KAP. 30. Ki Tisa - שמות ל כי תשא von Rabbi Samson Raphael Hirsch

Posted 11 mos ago

11. Gott sprach zu Mosche:

V. 11. ‏.וידבר ד’ וגו'‎ Von Kap. 25, 1. bis zu diesem Verse war Eine fortlaufende Gottesrede, durch welche die Stiftung und Heiligung des Tempels und der Priester geboten worden. Mit dieser nun folgenden Gottesrede wird nun das Verhältniss der Nation zum Tempelheiligthum gezeichnet. Wie von vorn herein Tempel- und Nationalleben nitcht als zwei getrennte Gebiete zu begreifen gelehrt worden, wie Sanhedrin neben dem Altare stehen, der Altar Recht und Friede und Sittenheiligung dem Nationalleben bringen sollte, und darum die Grundzüge des zu entwickelnden Lebens der Nation den Anordnungen über den Tempelbau vorangehen: so wird hier, nach Vollendung dieser Anordnungen, die Zusammenhörigkeit der Nation und des Tempelheiligthums durch das Schekelgesetz dauernd zum Bewußtsein gebracht und die große israelitische Wahrheit proklamirt: daß das Tempelheiligthum kein ein für allemal hergestelltes und nun fortan durch die Priester zu vollziehendes opus operatum sei, das ohne die ewig frisch und lebendig bleibende Betheiligung der Nation seinen Zweck erreichen könne, und daß ebenso die Bedeutung der Einzelnen und der Nation im Ganzen nur in der Leistung bestehe, durch welche das Tempelheiligthum, das ja nichts anderes als das Heiligthum des Nationalgesetzes ist, seine Verwirklichung findet.

12. Wenn du die Gesammtsumme der Söhne Jisraels nach ihren Gezählten aufnimmst, soll Jeder von ihnen Gott eine Sühne seiner Person geben indem man sie zählt, so wird kein Sterben unter ihnen sein indem man sie zählt.

V. 12. ‏:נשא ראש .כ’ תשא את ראש‎ der gewöhnliche Ausdruck für Zählen einer Menschenmenge. Man kann darüber zweifelhaft sein, in welchem Sinne das ‏ראש‎ in dieser Redeweise zu nehmen sei; ob als Kopf, und zwar kollektiv: die Köpfe aufnehmen, oder als Ausdruck für Summe. Da ‏נשא‎ nie absolut ohne Nennung des zu zählenden Gegenstandes als Zählen vorkommt, sondern stets ‏נשא ראש‎ oder auch ‏נשא מספר‎ (5. B. M. 3, 40.), außerdem auch ‏ראש‎ in Zusammenstellungen wie: ‏ושלם אותו בראשו‎ (3. B. M. 5, 24.) den Begriff Summe ausdrückt, so scheint es auch in ‏נשא ראש‎ die Summe zu bedeuten. Es scheint der Kopf physiologisch als derjenige Körpertheil begriffen zu sein, in welchen alle aktiven und passiven Lebensfäden zusammen laufen, und von wo aus sie sich durch den ganzen Körper verzweigen. In der That läßt sich das Gehirn als Zusammenfassung aller Lebensfasern betrachten, und daher dürfte »Kopf« zum Ausdruck für zusammenfassenden Inbegriff geworden sein.
.לפקריהם
‎Wir haben schon, aus der Lautverwandtschaft mit פקד ,בגד ‎als das Bekleiden eines Gegenstandes mit seinen Attributen und daher auch als das Einsetzen‏ ‎eines Gegenstandes in einen Kreis, oder in seinen Kreis von Attributen begriffen, woraus sich die Bedeutung: denken, in ein Amt einsettzen, zählen u. s. w. ergeben. Alles Zählen reiht die Gezählten einem gemeinsamen Begriff unter und läßt jedes Gezählte als integrirenden Träger dieses Begriffes schätzen. ‏פקודי בני ישראל‎ sind alle diejenigen, die als בני ישראל gedacht werden, in welchen der Begriff בני ישראל‏‎ einen conkreten Träger hat. In dem Augenblick, in welchem Jemand ‏לפקודי בני ישראל‎ gezählt wird, lernt er ‏sich als בן ישראל‎ schätzen, wird in ihm das selbstschätzende Bewußtsein geweckt, in sich den Begriff seiner Nation verkörpert zu sehen. Da tritt nun an ihn die bedeutsame Lehre hinan: Nicht durch das bloße Sein und Fürsichsein habe sein ‏,נפש‎ seine Persönlichkeit, Werth und Bedeutung, nicht insofern er des Daseins genießt, ist er integrirender Theil der Nation, ja nicht einmal das Recht des Daseins hat er durch sein bloßes Sein; nur gehend, leistend ist er zu zählen, nur gebend, leistend gewinnt er ein Recht auf Fortdauer seines Daseins, nur durch pflichtgemäße Leistung eine berechtigte Stelle in dem Kreis der von Gott mit Dasein gekrönten Wesen, eine berechtigte Stelle in der Gesammtheit seiner Nation; nur leistend darf er sich in die Zahl der Söhne Jsraels zählen. In dem Momente, in welchem er sich leistungslos zählen lassen, somit leistungslos ein berechtigtes Dasein beanspruchen wollte, in dem Augenblicke hätte er das Recht des Daseins verwirkt. Wo ist aber der Mensch, dessen Leistungen so voll seiner Pflicht entsprächen, dass er auf sie gestützt, das volle Recht auf volles Dasein auch nur einer einzigen Minute beanspruchen könnte? Wo ist der Mensch, dessen Unvollkommenheiten ihn nicht im Momente des Gezählt werdens der Sühne bedürftig erscheinen ließen, wo der Mensch, der sühnelos sich zählen lassen dürfte! Darum

