V. 11. Seim träufeln deine Lippen, Braut

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V.  11.    Seim träufeln deine Lippen, Braut.
R. Darusa und R. Jeremja sagten im Namen des R. Samuel bar Jizchak: 600000 Propheten traten in der Zeit des R. Elia unter den Israeliten auf. Nach R. Jacob im Namen des R. Jochanan waren es 1200000, denn letzterer hat diese Berechnung gemacht: Von Gibea bis Antipatris waren 600000 Städte und keine von allen waren so berüchtigt wie Bethel und Jericho, welche Josua verflucht hat. Daselbst standen die beiden Kälber Jerobeams, und dennoch heißt es von ihr: Es kamen junge Propheten von da zu Elisa s. Reg. 2, 3, welche doch mindestens zwei gewesen sein müssen, ihre prophetischen Reden (]tavbn) sind aber nicht veröffentlicht (niedergeschrieben), weil es deren für die zukünftigen Geschlechter nicht bedurfte. R. Berachja sagte im Namen des R. Chelbo: Es sind auch ebensoviel Prophetinnen unter den Israeliten aufgetreten, welche Salomo hier (in obigen Worten) bekannt werden lässt.
R. Huna und R. Chalaphtha von Cäsarea sagten im Namen des R. Simeon ben Lakisch: Wie die Braut mit 24 Zierraten (die Jes. 3, 18-23 angegeben sind) sich schmückt und nichts daran fehlt, so soll auch der Schriftgelehrte mit dem Inhalt aller 24 Bücher vertraut sein, und es soll ihm keins davon fehlen. Und wenn eine davon fehlt, so ist es so, als wenn alle nicht da wären, so wenn ihm ein Buch daran (an seiner Kenntnis) fehlt, ist es so, als wenn er sie alle nicht kennte
R. Huna sagte im Namen des R. Simeon ben Lakisch: Wie die Braut soll auch der Gelehrte bescheiden (ivno) sein.
R. Chalaphtha sagte im Namen des Resch Lakisch: Wie die Braut sitzend im Tragsessel spricht (ayrvpb): Seht, dass ich rein bin, und hier ist mein Zeugnis, das für mich zeugt, so soll auch der Gelehrte keinen Makel an sich haben.
R. Eleasar bar R. Simeon sagte: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, die den Zuhörern nicht wie das feine Mehl im Siebe, oder wie Seim angenehm sind, der sollte lieber nicht reden. Ganz ähnlich äußerte sich auch R. Jose bar Chanina: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, die nicht ihren Zuhörern so süß wie Honig sind, welcher aus der Honigzelle kommt, der sollte lieber nicht reden. Die Rabbinen sagten: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, welche den Zuhörern nicht so angenehm sind wie Honig und Milch vermischt, der sollte lieber nicht reden. R. Jochanan sagte: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, welche den Zuhörern nicht so gefallen, wie eine Braut unter dem Trauhimmel den Menschenkindern gefällt, der sollte lieber nicht reden. Resch Lakisch sagte: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, die den Zuhörern nicht so gefallen wie die Braut ihrem Manne in der Stunde der Trauung, der sollte lieber nicht reden.
unter deiner Zunge ist  Milch  und Honig.
R. Berachja sagte: es ist doch keine Feuchtigkeit so eklig, wie die unter der Zunge (der Speichel), und du sagst: unter deiner Zunge ist Milch und Honig? Es liegt aber den Worten dieser Sinn zu Grunde: Wenn schon die stumpfen (unverständlichen) Halachot unter deiner Zunge dem Honig und der Milch gleichen, wie erst die fest begründeten! R. Levi sagte: Auch auf den, welcher einen Vers mit Verständnis und gehöriger Betonung liest, lässt sich sagen: Milch und Honig ist unter deiner Zunge.
Und deine Gewänder sind wie des Libanons Duft.
Es steht Gen. 27, 27 geschrieben: „Jacob trat hinzu und küsste ihn (seinen Vater Jizchak) und er roch den Geruch seiner Kleider, und er segnete ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, das der Ewige gesegnet hat.“ Es verbreitet doch aber, fragte R. Jochanan, nichts einen so üblen Geruch wie Ziegenhaar, und du sagst: er roch den Duft seiner Kleider? Allein mit unserem Vater Jacob zog ein Duft aus dem Paradiese ein. Das stimmt mit dem überein, was Jizchak zu ihm sagte: Der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, welches der Ewige gesegnet hat. Als aber der ruchlose Esau zu seinem Vater kam, zog mit ihm der Duft der Hölle ein. Warum? S. Prov. 11, 18: „Kommt Übermut, so kommt Schmach.“ Das stimmt wieder mit dem überein, was Jizchak zu ihm sagte: „Wer bist du (avp ym)?“ d. i. wer wird in diesem Ofen (d. i. in der Hölle) gebacken (verbrannt  hpab ym) Darauf antwortete der heilige Geist: Der Jäger.
R. Eleasar bar R. Simeon fragte den R. Simeon bar R. Jose ben Lakunja: Haben die Israeliten Webegeräte in der Wüste mit sich geführt? Nein, war die Antwort. Wovon haben sie sich denn während ihrer 40jährigen Wanderung gekleidet? Von dem, womit die Dienstengel sie bekleidet haben, wie es heißt Ezech. 16, 10: „Ich kleidete dich mit Gesticktem?“ R. Simai sagte: mit Purpur. R. Akilas übersetzt das Wort hmqr mit ]yuylqpa. Sind denn aber die Kleider nicht mit der Zeit zerfallen? Hast du nicht gelesen, was Deut. 8, 14 geschrieben steht? Haben sie die Kleider nicht ausgewachsen? Geh und lerne von der Schnecke, mit der ihr Gehäuse zugleich wächst. Mussten sie dieselben nicht waschen? Die Wolke reinigte und glättete sie. Wurden sie nicht verbrannt? Geh und lerne vom Amiant, der nur im Feuer gereinigt (poliert) wird. Erzeugten sie nicht Ungeziefer? Wenn sie es nicht nach ihrem Tode machten, sollte es bei ihren Lebzeiten der Fall gewesen sein? Verbreitete der Schweiß ihres Körpers nicht einen üblen Geruch? Die Kleider rieben sich an den Kräutern (im Grase) des Brunnens und wurden von deren Duft durchzogen, wie es heißt Ps. 23, 2: „Auf grünen Angern lässt er mich lagern“, und ihr Duft verbreitete sich von einem Ende der Welt bis zum andern. Da kam Salomo und erklärte: „Der Geruch deiner Kleider ist wie der Duft vom Libanon.“