V. 2. Wie die Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern

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V. 2. Wie die Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.
R. Jizchak deutete diesen Vers auf Rebecca, die Tochter Bethuels, des Aramäers von Padan-Aram, die Schwester Labans, des Aramäers s. Gen. 25, 2. Mit allen diesen nicht notwendigen Angaben soll angedeutet werden, dass der Vater, der Bruder und die Ortsbewohner der Rebecca, von welchen sie hervorgegangen, Betrüger waren, sie aber war und blieb die Tugendhafte, sie glich demnach der Lilie unter den Dornen. R. Pinchas sagt: Es heißt das. 28, 5: „Und so entließ Jizchak den Jacob, und er zog nach Padan-Aram zu Laban, dem Sohne Bethuels, des Aramäers“, um anzudeuten, dass alle Betrüger waren.
R. Elieser deutete den Vers auf die Erlösung aus der ägyptischen Sklaverei, welche ebenso schwer zu bewerkstelligen war, wie eine Lilie zwischen Dornen zu pflücken ist s. Deut. 4, 34. R. Josua im Namen des R. Chanan sagte: Es heißt in dieser Stelle: „Und sich ein Volk zu nehmen aus der Mitte der Völker“, es heißt nicht: ,i brqm yvg, auch nicht: yvg brqm ,i, sondern yvg brqm yvg, weil eines  wie das andere unbeschnitten war, das eine wie das andere sich die Tolle lang wachsen ließ, das eine wie das andere Gemischtes (Kilaim) als Kleidung trug, darum hätte die Gerechtigkeit nicht zugegeben, dass jemals die Israeliten erlöst würden. R. Samuel bar Nachman sagte: Wenn Gott sich selbst nicht durch einen Eidschwur (mit Abraham) gebunden hätte, so wären die Israeliten nie erlöst worden s. Ex. 6, 6. Unter dem Worte ]kl ist nichts anderes als Schwur (hivbs) zu verstehen vergl. 1 Sam. 3, 14 R. Berachja sagte: Es heißt Ps. 77, 16: „Du hast dein Volk erlöst mit starkem Arm“ d. i. mit Herrschermacht (aynvrub). R. Judan sagte: Die Worte Deut. 4, 34 von yvg vl txql abl bis ,ylvdg ,yarvm enthalten 72 Buchstaben und wenn dir jemand entgegnen sollte, dass es 75 Buchstaben seien, so erwidere, dass das zweite Wort yvg von der Zahl ausgeschlossen ist. Damit soll nach R. Abin angedeutet sein, dass Gott die Israeliten mit seinem Namen erlöst hat, der 72 Namen (Attribute) hat. Einem Könige gleich, sagte R. Asarja im Namen des R. Jehuda, dass R. Simon gesagt habe, welcher einen Lustgarten hatte und eine Reihe Feigenbäume, eine Reihe Weinstöcke, eine Reihe Granatäpfelbäume und eine Reihe Äpfelbäume pflanzte und dann einem Winzer übergab und davonging. Nach einiger Zeit kam der König und sah sich im Garten um, um zu wissen, was geschehen war und er fand überall nur Dornen und Disteln. Er ließ dieselben abschneiden und es fand sich eine Lilie darunter. Er nahm sie, roch daran und ergötzte sich. Wegen dieser Lilie, sprach er, soll der Garten verschont werden. So ist auch die Welt nur wegen Israel erschaffen worden. Nach 26 Geschlechtern sah Gott in seiner Welt sich um, um zu sehen, was sich in ihr zugetragen habe und siehe, er fand Wasser in Wasser d. i. das Geschlecht Enosch, das Geschlecht der Sündflut und das Geschlecht der Zerstreuung war durch Wasser vertilgt worden. Er wollte nun die Welt (von allen solchen Auswüchsen) ausrotten s. Ps. 29, 10, da fand er aber eine Lilie d. i. Israel und nahm einen lieblichen Duft an ihr wahr d. i. an den Israeliten, als sie die zehn Gebote so bereitwillig aufnahmen und er ergötzte sich daran, als die Israeliten sprachen: „Wir wollen tun und gehorchen.“ Wegen dieser Lilie, sprach Gott, werde der Garten verschont d. i. wegen des Gesetzes und seiner Pfleger werde die Welt gerettet.
R. Chanan von Sepphoris deutete obigen Vers auf die Werke der Menschenliebe (,ydcx tvlymgb). Es kommen z. B, Zehn Männer in ein Trauerhaus und es vermag nicht einer von ihnen seinen Mund aufzutun, um den Segens-(Trost-) spruch der Leidtragenden ( S. Kethub. fol. 8 b vergl. Midr. Wajikra r. Par. 23.) zu sprechen, da kommt aber einer und tut es, dieser gleicht einer Lilie unter den Dornen. Es kommen ferner Zehn (Männer) zu einem Hochzeitsmahle und keiner von ihnen tut seinen Mund auf, um den Segensspruch zu sprechen, den man am Hochzeitstage für das Brautpaar spricht, da kommt aber einer und tut es, dieser gleicht einer Lilie unter den Dornen. Oder es kommen endlich Zehn (Männer) in das Versammlungshaus (die Synagoge) und nicht einer von ihnen ist im Stande, vor die Lade hinzutreten, die Benedictionen vor und nach dem Schema zu sagen (die Segenssprüche über Schema abgekürzt (Stück, Bissen) sagen: im Gegensatz von: vollständig vorbeten.), da kommt aber einer und tut es, dieser gleicht einer Lilie unter den Dornen.
