Die Ausführung.

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Nun aber zum Tempel selbst! Die Phantasie des Volkes kann sich solch herrlichen Bau nicht anders als durch Geister- Ja Dämonenhände entstanden denken. Sie stösst sich nicht daran, dass die unheiligen Wesen das Heiligtum schaffen. Das eben ist der höchste Triumph des Glaubens, dass selbst Gottes Feinde wirken müssen zu Gottes Ruhme.
Die Bibel selbst liefert der Sage sozusagen die philologische Basis durch den eigentümlichen Ausdruck: והבית בהבנתו. »Als der Tempel erbaut wurde, wurde er aus ganzen gebrochenen Steinen gebaut; weder Hämmer noch Meissel noch irgend ein eisernes Gerät war zu hören am Hause, als es gebaut wurde.«2)
Zunächst legt die Sage den Nachdruck auf das בהבנתו. Josephus eröffnet den Reigen. ἢ δ᾽ δλη τοῦ ναοῦ οἰχοδομία χατὰ πολλὴν τέχνην ἐχ λίϑων ἀχροτόμων ἐγένετο συντεϑέντων ἁρμονίως πάνυ χαὶ λείως, ὡς μὴητε σφύῦρας μὴτε ἀλλοῦ τινὸς ἐργαλείου τεχτονιχοὺ τοῖς χατανοηῦσιν ἐργασίαν δηλοῦσθαι. ἀλλα δίχα τῆς τούτων χρήσεως πᾶσαν ἡρμόσϑαι τὴν ὕλην προσφυῶς ὡς ἑχούσιον τὴν ἁρμονίαν αὐτῆς δοχεῖν μᾶλλον ἢ τῆς τῶν ἐργαλείων ἀνάγχης. 3) Das ist Midrasch, und zwar bereits kursierender Midrasch, den Josephus in seiner harmonistischen Weise mit dem Bibeltext in Einklang zu setzen sucht. Das בהבנתו ist reflexivisch gedeutet: Der Tempel fügt sich aus sich selbst zusammen. In Bam. R.4) heisst es: א"ר ברכיה כתיב והבית בהבנותו וגו' אשר הם בונים אין כתיב אלא בהבנותו מאליו היה נכנה וגו'. Es sagt R. Berechja: Es steht geschrieben: Und der Tempel, als er gebaut wurde u. s. w. Es steht nicht geschrieben: »den sie bauten«, sondern »als er gebaut wurde«: von selbst baute er sich. »Aus fertigen gebrochenen Steinen wurde er gebaut«, das will besagen, dass die Steine sich selbst losbrachen und hinaufflogen und sich auf die Bauschicht5) legten. R. Abbahu sagte: Wundere dich nicht darüber;
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1) Ant. VIII, 5. — 2) I Kö. VI, 7. — 3) Ant. VIII, 3, 2 ed. Niese II S. 191 f. — 4) XIV, 3 nach Sch. tob zu Ps. 24, 7.
5) δὸμος = דימוס vgl. Krauss, Griech. u. lat. Lehnwörter in Talmud, Midrasch und Targum s. v.


es steht ja geschrieben (Dan. VI, 18): Es wurde ein Stein gebracht und auf die Oeffnung der Grube gelegt. Gibt es denn Steine in Babel?1) Der Vers soll also besagen, dass der Stein sich von Palästina aufmachte und sich auf die Oefinung der Grube legte. Noch deutlicher ist Pes. R.2) ותשלם כל המלאכה מהו כל המלאכה מאליה הייתה נכנית ופורחת ועולה וגו Was bedeutet: die ganze Arbeit war vollendet«?3) Von selbst baute sie sich auf, flog heran und hinauf.4) Und als Schluss wird hinzugefügt: ואם תמיה אתה לצדיק אחד עשה הקב"ה כן והיתית אבן חדא וגו Wenn Du dich darüber wunderst, so sage ich: Gott hat ja einem einzelnen Frommen so getan. »Es wurde ein Stein auf die Oefinung des Brunnens gelegt«. (Woher nehmen sie in Babel Steine? Darum haben unsere Lehrer gesagt: Aus Palästina hat er sich herbeigewälzt und ist in kürzester Zeit angekommen). Wenn nun Gott um eines Sterblichen willen das getan hat, wieviel weniger ist es zu verwundern, dass beim Bau seines heiligen Hauses solches geschah.5) Auch von einer anderen Seite gelangt man zu demselben Ergebnis. יחזקאל אמר כתיב בנה בניתי בית זבול לך בנין בנה בניתי (6) So Schir R.7) Richtiger Bam. R.8): א"ר יעקב בריה דרב יהודה בר יחזקאל אמר בנין בנוי בניתי (9 Es sagt R. Ja'kob Sohn‎ des R. Jehuda bar Jechesk’el: Einen fertigen Bau habe ich gebaut.10) Und dazu die Ausdeutung der Pes. R.11): ‏בנין הייתי בונה והאבנים היו פורחות ועולות מעצמם‎ Einen Bau habe ich aufgeführt, und die Steine flogen herbei und hinauf aus eigener Kraft.12).
