verstehen, mit welchem Mose einen vertraulichen Umgang hatte s. Ex. 24, 18, Jedoch  vor   „Niedrigen  (Finsterlingen)”   stand  er   nicht d. i. Pharao, wie es heißt Ex. 10, 23:  „Da ward eine dicke Finsternis im ganzen Lande Ägypten drei Tage lang.”
Oder der „schnelle Mann“ stellt die Frommen dar, welche sich mit dem Werke Gottes beschäftigen, so dass sie mit der Thora zu Königen im Rate sich gesellen können s. Prov. 8, 15, aber „vor Niedrige“ (Finsterlinge) d. i. vor die Ruchlosen s. Jes. 29, 15 und PS. 35, 6 stellen sie sich nicht.
Oder unter dem „schnellen Mann“ ist R. Chanina zu verstehen, der, wie die Sage geht, einmal die Bewohner seiner Stadt nach Jerusalem mit Brand- und Friedensopfern hinaufziehen sah. Alle ziehen mit Friedensopfern nach Jerusalem hinauf, sprach er, nur ich bringe nichts hinauf. Was soll ich tun? Er ging in eine Einöde hinaus zu einer Ruine seiner Stadt, wo er einen Stein fand. Diesen behaute und meißelte er, strich ihn an (glättete ihn) und sprach: „Ich gelobe ihn nach Jerusalem hinaufzubringen.“ Er suchte sich Arbeiter zu dingen. Er fragte sie: Wollt ihr wohl diesen Stein nach Jerusalem schaffen? Sie sprachen: Wenn du als Lohn uns hundert Goldstücke gibst, so wollen wir ihn dir hinaufschaffen. Woher soll ich hundert Goldstücke oder auch nur fünfzig nehmen, um sie euch zu geben? Er fand in diesem Augenblicke gar nichts bei sich und die Leute gingen ihres Wegs. Allein Gott sandte ihm fünf Engel in Menschengestalt, welche zu ihm sprachen: Rabbi, gib uns fünf Selaim, so bringen wir deinen Stein nach Jerusalem, jedoch nur, wenn du mit Hand anlegst. Er legte mit Hand an und sie fanden sich stehend in Jerusalem. Als er ihnen ihren Lohn bezahlen wollte, fand er sie nicht. Es kam der Vorfall in der Quaderhalle zur Sprache. Es scheint, sprachen die Weisen, dass Dienstengel unserem Herrn diesen Stein nach Jerusalem heraufgebracht haben. Er gab den Weisen den Lohn, für den er die Boten gedungen hatte.
Oder unter dem „gewandten Mann“ ist Salomo, der Sohn Davids, zu verstehen, der als solcher sich beim Tempelbau bewies. Wenn dieser auch nur einen Zeitraum von sieben Jahren (s. Reg. 6, 38), der Bau seines Hauses dagegen dreizehn Jahre in Anspruch nahm (s. das. 7, 1), sollte sich daraus etwa schließen lassen, dass der Palast Salomos schöner und größer war als der Tempel? Nein, sondern der Bau von diesem wurde nachlässiger betrieben, als der Bau von jenem, in welchem er rüstig und nicht nachlässig war. Rab Huna sagte: Alle stehen einem König .bei, um wie vielmehr, wo es die Ehre des Königs aller Könige  gilt, ihm stehen Geister, Dämonen und sogar die Dienstengel bei. Jizchak bar R. Jehuda bar Ezechiel sagte: Es heißt I Reg. 8, 13: Gebaut habe ich ein Haus dir zur Wohnung d. i. ein Gebäude habe ich gebaut. R. Berachja sagt: Es heißt nicht: das Haus, welches sie bauten      (vyh rsa tybh ,ynvb), sondern: das Haus in seinem Erbauen    (vtvnbhb tybhv) d. i. der Tempel erbaute sich von selbst s. I Reg. 6, 7, wo es nicht heißt: yvnb, sondern hnbn, woraus zu lernen ist, dass der Stein sich selbst erhob und an die Baustelle sich begab. Wundre dich nicht darüber, sagte Rab, denn der Stein, den Darius auf die Löwengrube, in welche Daniel getan worden war, legen ließ s. Dan. 6, 18, kann nicht von Babylon gewesen sein, weil sich dort keine Steine finden, sondern er ist vom Lande Israel dahin geflogen und ließ sich auf die Öffnung der Grube nieder. Nach R. Huna im Namen des R. Joseph kam ein Engel in Gestalt eines steinernen Löwen herab und setzte sich auf die Öffnung der Grube s. das. 6, 23. Wenn nun schon zur Ehre dieses Frommen ein solches Wunder geschah, um wie viel mehr zur Ehre Gottes, welcher der Tempel dienen sollte. Dieser „schnelle Mann“ hätte sich also vor die Könige der Gotteslehre (Thora), nicht aber vor die „Niedrigen“ d. i. vor die Gesellschaft der Ruchlosen stellen können. Als sie (die große Synagoge) den Beschluss fasste, bemerkte R. Josua ben Levi, drei Privatmänner und vier Könige sollten keinen Teil an  der  zukünftigen  Welt haben, wollten sie Salomo auch mit ihnen verbinden (nämlich zu den Königen, die keinen Teil am ewigen Leben haben), dass also vier Könige keinen Anteil am  ewigen Leben hätten, allein eine Himmelsstimme ließ die Worte vernehmen Ps.105, 15: „Rührt meine Gesalbten nicht an“. Salomo wurde sogar, sagte R. Jehuda bar Simon, als das Haupt der Adelskette angesehen s. I Reg. 14, 21. R. Judan bar Simon sagte: Und nicht nur das, sondern der heilige Geist ließ sich sogar auf ihn nieder, dass er die drei Bücher, die Sprüche, das Hohelied und den Prediger verfasste, wie geschrieben ist Ps. 45, 17: „An Stelle deiner Väter sollen deine Kinder sein“.
Du findest nämlich, dass ein Gerechter einen Gerechten, ein Ruchloser einen Ruchlosen, ein Gerechter einen Ruchlosen und ein Ruchloser einen Gerechten zeugen kann. Allen diesen Sätzen steht eine Schriftstelle, ein Sprichwort (Gleichnis) und eine Redensart zur, Seite. Dem ersten Satze steht zur Seite die Schriftstelle Ps. 45, 17 und das Sprichwort: Der Feigenbaum liefert Feigen; dem zweiten die Schriftstelle Num. 32, 14, der Spruch I Sam. 24, 14: „Vom Bösen kommt Böses“ und das Sprichwort: Was gebiert der schwarze Käfer? Beißende Tiere, die noch weit schlimmer sind als er; dem dritten die Schriftstelle Hi. 31, 40, das Sprichwort: „Eltern, die (an Trefflichkeit) ihres Gleichen nicht haben, ziehen Kinder groß, die ihnen unähnlich sind (die ihnen nicht gleichen).“ dem vierten endlich die Schriftstelle Jes. 35, 13 und das Sprichwort: Aus den Dornen geht die Rose hervor. Aber Salomo war König und der Sohn eines Königs, ein Weiser und der Sohn eines Weisen, ein Gerechter und der Sohn eines Gerechten, ein Edler und der Sohn eines Edlen. Du findest, alles, was von diesem die Schrift sagt, lässt sich auf jenen anwenden. Der König David regierte vierzig Jahre, ebenso Salomo; David regierte über Israel und Jehuda, ebenso sein Sohn Salomo, David legte den Grund zum Tempel und Salomo baute die oberen Teile, sein Vater regierte von einem Ende der Welt bis zum andern, ebenso Salomo, David schrieb Bücher, auch Salomo schrieb Bücher, David sang Lieder, auch Salomo sang Lieder, David klagte über die Eitelkeiten der Welt, ebenso Salomo, David verfasste Reden, ebenso Salomo, David verfasste Gleichnisse, ebenso Salomo, David pries mit dem Worte za, ebenso Salomo, David baute einen Altar, ebenso Salomo, David brachte Opfer dar, ebenso. Salomo, David führte die Bundeslade hinauf nach Jerusalem, ebenso Salomo. Der König David regierte vierzig Jahre, ebenso lange regierte auch sein Sohn Salomo s. 1 Reg. 2, 11 vergl. 2 Chron. 9, 30; David regierte über Israel und Jehuda, ebenso sein Sohn Salomo s. 1 Chron 28, 4 vergl. 1 Reg 4, 20; David legte den Grund (zum Tempel): und Salomo führte ihn aus (eig. er erbaute die oberen Teile) s. I Chron. 28, 2 . vergl. 1 Reg. 8, 13; David verfasste  Reden und auch Salomo verfasste  solche s. 2 Sam. 23, 1 vergl. Koh. 1, 1; David klagte über Eitelkeiten der Welt, ebenso Salomo s. Ps. 39, 6 vergl. Koh. 1, 2, wie David, so redete auch Salomo in Gleichnissen s. 1 Sam. 24, 14 vergl. Prov. 1, 1; David schrieb die Bücher der Psalmen, welche seinen Namen tragen und Salomo schrieb die Sprüche, den Prediger und das Hohelied; wie David so pries auch Salomo in einem mit dem Worte za beginnenden Lobgesang s. Ps. 126, 2 vergl. 1 Reg. 8, 12; David führte die Bundeslade hinauf nach Jerusalem, ebenso auch Salomo s. 1 Chron. 15, 25 vergl. 1 Reg. 8, 1; David sang Lieder, ebenso Salomo s. 2 Sam. 22, 1 vergl. Cant. 1, 1.