R. Eleasar kam in einen Ort, da er aufgefordert ward, die Segensprüche über das Schema vorzubeten, was er aber (aus Bescheidenheit) mit den Worten ablehnte: Ich bin nicht gelehrt genug. Was? sprachen die Anwesenden, ist das der Eleasar, von dem man so viel Rühmens macht, umsonst nennt man ihn Rabbi? R. Eleasar erblasste (eig. sein Antlitz wurde gelb) und er ging zu seinem Lehrer R. Akiba. Warum siehst du so kränklich aus? wurde er von diesem gefragt. Er erzählte ihm den Vorfall und bat ihn, ihm doch das Mangelnde zu lehren, was auch geschah. Nach einigen Tagen kam er wieder an denselben Ort. Es erging dieselbe Aufforderung an ihn, der er entsprach und man sagte nun: R. Eleasar wurde befreit (d. i. von seiner früheren Unkenntnis der Gesetzlehre entbundene weshalb man ihn R. Eleasar Chisma nannte. (Vergl. Midr. Wajikra r. Par. 23.)
R. Jona lehrte. seine Schüler die oben erwähnten, Hochzeits- und Trauerbenedictionen, damit sie in allem als Männer erscheinen möchten.
R. Huna deutete den obigen Vers auf die Herrschaften (tvyklmb). Wie die von Dornen umgebene Lilie, wenn auch ein Nordwind sich erhebt, sie peitscht und Dornen sie stechen, trotzdem ihr Inneres nach oben richtet, so auch die Israeliten; obgleich sie von Beköstigungsbeiträgen und andern Steuern aller Art belastet sind, so richten sie dennoch ihr Herz zu ihrem Vater im Himmel, wie es Ps. 25, 16 heißt: „Meine Augen blicken immerdar zum Ewigen auf.“
R. Ibo legte obigen Vers auf die nächste (morgende) Erlösung (rxm  tlvagb) aus: Wie es schwer hält, die Lilie, wenn sie unter Dornen sich befindet, zu sammeln (pflücken), sondern ihr Besitzer erst ein Licht herbeiholt und die Dornen verbrennt und hernach sie sammelt, so heißt es von Israel Thren. 1, 17: „Der Ewige hat gegen Jacob seine Feinde entboten ringsum“, wie Chalmisch bei Gawa, Jericho bei Noadan, Susitha bei Tiberias, Kastra bei Cheipha, Lud bei Ono vergl. Ezech. 5, 5: „So spricht der Ewige: Das ist Jerusalem, die ich mitten unter die Völker gesetzt habe“; wenn aber der bestimmte Zeitpunkt eintritt, was tut da Gott? Er bringt ein Feuer herbei und zündet die Dornen an (d. i. er lässt diese Örter ein Raub der Flammen werden), wie es heißt Jes. 33, 12: „Die Völker werden wie Kalk verbrannt werden“ und Deut. 32, 12 heißt es. „So leitet es der Ewige allein und kein fremder Gott mit ihm.“
R. Abun sagte: Sowie die Lilie, wenn sie von der Glut der Sonne betroffen wird, hinwelkt, wenn aber der Tau auf sie kommt, aufblüht, ebenso welken die Israeliten gleichsam hin, so lange Esau’s Schatten (d. i. die Macht Roms in dieser Welt) währt, in der zukünftigen Welt aber, wenn der Schatten Esau’s geschwunden ist, wird es saftreicher werden, Wie es heißt Hos. 14, 6: „Ich werde Israel wie Tau sein, es wird blühen wie die Lilie und Wurzel schlagen wie der Libanon.“ Wie die Lilie nur zugleich mit ihrem Duft aufhört, so hört auch Israel erst dann auf, wenn die (der Duft der) Ausübung der Gebote und guten Werke aufhört, also ist auch der Fortbestand Israels auf die Beobachtung der religiösen Vorschriften und den Vollzug von guten Werken gegründet. Wie die Lilie nur wegen des von ihr verbreiteten Duftes beliebt ist, so sind auch die Gerechten nur zur Erlösung Israels erschaffen. Was die Lilie auf der königlichen Tafel am Anfange und Schluss ist, das sind auch die Israeliten in dieser und in der künftigen Welt (d. i. in der messianischen Zeit); wie die Lilie unter allen Pflanzen erkannt wird, so wird auch Israel unter den Völkern der Welt erkannt s. Jes. 61, 9; wie die Lilie auf die Shabbathe und Festtage aufbewahrt wird, so ist auch Israel für die künftige (morgende) Erlösung (rxm ls hlvagl) bestimmt.
Nach R. Berachja sprach Gott zu Mose: Geh und sprich zu den Israeliten: Meine Kinder! wie ihr in Ägypten der Lilie unter den Dornen gleich waret, so gleichet auch dort der Lilie unter den Dornen (in dem Lande Kanaan), dahin ihr kommen sollt, sehet euch vor, dass ihr nicht die dortigen Sitten annehmt s. Lev. 18, 13.