Von hier aus ist es nur ein Schritt zu der Meinung, dass Geister den Tempel haben bauen helfen. Den Uebergang scheint uns eine Stellein Schem. R.13) noch anzudeuten: ולא תאמר משה העמידו
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1) Ueber das Vorkommen von Steinen in Babylonien vgl. Krauss, Archäologie I, S. 14 u. Anm. 170.
2) ed. Friedmann S. 25a. — 3) I Kö. VII, 51. II Chr. V, 1.
4) vgl. weiter unten.
5) Mit Pes. R. stimmt Jalk. Kö. § 182 überein. Bam. R. I. c. läuft M. Teh. XXIV u. Schir. R. I, 1 parallel, wo irrtümlich רב statt ר' אבהו genannt ist und der Stein zur Danielgrube herbeifliegt.
6) I Kö. VIII, 13. — 7) I. c. — 8) I. c
9) Richtig wie oben יצחק, vgl. Bacher I. c. III, 299.
10) so auch M. Teh. XXIV — 11) I. c. — 12) Aehnlich Jalk. I. 6.
13) Par. LII, 4.

 

»Sage nicht: Mose hat das‏ ‎Stiftszelt aufgestellt, vielmehr geschahen Wunder dabei, und es‏ ‎erhob sich von selbst, es heisst nämlich: es wurde aufgerichtet.1)‏ ‎Wenn du aber darüber staunst, so denke daran: Als S. das‏ ‎Heiligtum baute, erbaute es sich von selbst. Und gleich darauf‏ ‎heisst es: Von selbst erbaute es sich, d. h. es wurde durch ein‏ ‎Wunder erbaut, und ebenso erhob sich das Stiftszelt, als es‏ ‎errichtet wurde, durch ein Wunder«. Inmitten dieses Midrasch‏ ‎nun wird ein häufig wiederkehrender Ausspruch zitiert: אמר וב הונא בשם רבי יוסי הכל מסייעין אותו כשבנה את בית האלהים הבריות והרוחות מנין שכתוב והבית בהבנותו וגו Es sagt R. Huna i. ‎N. des R. Jose: ‎alle unterstützten ihn, als er das Haus Gottes baute, die Geschöpfe ‎wie die Geister, denn es steht geschrieben: als das‏ ‎Haus gebaut wurde u. s. w. Etwas abweichend Pes. R.2) ‏רב הונא בשם רב יוסף הכל מסייעים את המלך אפילו הרוחות אפילו המזיקים(3). ‎R. Huna sagt i. N. R. Josephs: alle unterstützen den König,‏ ‎selbst Geister, selbst Dämonen. Wieder anders Bam. R.4) ר' יהודה בשם ר' יוסף אמר הכל מסייעין למלך כ"ש הכל מסייעים לממ"ה רקב"ה אפי' רוחות אפי' שדים ואפי' מלאכים ‎R. Jehuda sagt i. N. des R. Joseph:‏ ‎alle unterstützen den König, umsomehr unterstützen alle den‏ ‎König der Könige, den Heiligen, gelobt sei er, auch Geister, ‎auch Dämonen und selbst Engel.5)
‎Könnte es sonach scheinen, als sei der Tempelbau durch Geisterhände eine aus bescheidenen Anfängen erwachsene und verhältnismässig späte Annahme, so belehrt uns das Testamentum Salomonis darüber, dass sie bereits Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts gang und gäbe gewesen sein muss.6) Hier finden wir die Dämonen schon in voller Tätigkeit. Die apokryphe Schrift beginnt mit den Worten: Testament Salomos,
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1) Ex. XL 17, — 2) I. c.
