Die Einweihung.

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Diese letzte Version führt uns auf eine andere, weit verbreitete Legende, für die sich freilich kaum zwei Quellen anführen lassen, die wörtlich mit einander übereinstimmen. Das Motiv in allen wollen wir voranstellen: Es ist die Auszeichnung Davids vor S.; denn ob Gott nun David von seinem Vergehen gegen Uria nachträglich entsühnen oder im Tode noch seine gute Absicht, den Tempel zu bauen, lohnen oder endlich den stolzen S. demütigen will: immer ist es die Erinnerung an David, der S. die ihm selbst versagte sichtbare Gnade Gottes bei der Einweihung des Tempels zu danken hat.
Zwei wichtigste Reihen von Fassungen lässt diese Legende noch erkennen. Die erste möchten wir »Salomo vor den Tempeltoren« überschreiben, die zweite »Salomo und das himmlische Feuer.«
I. »Salomo vor den Tempeltoren« enthält wiederum zwei verschiedene Auffassungen. Nach der einen wollen sich dem König, als er die heilige Lade in den Tempel überführen will, die Tore nicht öffnen. In dieser Auffassung gibt am schlichtesten und durchsichtigsten Moed qaton 9a1) unsere Legende: אמר רב יהודה אמר רב בשעה שביקש שלמה להכניס ארון למקדש דבקו שערים זה לזה וגו Es sagte R. Jehuda i. N. von Rab: In der Stunde, da S. die Lade ins Heiligtum bringen wollte, hafteten die Tore aneinander. Da sagte S. 24 Gebete2), wurde aber nicht erhört. Da begann er: »Erhebet, ihr Tore, eure Häupter (dass einziehe der König der Ehre)« usw.3), wurde aber nicht erhört. Sowie er sagte: »Ewiger Gott, weise nicht zurück das Antlitz deines Gesalbten, gedenke der Liebe gegen deinen Knecht David«4), sogleich wurde er erhört.5) In jener Stunde verwandelte sich das Antlitz aller Hasser Davids wie der Boden des Topfes6), und alle erkannten, dass der Heilige ihm jene Schuld7) verziehen hatte.8)
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1) Mit geringen Textabweichungen Sanh. 107b., Sabb. 30a, in kürzerer Gestalt Jalk. Teh. § 698.
2) II Chr. VI,17 betet S.: »Und nun, Ewiger, Gott Israels, werde zur Wahrheit dein Wort, das du zu deinem Knechte David geredet«. Nun folgen aber noch 24 Verse, ehe es (VII, 1) heisst: »Als S. aufgehört hatte zu beten, da kam das Feuer vom Himmel herab..., und die Herrlichkeit Gottes erfüllte das Haus«. So erklärt schon Bam. R. XIV, 3.
3) Ps. XXIV, 7 ff. — 4) II Chr. VI, 42. — 5) vgl. Anm. 2.
6) Etwa: wurde schwarz vor Neid. Schwarz ist der Boden vom Feuer; vgl. zur Bezeichnung Krauss, Archäol. II S. 277, zum Bilde ib. S. 293.
7) an Uria.
8) Eine Parallele dazu bei Mose: Koh. R. zu IV, 2, Sabb. 80a.


Im Traktat Sanh.1) wird dazu die naturgemässe Vorgeschichte erzählt: 'אמר לפניו רבש"ע מחול לי על אותו עון וכו David sprach vor Gott: Herr der Welt! Verzeihe mir jene Schuld! »Sie sei dir verziehen!« Tue an mir ein Zeichen zum Guten, dass meine Hasser es sehen und beschämt werden, denn du, Ewiger, hilfst mir und tröstest mich.2) Sprach Gott zu ihm: »Zu deinen Lebzeiten tue ich es nicht kund, wohl aber zu Lebzeiten S.« In der Stunde, da S. das Heiligtum gebaut hatte, wollte er. . .
Hierzu wiederum fügt die Parallele im Traktat Sabb.3) zwei Erweiterungen, eine mehr äusserliche, indem sie S. im Hinblick auf dies Erlebnis das Kohelet-Wort sprechen lässt: »Glücklicher preise ich die Toten, dass sie längst gestorben, als die Lebenden, dass sie noch leben«4), und eine zweite, die dem Widerstande der Tempeltore noch eine besondere, geistreiche Pointe gibt. Die letzten Verse von Ps. 24 sind nämlich als ein Zwiegespräch zwischen dem König und den Toren aufgefasst. »Erhebt, ihr Tore, eure Häupter und erhöhet euch, ihr ewigen Pforten, dass einziehe der König der Ehre!« ruft S. ihnen gebieterisch zu. Sie aber, die verstehen, S. nenne sich den König der Ehre, רהטו בתריה למבלעיה springen auf ihn zu, ihn zu verschlingen. »Wer ist der König der Ehre?« herrschen sie ihn an. Er aber antwortet ausweichend: »Der Herr ist gewaltig und stark (der Herr ist ein Held des Krieges).« Und wiederum gebeut er: »Erhebet, ihr Tore, eure Häupter, erhöhet euch, ihr ewigen Pforten, dass einziehe der König der Ehre!« Und wiederum klingt es zurück: »Wer ist der König der Ehre?« Da endlich findet S. die Antwort (die aber noch nicht hilft): »Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Ehre.«
Dieser sinnige Zug, dem Bilde einmal eingefügt, geht nun nicht mehr verloren. Bam. R.5) behandelt ihn ganz für sich. Auch hier nehmen die Tore eine bedrohliche Haltung an: מיד בקשו השערים לירד עליו ולרוץ את ראשו אלולי שאמר ה' צבאות הוא מלך הכבוד סלה
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1) f. 107b. — 2) Ps. 86, 17. — 3) f. 30a.
4) Koh. IV, 2. In einem anderen Zusammenhang, im Hinblick auf Moses Vorgang von S. gesprochen: Deut. R. III, 15, Jalk. Schem. § 392.
5) XV, 13, nach Echa R. z. St. von Huna i. N. R. Josephs tradiert, ähnlich ein Ausspruch des Chanina b. Papa, Sota 9a.