13. Dies sollen sie geben, Jeder, der hinübergeht hin zu den Gezähltem die Hälfte eines Schekels im Gewichte des Heiligthums; zwanzig Gera der Schekel, die Hälfte eines solchen Schekels Gott als Hebe.

V. 13. ‏,זה יתנו‎ nicht mit der konkreten Summe seiner wirklichen Leistungen, sondern mit dem symbolischen Ausdruck seiner ihm bewußten Leistungsobliegenheit hat er Gott sich zu nahen in dem Augenblick, in welchem er ‏עובר על הפקודים‎ sein soll, in welchem er aus dem Kreis der Nichtgezählten »hinübergehen« soll in den Kreis der Gezählten. Es gibt keinen höhern Adel und auch kein höheres Seligkeitsbewußtsein, als zu den '‏פקודי ד‎ zu den für Gott und von Gott Gezählten zu gehören, in dem unscheinbarsten Kreis der bescheidensten Lebensstellung mit dem verschwindendsten Moment des vergänglichsten Daseins eine Stelle einzunehmen in Gottes Register, mit zu zählen in Gottes Heer. Nur mit dem gelobenden Bewußtsein der vollen Leistung seiner Pflicht geht man über aus der bedeutungslosen Schaar der egoistischen Menge in den geadelten Kreis der von Gott Gezählten, in das beseligende Bewußtsein, von Gott gezählt zu werden.
Der symbolische Ausdruck der Leistungsobliegenheit eines Jeden ist aber ‏מחצית השקל‎ die Hälfte eines Schekels. Objektiv wird auch die höchstvollendete Leistung des Einzelnen, nie das Ganze, nie ein Ganzes schaffen können, Bruchstück bleibt jedes Einzelwirken, es bedarf der gleich hingebungsvollen Hingebung des Bruders, um ein Ganzes herzustellen. Es wird auch von keinem Einzelnen das Ganze gefordert, ‏עליך המלאכה לגמור‎ לא. Aber es sei sein Beitrag zum Ganzen auf der Waage des Heiligthums gewogen: zwanzig Gera zählte der Schekel, und zehn, somit an sich, subjektiv, ein volles gerundetes Ganze, sei, was der Einzelne leiste. Sein Ganzes sei es, gewissenhaft habe er es abgewogen; welch' kleinen Bruchtheil seine Leistung auch im Verhältniss zu dem zu schaffenden Ganzen bedeute, er habe nichts unterlassen, keine Kraft, keine Fähigkeit, kein Vermögen, die das Heil des Ganzen fördern könnte, habe er zurückgehalten, obgleich ‏,לא עליך המלאכה לגמור‎ so doch ‏ולא אתה בן חורין להבטל ממנה‎ (Aboth ΙΙ. 21.). Sein halber Schekel wiege zehn Gera auf der Waage des Heiligthums.