2‎) Jalk. Kö. I. c. ziemlich wörtlich ebenso; nur sind die Tradenten: ‏.ר' הונא בשם ר' אסי‎ — 4) I. c.
5‎) Schir R I, 1 beinahe wörtlich ist die Quelle; nur sind die Tradenten dort richtiger הונא בשס ר' יוסף vgl. Bacher I. c. III, 299. Auch M. Teh. I. c. so, nur sind hier die Tradenten: ר' אחא בשם ר' יוסי. Für die Schreibung ‏יוסי‎ ‎statt יוסף vgl. Bacher: Ag. p. Am. III 8. 275 Anm. 1. Joseph ist ein Schüler des oben genannten Jehuda b. Jechezkel; die rechte Lesart ist א"ר הונא בשם ר' יוסף‎ vgl. Bacher I. c. S. 299 Anm. 5.
6) s. darüber S.-S. 9 ff., 94 ff.


des Sohnes Davids, welcher König zu Jerusalem war und welcher beherrschte und sich untertänig gemacht hatte alle Luft-, Erd- und unterirdischen Geister; durch sie hat er auch alle wunderbaren Arbeiten am Tempel zu stande gebracht.1) Gleich darauf wird erzählt, wie der Dämon Ornias bei Sonnenuntergang den Oberaufseher des Baues überfällt, ihm den halben Lohn und die halbe Kost wegnimmt und ausserdem täglich das Blut aus seinem rechten Daumen arıssaugt2) — offenbar um das heilige Werk zu hintertreiben. S. bemerkt, wie der Jüngling täglich magerer wird, lässt sich von ihm seine Geschichte erzählen und betet in dem Tempel Gottes um Abhilfe; sie wird ihm durch die Verleihung des Siegelringes gewährt. Durch den Ring bezwungen, muss Ornias endlich den Obersten der Geister Beelzebul holen, und dieser muss sich dazu verstehen, S. alle anderen unreinen Geister gefangen vorzuführen.3). S. aber macht sie nicht nur unschädlich, sondern weist jedem einzelnen eine nützliche Arbeit am Baue zu: Ornias muss die Steine behauen, welche das arabische Meer ans Ufer gespült hat,4) Onoskelis Tag und Nacht Hanf spinnen für die Tempelstricke,5) Asmodäus Wasser holen und Lehm treten,6) Beelzebul selber thebaischen Marmor sägen,7) der Aschengeist Steine tragen,8) Leontophron Feuerholz zerkleinern.9). Ein Siebengestirn weiblicher Geister muss sich bequemen, den Grund des Tempels in einer Länge von 250 Ellen auszugraben,10) ein dreiköpfiger Drache, der auf einen reichen Schatz im Boden des Bauplatzes aufmerksam macht, wird gezwungen, Ziegeln zu streichen.11) Ein drachenähnlicher Geist steckt durch den Hauch seines Mundes den Eichwald des Libanon in Brand und vernichtet so das ganze Holz, das für den Bau bestimmt war.12) Alle Könige der Erde kommen, den Tempel zu sehen und S. darin zu huldigen mit reichen Geschenken zur Ausstattung des Heiligtums,13) unter anderen die Königin des Südens, die das Werk eingehend besichtigt und bewundert.14)
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1) ed. Conybeare Abs. 1.
2) ib. Abs. 2. Zu dem Vampyrgeist vgl. Mark. IX, 18 u. Spr. XXX, 15 wo עלוקה vielleicht mit arab. gul zusammenzustellen ist.
3) ib. Abs. 3—15. — 4) ib. Abs. 11. — 5) ib. Abs. 20. — 6) ib. Abs. 25.
7) ib. Abs. 30. — 8) ib. Abs. 33. — 9) ib. Abs. 58. — 10) ib. Abs. 42.