'וחזר ואמר1) ה' עזוז וגכור וגו... Sogleich drohten die Tore, auf ihn‏ ‎herabzustürzen und ihm das Haupt zu zerschmettern, hätte er‏ ‎nicht noch gesprochen: »Der Herr der Heerscharen, er ist der‏ ‎König der Ehre.« Und wiederum sagte er: »Der Ewige ist ge‎waltig und stark. Erhebet, ihr Tore, euer Haupt...« er wollte‏ ‎ihnen damit sagen: Erhöhet euch, denn der König der Ehre ist‏ ‎über euch. Sogleich erwiesen sie ihm Ehre und hoben sich, und‏ ‎die Lade zog ein. Der Heilige aber sprach zu ihnen: Ihr habt‏ ‎mir Ehre erwiesen: bei eurem Leben! wenn ich mein Haus‏ ‎werde zerstören lassen, soll kein Mensch euch in die Gewalt‏ ‎bekommen. (Dass dem wirklich so war) kannst du daran er‎kennen, dass alle Geräte des Heiligtums in die Verbannung ge‎schleppt wurden, wie es beisst: »Und der Ewige gab den Joja‎kim, König von Juda, in seine Hand und einen Teil der Geräte‏ ‎des Gotteshauses,2) aber die Tore des Heiligtums wurden an ihrem‏ ‎Orte verborgen, wie es heisst: »In die Erde versanken ihre‏ ‎Tore.«3)‏
‎Da, wo der Dialog aber fehlt und der Widerstand der Tore nicht hinreichend motiviert schein, wird am Ende der Geschichte die Moral mit den Worten gegeben4): ולמה נצטער שלמה ע"י שנתגאה ואמר בנה בניתי בית זבול לך וגו‎ Und warum geriet S. in diese Bedrängnis? Weil er sich überhoben und gesprochen hatte: »Gebaut habe ich ein Haus zur Wohnung für dich«.5)
‎Die Voraussetzung der bisher zitierten Versionen war, dass die Tempeltore sich S. nicht öffnen wollen. In einer anderen Gruppe von Versionen sind die Tore zu niedrig, als dass sie die Lade einlassen könnten. Von hier aus erst erhält S. Aufforderung: »Erhebet, ihr Tore, euere Häupter« einen rechten Sinn. So lautet
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1) Hier scheint ein Irrtum des Schreibers vorzuliegen. ה' צבאות ist ja schon die letzte Antwort. Wir sollten demnach vielleicht so ordnen: ...אלולי שאמר ה' עזוז וגבור ה' גבור מלחמה חזר ואמר שאו‎ oder wir müssten die Worte וחזר ואמר bis ראשיכם‎ als Glosse bezeichnen.
2) Dan. I, 2.
3) Klag. II, 9 s. Sota 9a, wo R. Chanina b. Papa als Autor genannt ist. Dass alle Geräte fortgebracht wurden, geht aus der obigen Stelle grade ‎nicht hervor.
4) Bam. R. XIV, 3, M. Schocht. zu Ps. XXIV, 10, Jalk. Teh. § 699.
5) 1 Kö. VII, 13.