14. Ueberhaupt Jeder, der zu den Gezählten hinübergeht, von zwanzig Jahren aufwärts, soll eine Gotteshebe geben.

V. 14. Schekalim I., 1. wird die in diesem Satze erwähnte 'תרומת ד nicht auf die in den vorangehenden Versen gebotene Halbschekelspende bezogen, sondern als besondere Verpflichtung begriffen, ohne fixirte Größe zu den Bedürfnissen des Heiligthums zu spenden. Dafür spricht auch überhaupt die Wiederholung (— die Bestimmung: '‏מבן עשרים וגו hätte in einen der vorangehenden Verse eingefügt werden können —) und das durch trennenden Accent hervorgehobene ‏כל‎ Die fixirte ‏תרומה‎ heißt auch im folgenden Vers '‏,את תרומת ד‎ während es hier heißt: '‏,יתן תרומה ד er gebe eine Gotteshebe, also eine unbestimmte. — מבן עשרים שנה ומעלה. Nicht soll die israelitische Kindheit dem Heiligthum, das Mannesalter aber der selbstischen Carriere des Brodsuchens überantwortet werden, und so der Egoismus des Mannes die Weihe der Kindheit verdrängen. Nicht spricht das israelitische Heiligthum: laßt die Kleinen zu mir kommen; auf die Großen wartet es, auf den Ernst und die Kraft des männlichen Lebens und Strebens. Mit dem Alter, in welchem der Mensch, wie man spricht, den Beruf bekommt, an sich zu denken und für sich zu streben, ruft das israelitische Heiligthum uns in seinen Dienst: der israelitische Mensch wird Mann für Gottes Gesetzesheiligthum und auch sein An-sich-denken und Für-sich-streben soll dem Heiligthum des Gottesgesetzes zu Gute kommen, soll ein Denken sein an dies Heiligthum und ein Streben für dieses Heiligthum.

15. Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger als die Hälfte eines Schekels spenden, damit die Gotteshebe zu geben, um für eure Seelen Sühne zu vollziehen.

V.15. Indem in diesem Verse der Zweck einer fixirten Halbschekelspende ‏לכפר על‎ ‏נפשתיכם‎ als Beitrag für ‏כפרה‎ der Gesammtheit und nicht als ‏,כפר נפשו‎ wie V.12. als individuelle Sühne des Spendenden, und überhaupt nicht die Spende an sich als ‏,כפר‎ sondern als Beitrag zur Erwirkung von ‏כפרה‎ bezeichnet wird, so wird (Schekalim 1. c.) auch diese ‏תרומה‎ nicht auf die V. 12. besprochene כפר-Spende im Momente einer Zählung begriffen, sondern als regelmässig bleibende Pflicht einer jährlich von Jedem zu leistenden Halbschekelspende zum Behufe der Gesammtheits-Opfer.
‏ :העשיר לא ירבה והדל לא ימעיט
‎eben in dieser Gleichheit spricht sich der symbolische Charakter der fixirten Halbschekelspende aus. Wenn der Reiche und der Arme vollkommen Jeder das Seine, sein Ganzes leistet, so wiegen, Gott und seinem Heiligthume gegenüber, Hunderte und Tausende der Reichen nicht mehr als die Einer und Zehner der Armen, und die Einer und Zehner der Armen ganz gleich den Hunderten und Tausenden der Reichen. Der Reiche kann nicht mehr und der Arme soll nicht weniger als die Hälfte eines Schekels leisten. Gott und das Heiligthum wägen nicht die absolute, sondern die relative Größe der Leistung, schätzen sie im Verhältniß zu dem Vermögen und der Fähigkeit des Leistenden. Jeder, der die volle Kraft des ihm an Fähigkeit und Vermögen Verliehenen im Dienste Gottes, in Förderung seines Heiligthums verwendet, der hat damit seine ‏מחצית השקל‎ als sein »Symbolum« auf Gottes Altar gelegt.