Wenn du einmal solche Vergleichungen anstellst, sagte R. Simon im Namen des R. Jonathan von Beth Gobrin im Namen des R. Josua ben Levi, so kannst du solche noch weiter führen: Wie seinem Vater alle Sünden vergeben sind s. 2 Sam. 12, 13, so auch dem Salomo, und nicht nur das, es ließ sich sogar der heilige Geist auf ihn nieder, dass er drei Bücher, die Sprüche, den Prediger und . das Hohelied verfasste.
Oder: Lied der Lieder. Das sagt auch die Schrift Prov. 16, 23: „Des Weisen Herz macht seinen Mund beredt und auf seinen Lippen mehrt es Lehre“ d. i. das Herz des Weisen ist voll Weisheit und wer macht die Weisheit kund? Sein Mund, und dadurch, dass er die Worte der Thora aus seinem Herzen hervorbringt, verbreitet und vermehrt er die Lehre (Unterweisung) der Thora. Es verhält sich damit wie mit einem Fasse, welches voll Edelsteine und Perlen ist und verschlossen und in einen Winkel geworfen liegt und niemand seinen Inhalt kennt. Da kommt aber ein Mensch, holt es hervor und leert es aus, und nun erkennen alle, was darin ist. So war auch Salomos Herz voll von Weisheit, aber niemand wusste es. Als aber der heilige Geist auf ihm ruhte, und er die drei Bücher abfasste, da erkannten alle seine Weisheit. „Und auf seinen Lippe mehrt er die Lehre“ d. i. Der  Unterricht, den er hinzufügte zu den Worten der Thora, verschaffte ihm Hoheit (Ruhm) s. Koh. 1, 13, wo der Sinn ist: ich machte den Späher (ryyt) in der Weisheit vergl. wegen des Wortes rvtlv Num. 13, 2. Wenn jemand da ist, der die Schrift gut vorträgt, so wollen wir zu. ihm gehen; wenn jemand die Mischna gut vorträgt, so wollen wir ebenfalls zu ihm gehen. Oder das Wort rvtlv bedeutet soviel wie rytvhlv einen Überschuss machen. Wenn ein Dichter (anuyyp Poet) Verse nach dem Alphabet (Akrosticha) abfasst, so macht er das Gedicht zuweilen vollständig, zuweilen verwendet er (im Gedicht) das ganze Alphabet, allein Salomo hat sogar noch fünf Verse mehr gemacht s. 1 Reg. 5, 12. Lies nicht vrys sein Lied, sondern vrvys seine Zugaben. Und nicht nur in der Thora, sondern in allem, was unter der Sonne geschieht, war er ein Späher (Beobachter, Forscher). Er untersuchte beispielsweise wie Senf und Feigbohnen süß gemacht werden können. Du hast dich, sprach Gott zu ihm, um die Worte der Thora abgemüht, bei deinem Leben! ich werde dir deinen Lohn nicht vorenthalten, siehe, ich werde den heiligen Geist auf dir ruhen lassen – und sofort geschah dies und er verfasste die drei Bücher, die Sprüche, den Prediger und das hohe Lied.