die Einleitung zu der bereits erwähnten Stelle in Bam. R.1): ...בשעה שהכניס שלמה את הארון למקרש אמר שאו שערים ראשיכם והנשאו פתחי עולם שהיו הפתחים שפלים In der Stunde, da S. die Lade ins Heiligtum brachte, sprach er: »Erhebet .....« denn die Zugänge waren zu niedrig.
Wieso waren nun die Tore zu niedrig? Die Antwort darauf lautet in Kürze: S. hatte eine neue Lade gemacht, und die war zu gross. Tanchuma2): כתיב שאו שערים ראשיכם וגו' מי אמר הפסוק הזה שלמה אמרו וכו' ואין עשר אמות יכולות לכנוס3) בתוך עשר (4ועוד שהיו טוענין5) כן Es steht geschrieben: »Erhebet, ihr Tore, eure Häupter« usw. Wer hat diesen Vers gesprochen? Salomo. Zur Zeit nämlich, als er die Lade machte,6) machte er eine Lade von zehn Ellen und trug sie, um sie ins Allerheiligste zu überführen. Wie er vor dem Heiligtum ankam, war der Eingang zehn Ellen und die Lade zehn Ellen. Zehn Ellen gehen aber nicht in zehn; und dazu waren noch Träger dabei... 7).
Aber auch die Lösung des Knotens ist hier eine andere: כיון שראה שלא היה יכול להכניסו וכו Sowie er sah, dass er sie nicht hineintragen konnte, schämte er sich und wusste nicht, was er tun sollte. Da begann er vor dem Heiligen, gelobt sei er, zu beten [wurde aber nicht erhört|. Was tat nun S.? Er ging
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1) XV, 13. — 2) Schem. וארא, 6.
3) Schem. R. VIII, 1 liest: יכולין להכנס Jalk. Teh. § 699: יכולין ליכנס
4) Schem. R. u. Jalk. fügen אמות hinzu.
5) Schem. R. 1. c. טעונין.
6) Buber 1. c. Anm. 49 gibt verschiedene Lesarten für diese Stelle. Die verbreitetste ist: בשעה שהכניס את הארון לבית קדשי הקדשים עשה ארון של עשר אמות והכניס את הארון הראשון לתוכו‎ In manchen Lesarten fehlt »הראשון«. Das אחר wurde darum nicht mehr verstanden und, wie in unserem Text, in אחד‎ verwandelt. Danach hätte S. seine Lade in die des Mose gelegt. Dass S. eine neue Lade gemacht hätte, steht in der Bibel nicht; im Gegenteil: I Kö. VIII, 3 spricht von der alten Lade und wird von den Erklärern in diesem Sinne ausdrücklich verwertet.
7) Fast wörtlich Jalk. Teh. § 699: . . . שלמה אמרו שעשה ארון של עשר אמות והכנים את הארון לתוכו ונשא ..... ‎vgl. dazu Anm. 2. Wegen der‏ ‎Träger vgl. Menach. 98b. Kürzer ist die Fassung in Schem. R. VIII,1: ... ראשיכם שלמה אמר הפסוק הזה בשעה שהכניס הארון לבית קדשי הקדשים עשה ארון של י' אמות כיון שהגיע לפתח ב"ה היה ... Auch hier ist die Voraussetzung, dass eine zweite Lade gemacht wird.


hin und holte den Sarg seines Vaters David und sprach betend: »Ewiger Gott, weise nicht zurück« usw. (wie oben.)1) Sowie er das Verdienst seines Vaters David erwähnte, wurde er auch schon erhört. Denn danach steht geschrieben: Und als S. sein Gebet beendet hatte, kam Feuer vom Himmel herab. . .2) der heilige Geist aber rief aus: »Glücklicher preise ich . . .« usw. (wie oben).3)
Ganz ähnlich lautet die Darstellung von Schem. R.4), nur mit dem Unterschiede, dass auch eine Tradition angeführt wird, nach welcher David damals wieder zum Leben erwachte: א''ר ברכיה בשם ר' חלבו באותה שעה חיה דוד. והכל ממך לדרוש שכן דוד אומר ה' העלית מן שאול נפשי חייתני מירדי בור5) והיה שלמה אומר רבון העולמים עשה בזכותו של זה שנאמר זכרה לחסדי דויד עבדך מיד נענה וכו Es sagte R. Berechja im Namen des R. Chelbo: In jener Stunde erwachte David wieder zum Leben, und alles kannst du von dir aus ableiten; denn so hat David gesprochen: »Ewiger, du hast aus der Unterwelt meine Seele emporgebracht, hast mich belebt, nachdem ich zur Grube hinabgefahren«.6) S. aber sprach: Herr der Welten, tue es um des Verdienstes dieses Mannes willen, wie es heisst: »Gedenke . .« usw. Sogleich ward er erhört. Hierdurch wird der Satz: »Glücklicher preise ich die Toten, die früher einmal gestorben sind« in ein neues Licht gerückt.
In Koh. R.7) wird der Versuch gemacht, die beiden Traditionen in Einklang zu bringen: ר' יהודה בר אילעי8) ורבנן רבי יהודה בר אלעי אמר חיה דוד באותה שעה ורבנן אמרין ארונו הביא וגנ R. Juda bar Ilai und die Rabbinen sind darüber verschiedener Ansicht. R. Juda bar Ilai meint: David lebte in jener Stunde, die Rabbinen aber meinen: Er (S.) holte seinen Sarg. Im Grunde widersprechen sie aber einander nicht. Wer sagt, dass D. in jener Stunde lebte, kann sich darauf stützen, dass D. mit eigenem Munde gesprochen hat: »Ewiger, du hast aus der Unterwelt« ... usw. Ein anderer9) Vers sagt: »Ewiger Gott, weise nicht
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1) S. 23. — 2) S. 22 Anm. 2.
3) S. 23. — 4) VIII, 1.
5) Vgl. Pes. R. II, 3 von der noch die Rede sein wir.
6) Ps. XXX, 4. — 7) Zu Koh. IV, 3.
8) So ist für ברבי לעיי zu lesen.
9) Wir lesen besser אחר f. ‏.אחד‎