16. Das Geld der Sühnungen aber nimmst du von den Söhnen Jisraels und verwendest es zum Dienst des Zusammenkunft-Bestimmungszeltes; es soll Jisraels Söhnen zum Gedenken vor Gott sein, für eure Seelen Sühne zu vollziehen. 17. Gott sprach zu Mosche: 18. Mache ein Becken aus Kupfer und seinen Untersatz aus Kupfer zum Waschen; stelle es zwischen das Zusammenkunft-Bestimmungszelt und den Altar und gieb Wasser hinein. 19. Aharon und seine Söhne sollen sich daraus ihre Hände und ihre Füße waschen. 20. Wenn sie in das Zelt der Zusammenkunft-Bestimmung eingehen sollen sie sie mit Wasser waschen, und so nicht sterben, oder indem sie zum Altare zur Bedienung hintreten, Gott eine Feuergabe aufdampfen zu lassen. 21. Hände und Füße sollen sie waschen und dann nicht sterben; es sei ihnen dies ein ewiges Gesetz, ihm und seinen Kindern, für ihre Nachkommen 22. Gott sprach zu Mosche: 23. Und du nimm dir Gewürze bester Art: reine Myrrhe fünfhundert, würzigen Zimmt in Hälften von zweihundert und fünfzig , Gewürz-Rohr zweihundert und fünfzig, 24. und Cassia fünfhundert Schekel des Heiligthums, und Olivenöl ein Hin. 25. Das machst du zu einem Oel heiliger Salbung, Wohlgeruchsstoffbereitung, nach der Art des Wohlgeruchstoffsbereiters; ein Oel heiliger Salbung soll es sein. 26. Und du salbst damit dass Zusammenkunft-Bestimmungszelt und die Lade des Zeugnisses, 27. den Tisch und alle seine Geräthe, den Leuchter und seine Geräthe und den Altar des Räucherwerks, 28. den Altar des Emporopfers und alle seine Gerathe, das Becken und seinen Untersatz, 29. und heiligst sie, so daß sie ein Heiligthum der Heiligthümer werden; alles, was sie berührt, wird heilig. 30. Auch Aharon und seine Söhne sollst du salben, und heiligst sie, mir als Priester zu dienen. 31. Zu Jisraels Söhnen aber sprichst du: Oel einer heiligen Salbung soll dies mir für eure Nachkommen sein, 32. auf den Körper eines Menschen soll es nicht gesalbt werden, und in seinem Mischungs-Verhältniß sollt ihr ihm Gleiches nicht machen; ein Heiligthum ist es, ein Heiligthum soll es euch sein. 33. Wer ihm Gleiches bereitet, und wer von ihm auf einen Fremden giebt, wird aus seinem Volke entwurzelt werden. 34. Gott sprach zu Mosche: nimm dir Specereien wie Balsamharz, Seenagel und Galban; solche Specereien und reinen Weihrauch; jedes sei für sich gesondert. 35. Und du bereitest es zu einem Räucherwerk, Wohlgeruchsstoffbereitung nach Art des Wohlgeruchsstoffbereiters, durchdrungen, rein, heilig. 36. Davon zerreibst du ganz fein und giebst davon vor das Zeugniß im Zelte der Zusammenkunft-Bestimmung, wohin ich mich dir zur Zusammenkunft bestimme; ein Heiligthum der Heiligthümer soll es euch sein. 37. Und dieses Räucherwerk, das du bereitest, sollt ihr in seinem bestimmten Mischungsverhältnisse nicht für euch machen; Gott heilig soll es dir sein. 38. Wer ihm Gleiches macht daran zu riechen, wird aus seines Volkes Kreisen entwurzelt.