11) ib. Abs. 56. — 12) ib. Abs. 62. — 13) ib. Abs. 108.
14) ib. Abs. 109—116.


Nur etwas fehlt noch zur Vollendung des Gebäudes. Ein Eckstein muss noch in einen äussersten Winkel eingefügt werden, aber Menschen und Dämonen bemühen sich vergeblich, ihn von der Stelle zu rücken. _ Da kommt ein Brief des Königs Adares von Arabien gerade recht, worin er S. bittet, ihn womöglich von einem furchtbaren Sturme zu befreien, der jeden Morgen bis zur dritten Stunde wehe und Menschen und Tiere wegraffe. Nach sieben Tagen lässt S. seinen Diener zur Reise rüsten; mit den nötigen Anweisungen versehen, gelingt es ihm, den Sturmgeist in einer Flasche einzufangen und durch S.'s Siegel unschädlich zu machen; er kehrt zurück und legt die Flasche mit dem gefangenen Dämon mitten im Tempel nieder. Anderen Tags besucht S. den Tempel, sehr betrübt über das Geschick des Ecksteines. Da steht die Flasche auf, macht sieben Schritte und bückt sich vor S. zur Erde. Er heisst den Dämon aufstehen und seinen Namen nennen; so erfährt er, dass er Ephippas heisst, weil er hinfliegt,1) wohin er will, dass er nur dem Gott, der von einer Jungfrau geboren wird, untersteht und dass er Berge zu versetzen, Königshäuser zu stürzen und Bäume zu entblättern vermag. S. stellt danach die Flasche unter den Stein, und allsogleich wird er auf seinen Platz gehoben. S. aber ruft im Anblick dieses Wunders aus: So erfüllt sich denn das Wort der Schrift: »der Stein, den die Bauleute beiseite liegen liessen, er ward zum Eckstein«.2) Ephippas erbietet sich ausserdem, den Herrn des Roten Meeres samt der Luftsäule3) herbeizuholen. Mit vereinten Kräften heben die Geister die Säule von der
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1) ν. ἐφίπταμαι.
2) Ps. CXVIII, 22. Dieser Vers in Verbindung mit Jes. XXVIII, 16, wie schon I Pet. II, 4 ff., hat den Anlass zu der seltsamen Sage vom Eckstein gegeben, vgl. Matth. XXI, 42, Mark. XII, 10, Luk. XX, 17.
3) Vielleicht die Wolkensäule, die sich am Roten Meere zwischen die Israeliten und Aegypter stellte? Jedenfalls gibt der Geist des R. M., der sich Abezithibod nennt, auf S.'s Befragen an, er habe einst im ersten Himmel, genannt ᾿Αμελούϑ, gesessen, sei zugegen gewesen, als Mose vor Pharao trat, und habe dessen Herz verhärtet; er sei es, den Jannes und Jambres (arab. Risam und Rijam, vgl. Blau: das altjüd. Zauberwesen S. 39 Anm. 2, Menach. 85a, TJo. zu Ex. I, 15, VII, 11, Num. XXII, 22, aber s. Reinach: Textes d’auteurs Grecs et Romains 1895 S. 174, 282, Winer, Bibl. Realwörterb. 3 Ι, 534, Schürer, Geschichte des jüd. Volkes i. Zeitalter Jesu Christi III 3 p. 292 ff.) in Aegypten gegen Mose anriefen, der gegen Mose mit Wundern


Erde. S. kann eben noch verhindern, dass die beiden nicht in einem Augenblick die ganze Erde erschüttern; dann siegelt er rings umher und ruft: Aufgepasst! So bleibt die Säule, von den Dämonen getragen, mitten in der Luft hängen, die Dämonen selbst erscheinen wie Luft, und wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Säule ein wenig schief steht. Noch steht sie; sobald sie fällt, ist das Ende der Welt gekommen.1) Aber auch da, wo die Phantasie sich nicht bis zu den Geistern versteigt, weiss sie von den Arbeitern am Heiligtum Fabelhaftes