zurück« ..., der vor dir steht. Wer hingegen sagt, dass er seinen Sarg geholt habe, der bezieht sich auf den Vers: »Gedenke der Liebe gegen deinen Knecht David.« Und von dieser Stunde heisst es: »Glücklicher preise ich die Toten ... . (als die Lebenden, die noch leben)« wie ich und meine Genossen.
Unvermittelt wird nun an die Versionen in M. Ta. und Schem. R. die andere von dem Zwiegespräche zwischen S. und den Tempeltoren angehängt, wobei Ta. sich mehr an Bam. R.1), Schem. mehr an Sabb.2) hält3). Jalk Teh.4), der im übrigen fast wörtlich mit M. Ta. übereinstimmt, verarbeitet das dort angehängte Zwiegespräch als das Gebet, das keine Erhörung findet, lässt erst dann S. seines Vaters Sarg bringen, bei dessen Anblick die Tore nachgeben, lässt Gott wie in Bam. R. XV, 13 die Tore lohnen und beantwortet schliesslich die Frage, warum S. also gedemütigt wurde, mit seinem stolzen Worte: »Gebaut habe ich ein Haus zur Wohnung für dich«.5) Jalk. gibt aber noch eine zweite abweichende Version unserer Sage6), die dem M. Schocht. entlehnt ist. Dort heißt es: 7) את מוצא בשעה שבנה שלמה בית המקדש וכו Du findest: Als S. das Heiligtum gebaut hatte, wollte er die Lade dahin überführen. Das Tor aber war zu klein, fünf Ellen lang und zweieinhalb Ellen breit. Die Lade aber war zweieinhalb Ellen lang und anderthalb Ellen breit.8) Können denn anderthalb nicht in zweieinhalb Ellen hinein? Es war vielmehr ein anderer Grund: die Tore hafteten in jener Stunde aneinander. Da sprach S. 24 Gebete, wurde jedoch nicht erhört. Begann er wieder: »Erhebt, ihr Tore, eure Häupter«, wurde jedoch nicht erhört. Sowie er sagte: »Ewiger Gott, weise nicht zurück« usw., sogleich wurde er erhört. Und die Tore hoben ihr Haupt, und die Lade zog ein, und Feuer kam vom Himmel herab. Und warum geriet S. so sehr in Be-
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1) S. oben 8. 23 f. — 2) ib,
3) Die Stelle in M. Ta. lautet: התחיל שלמה אמר שאו שעוים ראשיכם ביקשו השערים באותה שעה לרוץ את גלגלתו שהיו סבורין שמא על עצמו הוא אומר ויבא מלך הכבוד אמרו לו מי הוא זה מלך הכבוד אמר להם ה' צבאות הוא מלך הכבוד סלת כיון שאמר להם כך הניחו אותו ‎Die Stelle in Schem. R. lautet: התחיל שלמה אומר שאו שערים וגו' אמרו לו השערים מי הוא זה מלך הכבוד א''ל ה' צבאות הוא מלך הכנוד סלה כיון שאמר להם כן מיד שכבו אלולי כן בקשו לרוץ את ראשו להמיתו‏
4) § 699. — 5) vgl. oben S. 24. — 6) Unter וי''א
7) zu Ps. XXIV, 10, — 8) nach Ex. XXXVII, 1.


drängnis? Weil er sich überhoben und gesprochen hatte: »Gebaut habe ich...«
Hier lehnt also unsere Sage auf Grund der Tatsachen oder biblischen Angaben die Auffassung, als seien die Tore zu niedrig gewesen, ab und kehrt zu der alten Tradition zurück, nach welcher die Tore sich nicht hatten öffnen wollen. Danach freilich bleibt es eine Inkonsequenz, wenn sie schliesslich doch »ihr Haupt erheben.«
II. Eine zweite Reihe von Fassungen beschränkt sich auf das Thema: »Salomo und das himmlische Feuer.« Sie hält zunächst lediglich an dem Berichte der Bibel fest: (1ושבח אני את המתים שמואל פתר קרייה בדוד בשעה שבנה שלמה ב"ה בקש שתרד אש מן השמים ולא ירדה התפלל שלמה ולא ירדה כיון שאמר זכרה לחסדי דויד עבדך מיד ירדה שנא' וככלות וגו »Glücklicher preise ich die Toten... .« Sam.2) deutete den Vers auf David. Als S. das Heiligtum gebaut hatte, flehte er, dass Feuer vom Himmel herabkomme, es kam aber nicht. Da betete er, es kam aber nicht. Sowie er sagte: »Gedenke der Liebe zu David, deinem Knecht«, sogleich kam es herab; denn es heisst: »Und wie S. aufgehört hatte. . .«3)
Die Parallele in Koh. R.4) ist ein wenig ausführlicher: ... ‏הקריב אלף עולות ולא ירדה התפלל כ"ד תפלות ולא ירדה עד שאמר זכרה‎ Er brachte tausend Opfer5), es kam aber nicht, er sprach 24 Gebete, es kam aber nicht, bis er sagte: »Gedenke . . . .«
Damit verbindet endlich die Pes. R.6) die Version von der Herbeischaffung des Sarges Davids: [ד''א| לא אתה תבנה שאין אתה בונה אותו האתה תבנה [שהוא נקרא על שמך] שאילולי אתה לא ירדה האש כיצד אלא כיון שנבנה כמה תפילות סדר שלא ירדה האש א''ר חלבו בשם דבי רבי שילא [הלך] והביא ארונו של דוד אביו אמר לו רבון העולמים אם אין לי מעשים עשה בשביל חסדיו של דוד אבי מיד ירדה האש כמה שכתב ה' האלהים אל תשב. .. מה כתכ אחרין וככלות שלמה . . . ואם אין אתה למד מכאן שהביא שלמה ארונו של דוד מן קברו א"ר ברכיה בשם ר' חלבו בשם דבי רבי שילא כתוב מלא הוא ארוממך ה' כי דליתני וגו' ה' העלית מן שאול חיי לפיכך אמר שלמה הואיל ובזכות דוד
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1) M. Schocht. zu Ps. VII, 6.
2) Nach der Parallele Koh. R. zu IV,3: ‏.ר' שמואל בר נחמן‎
3) Etwas weiter ausgeführt und irrtümlich dem Josua b. Levi zugeschrieben: Schem. R. cap. 44 Anf.
4) Zu IV, 3, — 5) II Chr. V, 6: Opfer ohne Zahl. — 6) II, 3.


