V. 12. Ein verschlossner Garten ist meine Schwester Braut

Posted 1 yr ago

V. 12.    Ein verschlossner Garten  ist meine Schwester Braut.
R. Jehuda bar R. Simon im Namen des R. Josua ben Levi stellte dieses Gleichnis auf: Ein König hatte zwei Töchter, eine große und eine kleine, die er nicht verheiraten wollte. Deshalb verließ sie der König mehrere Jahre und er unternahm eine Seereise. Die Töchter vermählten sich aber gegen den väterlichen Willen, und jede ließ sich von ihrem Gemahl sein Petschaft und seinen Kopfbund geben. Nach langer Zeit kehrte der König von seiner Seereise zurück und hörte die Leute von seinen Töchtern übel sprechen. Sie sagten: Die Töchter des Königs haben Buhlerei getrieben. Was tat der König? Er ließ das ganze Volk durch einen Herold auffordern, auf einen großen freien Platz (seines Palastes) zu kommen und begab sich auf den Vorhof und sprach zu ihnen: Meine Töchter! ihr habt eine Schandtat begangen (eig. ihr habt euch besudelt). Sogleich zog jede das Petschaft und den Kopfbund ihres Gemahls hervor. Er rief nun den einen Schwiegersohn herbei und fragte ihn: Wessen Schwiegersohn bist du geworden? Ich bin dein erster Schwiegersohn, der Gemahl deiner ältesten Tochter. Der König fragte: Wodurch legitimierst du dich? Der Schwiegersohn antwortete: Dieses hier ist mein Siegel, dieses mein Kopfbund. Auf gleiche Weise verfuhr er mit seinem zweiten Schwiegersohn. Meine Töchter haben, sprach der König nun zu der Versammlung gewendet, sich der Buhlerei enthalten, ihr habt sie verleumdet, bei eurem Leben! ich werde es an euch ahnden. Ebenso höhnen die Völker die Israeliten und sprechen: Sie sind Sklaven der Ägypter gewesen s. Ex. 1, 13. „Wenn die Ägypter ihre (der Israeliten) Personen bezwangen, umsomehr herrschten sie über ihre Leiber und über ihre Weiber.“ Da sprach aber Gott: (nein!) meine Schwester Braut ist ein verschlossner Garten, und doch spricht man übel  von ihr. Was bedeutet ?lvin ]g Mein Garten ist verschlossen (bildlich für die Keuschheit Israels) und wird dennoch geschmäht. R. Pinchas sagte: In dieser Stunde befahl Gott dem Engel, der über die Schwangerschaft gesetzt ist, und sprach zu ihm: Geh und bilde ihre Gestalt gleich der ihrer Väter, dass sie den würdigsten Familien ähnlich sehen, wie gesagt wird von Ruben Num. 26, 5. 14: „Das waren die Geschlechter der Rubeniter“ d. i. nach R. Hosaja: Ruben der Rubenite, Simeon der Simeonite. R. Merinos bar R. Hosaja sagte: Wie wenn jemand sagen möchte: Mein Söhnchen, meine Hoffnung, meine Sehnsucht (ynvykc ynvrbc ynvrb). R. Huna sagte im Namen des R. ldi: Der Buchstabe h am Anfange und der Buchstabe y am Ende des Wortes, also (der Gottesname) hy (Jah) bezeugen, dass sie die Kinder ihrer (israelitischen) Väter sind.
R. Pinchas sagte: Unter „wohlverwahrter Garten (lvin ]g)“ sind die Jungfrauen (tvlvtbh), unter „verschlossenem Born (lvin lg)“ die Eheweiber (tvlvibh) und unter „versiegelter Quelle (,vtx ]yim)“ die Männer zu verstehen.