„Das Lied der Lieder“ konnte nur denjenigen zum Verfasser haben, von dem die Schrift Koh. 12, 9 sagt: „Dazu kommt noch, dass Kohelet der Prediger ein Weiser war“, denn wenn ein anderer Mensch diese Lehren vorgetragen hätte, so müsstest du deine Ohren beugen und sie beherzigen (auf sie horchen), „um so mehr”, da sie Salomo vorgetragen hat; wenn er sie aus eignem Wissen gelehrt hätte, so müsstest du deine Ohren beugen und sie beherzigen (auf sie horchen), „um so mehr (rtyv)“, da er sie vermöge der Inspiration des heiligen Geistes gelehrt hat, weil Kohelet ein sehr begabter Weiser war, „welcher das Volk belehrte, prüfte und erforschte und viele Sprüche stellte“ d. i. er prüfte und erforschte die Worte der Thora und machte Ohren für die Thora, denn du findest, dass vor Salomo Beispiele und Vergleichungen nicht angewendet sind. Gleich einem hohen Palaste, bemerkte Rab Nachman, welcher viele Eingänge hatte, wer hineinging, verirrte sich; da kam aber ein Kluger, nahm einen Knäuel, hing ihn an die Tür, und nun konnten alle daran hinein- und wieder herausgehen. Ebenso konnte vor Salomo niemand die Worte der Thora erfassen, als er aber auftrat, wurden sie allen verständlich.
Rab Nachman führte noch ein anderes Beispiel an. Es war ein Wald voll mit Rohrgebüsch, in das kein Mensch hineingehen konnte, da kam ein Kluger mit einer Sichel und schnitt die Rohre ab, und nun konnten alle Leute auf dem gebahnten Wege hinein- und herausgehen. Auf dieselbe Weise verfuhr auch Salomo.
R. Jose gebrauchte dieses Beispiel. Gleich einer großen Kiste, welche voll mit Früchten war, aber keinen Henkel hatte und in Folge dessen nicht fortbewegt werden konnte, da kam ein Kluger und brachte an sie Henkel an und bewegte sie von der Stelle. So auch, bevor Salomo aufstand, da begriff niemand die Worte der Thora, nachher aber (als er aufgetreten war), fingen alle an die Worte der Thora zu begreifen.
R. Schila stellte diesen Vergleich an. Ein großer Pokal voll heißen Wassers konnte, da er mit keinem Henkel versehen war, nicht eher von der Stelle bewegt werden, als bis einer kam und einen Henkel anbrachte.
R. Chanina verglich Salomo mit einem tiefen Brunnen voll frischen, süßen und wohlschmeckenden Wassers, aus dem aber niemand trinken konnte, da kam einer und band Seile und Stricke aneinander, ließ einen Eimer hinab und trank, nun ließen Alle Eimer hinab und tranken. So hat auch Salomo von Gleichnis zu Gleichnis das Geheimnis der Thora klar zu machen gesucht s. Prov: 1, 1, welche Stelle sagen will, dass durch die Gleichnisse Salomos die Worte der Thora fasslich wurden. Daher sagten die Rabbinen, das Gleichnis sei nicht gering in deinen Augen, denn durch dasselbe werden dem Menschen die Worte der Thora fasslich. Wie ein König sein verlornes Goldstück oder seine kostbare Perle mittelst eines Dochtes (Lichtes), der ungefähr einen Isar wert war, in seinem Hause wieder fand, ebenso, erscheine das Gleichnis in deinen Augen nicht gering, denn dadurch machte Salomo die Worte der Thora fasslich. Du kannst es daraus entnehmen, dass es sich so verhält, dass Salomo durch das Gleichnis das feine Verständnis der Thora erschloss. R. Judan sagte: Um dir zu lehren: wer die Worte der Thora öffentlich vorträgt, auf den ruht der heilige Geist. Von wem kannst du das lernen? Von Salomo, welcher dadurch, dass er die Worte der Thora öffentlich vortrug, so glücklich war, dass der heilige Geist auf ihm ruhte, und er die drei Bücher, die Sprüche, den Prediger und das Hohelied verfasste.