אבי עשה הקב"ה הריני אומר שירת חנוכת הבית לשמו מזמור שיר חנוכת הבית לדוד. ‎»Nicht du sollst [das Haus] bauen«,1), ‎denn obwohl du es nicht‏ baust, »wirst du es doch bauen«,2) denn es wird nach dir ge‎nannt werden. Wärest du nämlich nicht, so würde das Feuer‏ ‎nicht herabkommen. Wieso? Als es gebaut war, sagte er (S.)‏ ‎viele Gebete hinter einander, ohne dass das Feuer herabgekommen‏ ‎wäre. Es sagt R. Chelbo i. N. der Schule des R. Schela: Er‏ ‎[ging hin und] holte den Sarg seines Vaters David. Dann‏ ‎sprach er zu Gott: Herr der Welten! Wenn ich keine guten‏ ‎Taten aufzuweisen habe, so tue es um der Liebe gegen meinen‏ ‎Vater David willen. Sofort kam das Feuer herab, wie es‏ ‎heisst: »Ewiger Gott, weise nicht zurück ....« Was steht da‎nach? »Und wie S. aufgehört hatte... .« Und wenn du es nicht‏ ‎von dieser Stelle lernst, dass S. den Sarg Davids aus seinem‏ ‎Grabe gebracht hatte, so hat R. Berechja i. N. des R. Chelbo‏ ‎i. N. der Schule des R. Schela gesagt: »Es ist ein voller Vers:‏ ‎»Ich will dich erheben, Ewiger, denn du hast mich herauf‎gezogen... .«3) usw. »Ewiger, du hast meine Seele von der‏ ‎Unterwelt heraufgebracht ...4) deshalb sprach S.: Weil Gott‏ ‎wegen des Verdienstes meines Vaters David das getan hat, sage‏ ‎ich jetzt das Tempelweihelied in seinem Namen: »Psalm, Lied Davids bei der Tempelweihe«5).
Vergegenwärtigen wir uns noch einmal in aller Kürze die Entwickelung dieser Tempelsage. Sie knüpft durchweg an die Beobachtung der Tatsache an, dass erst nach langem Beten und erst nach der Berufung auf David König S. bei der Tempelweihe Erhörung findet, denn es heisst darauf: »Wie S. sein Gebet beendet hatte, da kam das Feuer vom Himmel herab (II. Chron. VII, 1).
1. Die älteste Ueberlieferung führt auf Rab, in dessen Namen R. Jehuda tradiert: Gott verheisst, David nach dem Tode ein Zeichen zu geben, dass seine Schuld verziehen sei. (Ps. 86, 17). Als S. die Lade ins Allerheiligste bringen will, haften die Tore aneinander; vergebens spricht er 24 Verse (II Chr. VI, 17—VII, 1), vergebens fordert er die Tore auf,
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1) I Chr. XVII, 4.
2) II Sam. VII, 5. —
3) Ps. XXX, 2. — 4) ib. V. 4.
5) Ps. XXX, 1.