zu erzählen. Zu dem Urteil der Bibel: »Die Weisheit Salomos war grösser als alle Weisheit Aegyptens«2) gibt Pes. d. R. K. folgende Illustration:3) מה היתה חכמתן של מצרים אלא את מוצא בשעה שביקש שלמה לבנות בית המקדש [שלח אצל פרעה נכה א"ל שלח לי אומנין בשכרן שאני מבקש לבנות בית המקדש]4) מה עשה המלך כנס כל איצטרוגלין שלו ואמר להם צפו וראו בני אדם שעתידין למות בזו השנה ואשלחם אצלו כיון שבאו אצל שלמה צפה ברוח הקודש שהם עתידים למות באותה שנה נתן להם תכריכין ושלחן ושלח לו כתב ואמר לא היה לך תכריכין לקבור את מתיך הרי לך הם ותכריכיהם לכך נאמר ומכל חכמת מצרים
Worin bestand die Weisheit Aegyptens? Du findest sie darin: Als S. das Heiligtum bauen wollte, schickte er zu Pharao Necho und liess ihm sagen: Schicke mir Handwerker um ihren Lohn, denn ich will das Heiligtum bauen. Was tat der König? Er versammelte alle seine Astrologen und trug ihnen auf: Spüret Leute aus, die noch in diesem Jahre sterben sollen; die will ich zu ihm schicken. Als sie zu S. kamen, erschaute er es durch den heiligen Geist, dass sie noch im selben Jahre sterben
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und Zeichen gekämpft hat und schliesslich mit den Aegyptern im R. M. untergegangen ist, wo er unter der Säule bis jetzt gefangen gehalten wurde.
1) Conybeare 1. c. Abs. 117—127. Ib. S. 44 f. Anm. 5 verweist C. auf die Georgien-Acten von Nuna, 4. Jahrh., wo von einer hölzernen Säule erzählt wird, die der König und die Bauleute an ihren Platz zu rücken verabsäumt hatten und die nun von den Geistern in die Luft gehoben wird, um sie dann auf ihren Platz fallen zu lassen. Cassel: Aus Literatur und Symbolik S. 114 f. deutet den Gral als Eckstein. Entfernt wird man an I Kö. VIII, 8 und II Chr. V, 9 erinnert.
2) I Kö. V, 10.
3) ed. Buber S. 34 a. Autor ist R. Jizchak vgl. Bacher, Ag. d. p. A. II, 248.
4) vom Abschreiber irrtümlich ausgelassen, von Buber ergänzt s. das. Anm. 64.


würden. Da gab er ihnen Sterbekleider und schickte sie zurück mit einem Briefe, in dem es hiess: Du hast keine Sterbekleider, Deine Toten zu begraben? Hier hast du sie und ihre Sterbekleider. Darum heisst es ... (die Weisheit S.'s war grösser) ... als die ganze Weisheit Aegyptens.1) Eine ausführlichere Rezension weist Pes. R.2) auf: מה חכמה נמצאת במצרים וגו'. Zur Zeit als S. mit dem Bau des Heiligtums beschäftigt war, schickte er usw. Was machte Pharao, der König von Aegypten? Als er sein Schreiben empfangen hatte, liess er alle seine Traumdeuter und Zauberer rufen und sprach zu ihnen: Erkundet es mir durch Zauberei, wer von diesen Handwerkern in diesem Jahre sterben wird. Ich will nämlich dann die Anklage gegen ihn erheben: Gib mir den Preis für die Arbeiter, die du erschlagen. Sogleich brachten sie Leute vor ihn, die noch im selben Jahre sterben mussten. Pharao aber schickte sie auf der Stelle an S. Wie sie nun bei S. ankamen, betrachtete er sie und sah es ihnen an, dass sie (noch im selben Jahre) sterben würden; er schickte sie also auf der Stelle zurück und gab ihnen einen Brief für Pharao mit, worin es hiess: Wenn du Sterbekleider benötigtest, so hättest du nicht erst so viel Umstände machen brauchen. Hier hast du Sterbekleider und Särge; geh, begrabe deine Toten. Und er gab ihnen Sterbekleider und schickte sie fort.