R. Pinchas ben Jair begann anknüpfend an Prov. 2, 4: Wenn du den Worten der Thora nachforschst wie nach Schätzen, so wird Gott dir den Lohn nicht vorenthalten. Wenn ein Mensch beispielsweise einen Sela oder sonst ein Wertstück in seinem Hause verloren hat, so zündet er Lichter und Dochte an, bis er das Gesuchte findet. Wenn nun schon, in Bezug auf das, was eigentlich nur einen augenblicklichen Genuss gewährt (eig. das Leben einer Stunde dieser Welt bietet), der Mensch viele Lichter und Dochte anzündet, bis er es gefunden hat, um wie viel mehr solltest du nach den Worten der Thora, die dir das Leben dieser und jener Welt verheißt, wie nach Schätzen graben!
R. Eleasar sagte: Nie kam ein Mensch mir im Lehrhause zuvor und ich ließ auch bei meinem Weggange keinen dort zurück. Einmal ging ich früh dahin und traf Leute, welche Dünger und Stroh nach den Feldern führten, da fielen mir die Worte Prov. 2, 4. 5 ein. Wir, die wir nicht der Düngung und des Strohs bedürfen, sollten wir uns nicht wenigstens wie diese bemühen, welche Stroh und Düngung führen? Daher wurde gelehrt: R. Pinchas ben Jair hat gesagt: Hurtigkeit (Achtsamkeit) führt zur Unschuld s. Lev. 16, 20, Unschuld zur (Sitten-)Reinheit s. das. 12, 7, (Sitten-)Reinheit zur Heiligung s. das. 16, 19, Heiligung zur Demut s. Jes. 57, 15, Demut zur Sündenscheu s. Prov. 22, 4. Sündenscheu zur Frömmigkeit s. Ps. 89, 20, Frömmigkeit zum heiligen Geist s. das., der heilige Geist zur Totenauferstehung s. Ezech. 36, 14, die Totenauferstehung zu Elia dem Propheten, dessen Andenken in Segen sei s. Mal. 3, 23.
R. Mathna sagte: Was die Weisheit zum Hauptschmuck macht s. Ps. 111, 10, macht die Bescheidenheit zur Sandale für die Ferse s. Prov. 22, 4.
R. Simon verglich im Namen des R. Simeon ben Chalaphtha den Salomo mit einem Ratsherrn (Senator), welcher im Hause des Königs in großem Ansehen stand. Einmal sprach der König zu ihm: Verlange, was ich dir geben soll! Verlange ich, dachte der Günstling, Silber und Gold, er gibt sie mir, oder Edelsteine und Perlen, er gibt sie mir; ich will um seine Tochter werben, mit welcher ich alles in allem erlange. Ebenso sprach Gott zu Salomo 1 Reg. 3, 5: Verlange, was ich dir geben soll! Da dachte Salomo: Wenn ich Silber und Gold, Edelsteine und Perlen verlange, er gibt sie mir, ich bitte um die Weisheit, dann habe ich alles in allem s. das. V. 9. Du erbittest dir die Weisheit, antwortete Gott, und nicht Reichtum, irdische Güter und das Leben deiner Feinde, bei deinem Leben! ich lasse dir mit jener auch diese zu Teil werden s. das. V. 11. Und. Salomo erwachte und siehe, es war ein Traum. Es war ein Traum, wie R. Jizchak bemerkte, der auf seiner Basis (seinem Grunde) steht. Brüllte der Esel, so wusste er, was er brüllte, zwitscherte der Vogel, so wusste er, was er zwitscherte. Er begab sich nach Jerusalem, stellte sich vor die Bundeslade, brachte Brand- und Friedensopfer dar und machte ein Gastmahl für seine Dienerschaft s. das. V. 15. Daher ist, wie R. Eleasar meint, die Sitte entstanden, dass, wenn man die Thora durchgelesen hat, man ein Gastmahl veranstaltet. R. Judan sagt: Um dir zu lehren, dass derjenige, welcher die Thora öffentlich vorträgt, würdig ist, dass der heilige Geist sich auf ihn niederlasse; denn als Salomo die Thora lehrte, ließ sich der heilige Geist auf ihn nieder und er verfasste die drei Bücher, die Sprüche, den Prediger und das Hohelied.