sich zu öffnen (Ps. XXIV, 7 ff.). Erst als er an Gottes Liebe zu David appelliert, wird er erhört. [Sanh. 107 b, kürzer Moedq. 9a] Eine Version, Sabb. 30a, deutet die Psalmworte als Zwiegespräch zwischen S. und den Toren, die den vermeintlichen Stolz des Königs demütigen wollen, und lässt S. im Hinblick auf dieses Erlebnis den Spruch tun: »Glücklicher preise ich die Toten, die längst gestorben sind, als die Lebenden, die noch leben.« (Koh. IV, 2).
2. Diesen Spruch hat zuerst anscheinend Samuel b. Nachman auf David gedeutet, indem er sich lediglich an die biblische Darstellung hielt [M. Schocht. zu VII, 6, Koh. R. zu IV, 3].
3. In Anlehnung an einen Ausspruch, den Huna i. N. R. Josephs oder auch Chanina b. Papa tradiert 1), wird das Zwiegespräch zwischen S. und den Toren zu einer selbständigen Legende gemacht. Die Tore sind zu niedrig; sie heben sich erst, als S. erklärt, Gott sei der König der Ehre, der einziehen solle, und werden von Gott dafür belohnt, indem sie nicht ein Raub der Feinde werden, sondern in die Erde versinken (Klag. II, 9) [Bam. R. XV, 13].
4. Die Vergebung‎ von Davids Schuld tritt zurück gegen das Motiv von S. Ueberhebung, die in den Worten »Gebaut habe ich ein Haus zur Wohnung für dich« (I Kö. VIII, 13) gefunden wird. Zugleich kommt die Sage auf Grund des biblischen Textes wieder davon zurück, dass die Tore zu niedrig gewesen seien. [M. Schocht. zu XXIV, 10, Bam. R. XIV, 3].
5. Ganz in den Vordergrund tritt David durch eine Version, die R. Chelbo i. N. der Schule des R. Schela tradiert. Danach hat S., um das himmlische Feuer zu erhalten, die Lade, in der David ruhte, herbeigebracht. R. Berechja i. N. derselben Tradenten bezieht darauf das Gebet Davids: »Ewiger, du hast aus der Gruft mein Leben heraufgebracht.« (Ps. XXX, 4) Zum Dank dafür gibt S. seinem Tempelweihelied Davids Namen. Nach anderen ist damals David wirklich wieder zum Leben erwacht. [Pes. R. II. 3, Koh. R. zu IV,3 No. 2].
6. Die Tore sind zu niedrig, weil die Lade zu gross ist. [M. Ta. וארא, Schem. R. VIII, 1, Jalk. Teh. § 699].
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1) S. oben S. 24 Anm. 3.


7. Die einzelnen Versionen werden verquickt: die Lade ist zu gross, S. betet vergebens, Davids Sarg muss herbeigeschafft werden, S. wird von den Toren bedroht. (6+5+3) [M. Ta. ‏,וארא‎ Schem. R. VIII, 1]. Die Lade ist zu gross, S. betet, er wird von den Toren bedroht, er bringt Davids Lade herbei, die Tore werden belohnt, S. hat sich durch den Ausspruch über die Gotteswohnung überhoben (6+3+5+3+4) [Jalk. Teh. § 699].
Es lässt sich nachweisen, dass die Heimat der ganzen Legende Babylonien ist. Die Autoren und Tradenten sind entweder dort geboren oder haben doch dort vorübergehend gelernt. Und es waren namentlich zwei Schulen, in denen sie tradiert wurde, einmal die Schule Rabs (st. 247); sein Schüler ist R. Jehuda b. Jechesq’el (220—299) ; bei diesem wieder hat R. Joseph gehört, den ein Huna zitiert. Zweitens war es die Schule des grossen Haggadisten R. Sam. b. Nachman, zu dessen Schülern Chanina b. Papa1) und Chelbo2) zählen, der auch ein Zuhörer Hunas3) war. Chelbo brachte auch die Deutungen der Schule Schelas aus Babylonien mit4) und fand selbst in seinem Schüler Berechja einen Tradenten5).
Es ist an der Zeit, dass wir uns wieder der arabischen Sage zuwenden6). Wir erwarten, dass sie für die vielverschlungenen religiös-ethischen Motive der jüdischen Legende von S. Tempelbau wenig Sinn beweist, dagegen das rein Wunderbare und Märchenhafte begierig aufgreift. Wir sehen uns nicht getäuscht.
Schon im Qor’an figurieren Genien und Satane als S. Arbeiter7), insbesondere als seine Baumeister.8) Aber am Tempel beschäftigt sie erst Ta‘lahi, nach welchem sie ungeheure Massen kostbaren Materials herbeischaffen und bearbeiten mussten.9) Die Schilderung des Gebäudes können wir füglich übergehen: es war natürlich
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1) Bacher, AgpAm. II, S. 513 ff. — 2) ib. III, 54. — 3) ib. S. 55.
4) ib. — 5) ib. S. 56.
6) Die Legende von der verhängnisvollen Nacht, die auf die Tempelweihe folgte s. unter Salomos »Sünde u. Tod«, einer Fortsetzung dieser Arbeit, die noch veröffentlicht werden soll.
7) Sure XXI, 82, XXXIV, 12.
8) Sure XXXVIII, 36. — 9) Qissass el-'anbija’ S. 269.