Im Namen des R. Nathan wurde gelehrt: Es steht einmal lvin lg und einmal lvin ]g, weil es zwei Weisen des Beischlafes mit einem Weibe gibt, einen gewöhnlichen und einen ungewöhnlichen. R. Huna sagt im Namen des Bar Kapra: Wegen vier Tugenden wurden die Israeliten aus Ägypten erlöst: Sie veränderten ihren Namen nicht und ebenso nicht ihre Sprache, sie verleumdeten nicht und man fand keinen Ausschweifenden unter ihnen. Sie veränderten nicht ihren Namen, als Ruben, Simeon u. s. w. zogen sie nach Ägypten hinab und unter demselben Namen wieder herauf, Ruben nannte man nicht Rufus, Simeon nicht Julian, Joseph nicht Justus und Benjamin nicht Alexander. Sie veränderten nicht ihre Sprache. Es heißt Gen. 14, 13: „Da kam ein Entronnener und berichtete es Abraham, dem Hebräer“ und ebenso heißt es Ex. 5, 3: „Der Gott der Hebräer ist uns entgegen gekommen“; desgleichen heißt es Gen. 45, 12: „Dass mein Mund mit euch redet“ nämlich in der heiligen Sprache. Sie haben nicht verleumdet, wie es heißt Ex. 11, 2: „Rede doch zu dem Volke, das sie entlehnen ein jeder von seinem Nächsten.“ Du findest, dass dieses Wort bei ihnen zwölf Monate aufbewahrt war und es gab einer den andern nicht an. Und nicht einer von ihnen war ausschweifend, wie es heißt Num. 25, 6: „Da kam ein Mann von den Söhnen Israels“ u. s. w. um das Lob der Israeliten bekannt zu machen, dass nur ein einziger Fall sich finde, welchen dazu die Schrift noch namentlich aufführe. R. Abba bar Kahana sagte: Sara ging nach Ägypten hinab und enthielt sich der Buhlerei und alle Weiber in ihrem Verdienste, und Joseph ging nach Ägypten hinab und enthielt sich der Wollust und alle Männer in seinem Verdienste. R. Pinchas im Namen des R. Chija sagte: Weil sich die Sara der Buhlerei enthielt, wurden die Israeliten aus Ägypten erlöst. Das ist der Sinn von: „Ein verschlossner Garten meine Schwester Braut.“ Was folgt darauf? „Deine Sprösslinge sind ein Lusthain von Granatäpfeln,“
R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: So wie derjenige, der einen geerbten wüsten Platz aus Trägheit nicht bebaute und ihn lieber zu einem niedrigen Preise verkaufte. Bei der Bearbeitung desselben fand aber der neue Besitzer einen großen Schatz darin, so dass er sich einen großen Palast bauen und wenn er auf die Strasse ging, sich von Dienern begleiten lassen konnte. Als der Verkäufer das sah, ärgerte er sich (eig. ward er erwürgt) und brach in die Worte aus: Wehe, um welchen Reichtum habe ich mich gebracht! Ebenso wurden die Israeliten, als sie mit Lehm und Ziegeln zu tun hatten, von den Ägyptern mit Verachtung behandelt, als sie aber dieselben als Kohorten gelagert am Meer nach Ordnung der Könige sahen, brachen sie vor Ärger in die Worte aus: Wehe uns! dass wir die Israeliten aus unserm Lande ziehen ließen, wie es heißt Ex. 14, 5: hirp xlsp yh(yv). R. Jonathan sagte: Gleich dem, welcher ein Feld zur Aussaat eines Kor Getreide für einen niedrigen Preis verkaufte, in welchem der Käufer aber Quellen grub und Gärten und Parke anlegte. Als der Verkäufer diese neuen Anlagen sah, ärgerte er sich und sprach: Wehe! um was habe ich mich gebracht. So sprachen auch die Ägypter voll Ärger, als sie die Israeliten, die sie in Folge der niedrigen Arbeit mit Lehm und Ziegeln gering schätzten, als Kohorten am Meer gelagert nach Ordnung der Könige erblickten. Wehe! riefen sie, dass wir sie aus unserm Lande ziehen ließen, wie es heißt Ex. 14, 5: hirp xlsb yh(yv). R. Jose sagte: Gleich dem, welcher gefällte Zedern für einen geringen Preis verkaufte, von welchen der Käufer Laden, Schränke, Kasten fertigte, als jener dieselben sah, rief er voll Ärger: Wehe! was habe ich verloren! Dasselbe fand bei den Ägyptern statt. Als sie die Israeliten unterjocht in Lehm und Ziegeln arbeiten sahen, so kamen sie ihnen verächtlich vor; als sie aber hierauf dieselben als Kohorten am Meere nach Ordnung der Könige gelagert erblickten, so riefen sie voll Ärger aus: Wehe! dass wir sie aus unserm Lande haben ziehen lassen, wie es heißt Ex. 14, 5: hirp xlsb yh(yv).