Über die Bedeutung der Benennung  ,yrysh rys ist die Meinung geteilt. R. Ibo sagte: rys ist ein Lied und ,yrysh sind zwei Lieder, folglich sind es drei Lieder. R. Jehuda bar Simon sagt: Beide Ausdrücke bezeichnen nur ein Lied (d. i. sie sind der Titel nur eines Liedes). Was machst du denn mit den beiden andern, nämlich mit Ps. 127 und Ps. 30? Der letzte Psalm wird zwar der Überschrift nach dem David beigelegt, hat aber den Salomo zum Verfasser, wie es sich auch mit dem Vers Cant. 4, 4 verhält. Wenn du alle Werke dieses Mannes betrachtest, so erstieg er drei Stufen: auf der ersten herrschte er über die ganze Seite des Stromes s. 1 Reg. 5, 4, auf der zweiten herrschte er über alle Königreiche vom Strome des Philisterlandes bis an die ägyptische Grenze s. das. 5, 1, auf der dritten kam er auf den Thron Gottes als König zu sitzen s. 1 Chron. 9, 8. Ist denn das dem Menschen möglich? fragte R. Jizchak, Gott ist doch, wie es in der Schrift Deut. 4, 24 vergl. Dan. 4, 10 heißt, ein zehrendes Feuer, und du sagst, Salomo nahm diesen Thron ein? Es soll damit gesagt sein, dass Salomo wie Gott von einem Ende der Welt bis zum andern regiere und dass er ebenso ohne Zeugenverhör und vorausgehende Warnung Recht sprach. In welchem Falle? Als die zwei Buhlerinnen vor ihm erschienen s. 1 Reg. 3, 16. Wer waren sie? Rab sagte: Es waren Geister, die Rabbinen sagten: Sie waren verschwägert, R. Simon sagte im Namen des R. Josua ben Levi: Sie waren wirkliche Buhlerinnen und er entschied ohne Zeugenverhör und vorherige Warnung. Er erfuhr aber auch den Verfall seiner Herrschaft in drei Abstufungen. Nachdem er ein großer König über ein Reich gewesen, welches von einem Ende der Welt bis zum andern sich erstreckte, verminderte sich seine Herrschaft und er war nur noch König Über Israel s. Prov. 1, 1 seine Herrschaft verminderte sich weiter und er war nur noch König über Jerusalem s. Koh. 1, 12 und zuletzt verminderte sich seine Herrschaft so weit, dass er nur noch König über sein Haus war s. Cant. 3, 7. 8, woraus hervorgeht, dass er nicht einmal über sein Bett zu gebieten hatte (eig. König war), da er vor den Geistern sich fürchtete.
Salomo sah auch drei Welten d. i. er erfuhr drei Wandlungen. Nach R. Judan war er König, ein gemeiner Mann (Idiot), und wieder König, dann ein Weiser, ein Narr und wieder ein Weiser, zuletzt ein Reicher, ein Armer und wieder ein Reicher, weil er sagt Koh. 7, 15: „Ich habe alles in den Tagen meiner Nichtigkeit erfahren“, indem der Mensch von seiner ausgestandenen Not erst in der Stunde seiner Erholung (Erleichterung) zu erzählen pflegt
Nach R. Hunja war Salomo ein Gemeiner König und wieder ein Gemeiner, dann ein Narr, ein Weiser und wieder ein Narr, endlich ein Armer, ein Reicher und wieder ein Armer, weil er sagt: „Ich, Kohelet, war König über Israel“, aber jetzt bin ich es nicht mehr. Drei Sünden beging Salomo: 1) er hielt sich sehr viele Pferde, 2) er hielt sich viele Weiber und 3) häufte er Silber und Gold s. 1 Reg. 10, 27. Wurde denn das Silber nicht gestohlen? .R. Jose bar Chanina sagte: Es waren Stücke: von zehn, acht Ellen Größe? Sogar die Gewichte, lehrte R. Simeon ben Jochai, waren in den Tagen Salomos von Gold, denn das Silber wurde für nichts geachtet s. 1 Reg. 10, 21.