»das schönste und glänzendste der Erde«1), leuchtend des Nachts wie der Vollmond.2) Der Tag seiner Vollendung wurde zum Festtag gemacht und mit ungeheuren Opfern begangen.3) Aber den breitesten Raum nimmt die Beschreibung der fortwirkenden Wunder ein.4) Man sagt: Zu den Wundern, die S. am Tempel anbrachte, gehört, dass er ein Haus baute5) und seine Wand mit Kalk bestrich, den er polierte. So oft nun ein Frommer hineintrat, wurde seine Gestalt auf dieser Wand in weisser Farbe sichtbar; so oft aber ein Sünder hineintrat, wurde seine Gestalt an dieser Wand in schwarzer Farbe sichtbar. Da schreckten infolgedessen viele Menschen vor Lug und Trug zurück. Ferner stellte er in einem Winkel des Tempels einen Stab von Ebenholz auf; berührte ihn ein Prophetensprössling, so schadete er ihm nicht, berührte ihn aber ein anderer, so verbrannte er ihm die Hand.
Die beiden Erzählungen werden wiederholt von al-Qazwini6); die Geschichte von der Spiegelwand findet sich auch im Kitab7), die vom Ebenholzstabe auch bei Ibn Faqih.8) Qazwini9) weiss noch von einem Gewölbe des Tempels, in dem eine Kette hing, die nur dem Wahrhaftigen erreichbar war, hingegen dem Lügner durch eine wunderbare Mechanik jedesmal entschwand.
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1) ib. S. 271.
2) ib. Dinawari ‏ كناب الاخبار الطوال‎ ed. Girgass S. 24 vergleicht den Glanz einer nächtlich brennenden Lampe, Kitab ‘umdat-el-'arifin erklärt das Leuchten aus den Rubinaugen einer auf der Kuppel angebrachten drehbaren Gazelle: [f. 89a] وجعل باعالى القبة و غزال هركب بلوالب وكارن م ينلفنت ويتدير مع الهوى وجعل له عينين من الياقوت الاحير الذى 2و افخر انواع الجوهر فكانت بنات اليافا تغزلى القطى ليلا فى ضى عينيه اذا الننفت ناكوقن والمسافة بينهما [89b .f] نكو ثلته ايام
3) Dinawari 1 c. meint, S. habe den Einweihungstag zum jährlichen Feste gemacht. Bedarf das noch der Erklärung, so möchten wir an die Feier des חג denken, von der die Bibel an dieser Stelle berichtet (I Kö. VIII, 65, II Chr. VII, 8).
4) ib. S. 271.
5) Pet. I 197 f. 218a: وسقفه بالخضره فكان اذا دخله البار استبان خياله اسور
6) Kosmogr. ed. Wüstenf. II, 107.
7) f. 89a.— 8) S. 101 Z. 20 ff. — 9) 1. c.


Nach den Wundergeschichten kommt Ta'labi noch einmal auf die Einweihung des Tempels zurück. S. bringt ein Opfer auf dem Felsen und hält eine Weiherede, die der biblischen recht schlecht nachgemacht ist. Zum Schlusse bittet er um ein Zeichen, dass Gott ihn erhört und sein Opfer annimmt.1) »Da kam ein Feuer vom Himmel herab und füllte2) den Raum zwischen Ost und West. Dann streckte sich daraus ein Nacken, trug das Opfer fort und stieg mit ihm zum Himmel. Und das Heiligtum stand, so wie es S., Friede mit ihm, erbaut hatte, bis Nebukadnezar gegen die Kinder Israel zog, das Heiligtum zerstörte, Leichen hineinwarf, (es mit Staub füllte)3) und alles, was darin war an Gold, Silber, Edelsteinen und Geräten, nach dem Lande Babel wegtrug. So blieb das Heiligtum verwüstet, bis die Muslims es in der Zeit Omars b. al-hatab, Gott sei ihm gnädig, auf seinen Befehl wieder aufbauten. — Gott aber weiss es am besten.« — Um das Heiligtum von Mekka nun doch nicht von dem jüdischen Tempel in den Schatten stellen zu lassen, setzt Ta‘labi an dieser Stelle mit S. Wallfahrt nach der Ka’aba ein. Kisa'’i setzt Mekka und Jerusalem ausdrücklich in Parallele. Wie Abraham den Grund zur Ka‘aba gelegt hat, so soll S. den Grund zum Gotteshaus auf dem Moria legen; das ist der Felsen, auf dem die Himmelfahrt [Mohammeds] stattgefunden hat und unter welchem eine Quelle entspringt.4) S. teilt den versammelten Ma’rids, Ifrits, Genien und Menschen den göttlichen Auftrag mit und verteilt unter sie die Bauarbeiten. Kisa'i fährt fort:5)
كم 6) أنه وضعد 7)‏ عل الاساس الى كان 8) وضعمه دأود فلما احكم 9)
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1) ib. S. 271.
2) فسكوت Pet. 1. c ,واننشرت‎
3) Fehlt in Pet.
4) S. beides auch bei Ta‘labi oben S. 4 und ib. Anm. 1.
5) Spr. 86 f. 209a, Pm. f. 125b, Mq 40 hat hier eine Lücke. Weil gibt nach einer seiner arab. Vorlagen an, dass der Tempel nach dem Muster der Ka‘aba gebaut worden sei (Bibl. Legenden bei den Muselm. S. 282).
6) Pm. beginnt: خلها جيعوا ذلكى كله أمر بالبناء وكلد الاساس النى
7) Spr. وصقم
8) Spr. وصقم
9) Pm. .احكبيا البنيان