Salomo liebte viele fremde Frauen s. 1 Reg. 11, 12, mit denen der Israelit nach R. Josua ben Levi sich nicht verbinden darf, allein R. Simeon ben Jochai sagte: Die Wollust trieb ihn dazu. R. Jose der Galiläer sucht aus Nechem. 13; 26 zu beweisen, dass Salomo den Frauen beiwohnte zu einer Zeit, wo sie nach dem Gesetze zu meiden sind, und sie hatten ihn nicht davon in Kenntnis gesetzt.
R. Jose ben Chalaphtha sagte: Nicht aus Liebe zu ihnen verband sich Salomo mit den fremden Weibern, sondern in der Absicht, um sie (bei Gott) beliebt zu machen, sie zu nähern, zum Judentume überzuführen und sie unter die Flügel der Schechina zu bringen. R. Josua ben Levi, R. Simeon ben Jochai und R. Jose der Galiläer sagen,  stimmen überein, sind in einer Sache gleicher Meinung „(nämlich dass Salomo sich mit den fremden Frauen versündigt habe)“ , nur R. Jose bestreitet die Meinung dieser drei „(indem nach ihm Salomo dieselben vom Götzendienst zur Liebe des einzigen Gottes hinführen wollte).“ Drei Satane machten sich an Salomo vergl. 1 Reg. 11, 14. 23. 25. Wegen der vielen Pferde, die er sich hielt vergl. das. 10, 26. 29.
Drei Bücher Sprüche verfasste Salomo:  die Sprüche Cap, 1, 10 und 25; drei Eitelkeiten sprach er aus, denn lbh ist eine Eitelkeit und ,ylbh sind zwei Eitelkeiten, was drei ergibt s. Koh. 1, 2, ebenso viele Lieder sang er, denn rys ist ein Lied und myrysh sind zwei Lieder.
Drei Namen hatte Salomo, er hiess Jedidja, Salomo und Kohelet. R. Josua ben Levi legte ihm sieben Namen bei, außer den drei genannten noch Agur, Jake, Lemuel und Ithiel s. Prov. 30, 1. R. Samuel bar Nachman sagt: Ihre Hauptmacht (d. i. die vorzüglichsten unter den sieben Namen) sind Jedidja, Kohelet und Salomo. Und er gesteht zu, dass die letzten vier Namen, welche ihm noch beigelegt werden, gedeutet werden müssen. rvga wurde er genannt, weil er die Worte der Thora sammelte; hqy ]b, weil er das, was er zu einer Zeit gelernt, zu einer andern wieder ausspie, wie eine Schale, die bald voll, bald ausgeschüttet (leer) ist. So lernte Salomo zu einer Zeit die Thora, zu einer andern vergaß er sie wieder. lavml s. das. 31, 1, weil er in seinem Herzen gegen Gott trotzte und sprach: ich werde. die verbotenen Dinge häufen und doch nicht in Sünden verfallen; laytya und lkva, weil er dachte: mit mir ist Gott, ich kann durch meine Kraft der Versuchung widerstehen.
Drei Bücher verfasste Salomo: die Sprüche, den Prediger und das Hohelied. Welches von ihnen verfasste er zuerst? R. Chija der Grosse sagte: Die Sprüche, dann das Hohelied und zuletzt den Prediger und er beweist es aus 1 Reg. 5, 12. lsm geht auf das Buch der Sprüche, vrys auf das Hohelied, und das Buch Kohelet hat er zuletzt verfasst. Die Mischna (Boraita) R. Chija’s des Grossen streitet gegen diese Überlieferung, denn die Boraita (des R. Chija) sagt, Salomo habe die 3 Bücher zu gleicher Zeit geschrieben, und die Überlieferung sagt: jedes für sich; darauf lehrte R. Chija der Grosse, zur Zeit des Greisenalters Salomo’s ruhte auf ihm der heilige Geist und er verfasste (zu gleicher Zeit) Spruchbuch, Kohelet und hohes Lied.
Nach R. Jonathan schrieb Salomo das Hohelied zuerst, dann die Sprüche und zuletzt den Prediger. R. Jonathan weist auf die gewöhnliche Art und Weise (/ra ;rd) des Menschen hin, als Jüngling singt er Lieder, als Mann tut er Aussprüche, als Greis klagt er über die Eitelkeiten der Welt.
R. Janai, der Schwiegervater des R. Ami sagte: Darin kommen die genannten Rabbinen überein, dass der Prediger zuletzt von Salomo verfasst worden ist. Rabbi Eleasar bar Abuna erklärte 1 Reg. 5, 12 dahin, dass Salomo 3000 Beispiele (Gleichnisse) und 1005 Gründe für jede göttliche Verordnung gab. Nach den Rabbinen führte er 3000 Beispiele (Gleichnisse) zu jedem Vers und zu jedem Spruche 1005 Gründe an. Wir haben aber doch alle Sprüche gezählt, wandte R. Samuel bar Nachman ein, und nicht mehr als 915 herausgebracht, und du sagst 3000? Er muss zu jedem zwei oder drei Gründe angegeben haben. Vgl. Prov. 11, 22 und 25, 12. Wenn es an letzterer Stelle heißt: An dem Ort der Grossen stehe nicht, da ist selbstverständlich, dass er sich nicht setze und noch mehr, dass er nicht rede.
R. Akiba sagte: Gott behüte! nie war ein Israelit anderer Meinung, (dass er sage), das Hohelied soll nicht die Hände verunreinigen (nämlich: Alle stimmen überein, dass es ja die Hände verunreinigt, also heilig ist); unter ,ybvtk sind hier alle Bücher der Bibel zu  verstehen, nicht nur die Hagiographen. Nur in Betreff des Predigers besteht eine Meinungsverschiedenheit. R. Jochanan bar R. Josua, Sohn des Schwiegervaters des R. Akiba sagte: Nach den Worten Ben Asai’s (genau wie Ben Asai gesagt,) war so der Streit, und so war nachher die Entscheidung (dass beide die Hände verunreinigen).
R. Eleasar ben Asarja stellte dieses Gleichnis auf: Ein Mann trug ein Sea Weizen zum Bäcker und sprach zu ihm: Mache mir daraus ganz feines Mehl und aus diesem bereite mir feine Kuchen. Ebenso war von aller Weisheit Salomons das feinste kein andres, als das Hohelied für Israel. „Lied der Lieder“ d. i. das herrlichste unter den Liedern, das trefflichste unter den Liedern, das erhabenste unter den Liedern; lasst uns Lieder singen und lobpreisen den, der uns zu Liedern (Gegenständen des Lobes und Gesanges) gemacht, oder dem, der uns als Überreste in der Welt erhalten hat, wie es heißt Am. 8, 3 und Deut. 32, 12.
R. Jochanan sagte im Namen des R. Acha und dieser wieder im Namen des R. Simeon bar Abba: „Lasset uns demjenigen Lieder und Lobgesang weihen, der auf uns den heiligen Geist wird ruhen lassen, dass wir ihm viele Lieder singen. In allen Liedern lobt entweder Gott Israel, oder Israel lobt Gott. In dem Liede des Mose“ Deut. 32, 13: „Er ließ es einherfahren über des Landes Höhen“, preist er uns, allein hier (im Hohenliede) preisen wir ihn und er preist uns. Er preist wie es heißt: „Siehe, wie schön bist du meine Schäferin“, und preisen ihn, wie es heißt: „Siehe, schön bist du, mein Freund“. Darum erklärte es R. Simeon im Namen des R. Chanin von Sepphoris für ein zweifaches (lvpk rys), R. Simeon sogar für ein vielfaches (lvpkmv lvpk).
R. Levi sagte: Das Wort rys gibt, die Buchstaben als Zahlen genommen, die Zahl 510, soviel als die  Summa der Lebensjahre der Väter beträgt (nämlich: Abraham lebte 175, Jizchak 180 und Jakob 147 Jahre, was in Summa, mit Einschluss der 10 Gebote, 512 Jahre gibt); die Jahre der zwei Hungersnöte (in den Tagen Abrahams und Jizchaks) sind von dieser Zahl ausgeschlossen.
R. Judan und R. Levi im Namen des R. Jochanan sagten Überall, wo in dieser Rolle ;lm ohne Hinzufügung des Namens Salomo vorkommt, ist Gott darunter zu verstehen. Die Rabbinen sagten: Selbst da, wo das Wort ;lm in Verbindung mit dem Namen hmls vorkommt, geht es auf den Allerhöchsten, dem der Friede gehört (vls ,vlshs), dagegen ist ;lm ohne Beifügung des Namens auf die Gemeinde Israel zu beziehen.