البنيان انهار كله وانهدم1) وظى2) سليمان انه انمأ انهار لوضعد3) الى4)
الاساس الاول فامر بهحمد5) عن اخر6) وحفر7) الاساس [209b .f] كانيا8)
حببىن, طلع9) الماء ثم أمر10) بخبانه فعلب الماء على البناء11) فجمع12) العلماء
والككماء سالهم13) عئ ذلكى فقالوا له هر الشياطين أن يضعوا اقلالا من
عبده ورسوله ففعلوا14) ذلكك والقوجا فى الماء وعقدوا عليها15) عقود16)
الأسان قثبت وارتفع البنيان.
‎Darauf setzte er ihn (den Bau) auf die Fundamente, welche David gemacht hatte; aber als er den Bau konsolidiert hatte, fiel das Ganze zusammen und zerbrach. Da nun S. meinte, er sei nur eingestürzt, weil er ihn auf die ersten Fundamente gesetzt hatte, befahl er ihn von Grund aus niederzureissen und grub zum zweiten Mal die Fundamente, bis das Wasser emporstieg17). Da liess er den Bau einstellen,18) und das Wasser überspülte das Bauwerk. Daher versammelte er die Gelehrten
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1) Pm. وانهدم جميعة
2) Pm. فظى
3) Pm. لانه وضعد
4) Pm. عاى
5) Spr. 86. بهده
6) Pm. آخره
7) Pm. وأمر باكغر
8) fehlt in Pm.
9) Pm. بلع الى
10) Pm. عقك البنا بعد ذلك بالحجارة المناكوته بعضها على بعض فاجعل الماء يعلب على الاساس ولا ينعقد فاغتم سليمن من ذلك وجمع
11) Spr. الباء
12) Pm. وجيع
13) Pm. واستشارهم فيه فقالوا انما ينبغى أن تامر الشياطين ليتخذوا اقلالا من نحاس ورصاص فامرهم سليمن بذلكى فمليت القلال بالرصساص والنحكاس وكتب على القلال بنقش خاتمه لا اله . . .
14) Pm. ليتماسى ذلكى القلال فى وسمط الماء ويكو,. اساسا لهذا البيت فامر سليمن بذلكه ويبنى البنيان وارتفع الاساس الى وجه الارض
15) In Spr. zweimal gesetzt.
16) Spr. العقود
17) Pm. bis er auf Wasser stiess.
18) Pm.: Darauf wölbte er den Bau mit behauenen Steinen, die einen auf die andern (schichtend); aber das Wasser begann die Fundamente zu überfluten, sodass das Gewölbe nicht zu stande kam. Da wurde S. darüber bekümmert und versammelte ...


und Weisen und befragte sie darüber. Sie sagten ihm: Befiehl den Satanen Krüge von Kupfer und Eisen hinzusetzen, auf denen geschrieben steht: »Es gibt keinen Gott ausser Allah allein, er hat keinen Genossen, und Mohammed ist sein Diener und Gesandter.« Das taten sie1) und warfen sie [die Krüge] ins Wasser. Jetzt konnten sie darüber die Fundamente wölben; und das Gebäude blieb fest und wuchs empor.
Es scheint danach, als ob der Bau des heiligen Tempels ursprünglich von ungläubigen Satanen nicht errichtet werden dürfe, während wir sonst überall dem entgegengesetzten Standpunkt begegnen.2) Erst wenn die Geister sich unterwürfig zeigen, was durch die Inschriften und die Wahl der Metalle angedeutet ist, ist das Hindernis beseitigt. Da täglich 1000 Ifrits, 1000 Satane und 1000 Menschen bei der Arbeit sind, ist der Tempel nach 40 Tagen vollendet.3) Das hindert die arabische Sage nicht, gelegentlich S. Endes zu referieren, dass erst ein Jahr nach seines Erbauers Tode das Werk fertiggestellt war. Ueberaus kostbar ist es naturgemäss ausgeführt. Nur bis zu einer Klafter hoch reicht der Steinbau, darüber hinaus sind nichts als Perlen und Juwelen zu sehen. Auf zehntausend Marmor- und Muschelpfeilern ruht das Gewölbe, zur Seite jedes Pfeilers eine goldene und eine silberne Säule. Ferner hatte jeder Prophet vor S. und jeder, der nach ihm kommen sollte, ein Gemach von Gold und Silber. Ein grosses Opfer gibt das Zeichen zur Weihefeier. 1700 goldene Leuchter an silbernen Ketten spenden festlichen Glanz. S. im Prophetengewande von weisser Wolle tritt vor und bittet um Gottes Segen für dies Haus, wie er Abraham bei dem Bau der Ka‘aba zuteil geworden sei. Gott erhört sein Gebet, und ein Festschmaus beschliesst den grossen Tag.4)
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1) Pm. so dass diese Krüge mitten im Wasser blieben (?) u. für jenes Haus als Fundamente dienten.
2) S. oben S. 10f.
3) Spr. f. 210 a, Pm. f. 217a.
4) Spr. 86 f. 210a f. Pm. f. 217 a f. Das Kitab enthält auch ein Kapitel über den Tempelbau, das, von Kisa'’i abhängig, doch eine genaue Kenntnis der biblischen Darstellung voraussetzt (f. 88b f.) vgl. jedoch S. 9 Anm. 7.



Kapitel 4.

Der Schamir.

Wir haben bisher eine Episode der Tempelbaulegende mit Stillschweigen übergangen, die dem Laien die bekannteste sein dürfte, die Episode vom Schamir. Dieselbe hat in P. Cassel einen so geistvollen und gründlichen Bearbeiter gefunden, dass wir uns hier im ganzen darauf beschränken können, die Resultate seiner Untersuchung1) wiederzugeben...