Diese Rezension unserer Sage hat die ursprünglichen Züge schärfer herausgearbeitet: S. ist bereits mit dem Bau beschäftigt — er hatte ja doch phönizische Arbeiter kommen lassen — nicht Wissenschaft findet man in Aegypten, sondern Zauberei, S. dagegen braucht die Leute nur anzuschauen, um ihr Schicksal zu durchschauen, seine Antwort an Pharao ist spitzer, er bietet ihm sogar Särge an, vor allem aber erscheint der Plan des Pharao raffinierter, der die Anklage wegen Mord zu erheben und Schadenersatz zu beanspruchen gedenkt. Das alles sind Kennzeichen einer jüngeren Bearbeitung. Vielleicht hat diese auch mit Absicht den Namen des Pharao fortgelassen; denn es
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1) ebenso Bam. R. XIX, 3, auch Koh. R. zu VII, 23, wo der Schluss aber lautet: אם לא היה לך תכריכין לצורך מתיך אלו חרי הם ותכריכיתון קוס קבור אותם und Jalk. Kö. § 177.
2) ed. Friedmann S. 59b, Ta. פ' חקת S. 55b hat im allgemeinen den Wortlaut der ersten Rezension. Nur der Druck von Mantua hat nach Buber ib. Anm. 145 den Passus כדי שאבוא עליו בתרעומת usw. aus Pes. R. übernommen.


ist nicht ersichtlich, wie Necho, mit dem Josia gekämpft hat, zu S. kommen sollte. Möglich jedoch, dass eben aus der Vermengung der beiden die eigentümliche Sachlage sich erklärt, dass S. sich freundschaftlich an den Aegypter wendet und von diesem schmählich hintergangen wird.1) Waren die Arbeiter am Hause Gottes auch nur Menschen, so war doch ihr Schicksal ein ungewöhnliches. Diesen Gedanken führt eine Haggada der Pes. R.2) sinnig aus. כל האומנים שהיו בונים לא מת אחד מהם ולא חלה אחר מהם לא [נשבר] מגרופות ולא קורדום לא חש עינו (ולא נפסקה [איזורו ומנעלו])3) ולא נפסק כלי [המלאכה] (ולא כלו)3) ולא נשבר אחד מהם (לכך ותהי שלום כל המלאכה)3) ואם תמיה את אמר רבי אלעזר לכבודו של בשר ודם כך נעשה כל מצרים שעלו עם יעקב לקבורתו עלו עם יוסף ויעל יוסף וגו' לא נפסק4) של אחד מהם ועל בנין של הקדוש ברוך הוא את5) תמיה שנעשה כן6). Von all den Arbeitern, die (am Heiligtum) bauten, starb keiner und wurde keiner krank, keinem zerbrach Grabscheit oder Schaufel; er hatte keine Augenschmerzen, nicht Gurt noch Schuh ging verloren7) noch kam ein Gerät abhanden, nicht einer von ihnen siechte hin oder brach das Genick. Deshalb heisst es: »Das ganze Werk war Friede«.8) Wenn du dich aber darüber wunderst, so hat doch bereits R. Ele‘azar darauf hingewiesen, dass Menschen zu Ehren solches geschehen ist. Alle Aegypter, die mit Ja‘qob zu seinem Begräbnis hinaufgezogen waren, zogen mit Joseph hinauf, wie es heisst: »Und Joseph zog hinauf, seinen
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1) Ueber die Unterhandlungen S. mit Chiram von Tyrus weiss Josephus mehr als in der Bibel steht; er zitiert einmal (Ant. VIII, 5, 3) Menanders Uebersetzung der Geschichte der Tyrier dafür, dass ein Tyrier jener Zeit, ein jüngerer Sohn des Abdemon, allerhand schwierige Fragen, die S. ihm aufgab, zu lösen verstand, und ferner Dios (ib. und Contra Apionem I, 17), nach welchem die Könige selbst spitzfindige Rätsel ausgetauscht haben unter der Bedingung, dass der, welcher sie nicht lösen könnte, eine hohe Geldstrafe zu zahlen hätte. Anfangs blieb S. Sieger, bis der Tyrier Abdemon ihm die Palme der Weisheit entwand.
2) S. 25a. — 3) Fehlt in Jalk.
4) Offenbar אזורו zu ergänzen (vgl. Note 5).
5) Jalk. 1. c. lautet die Stelle: כל מצרי שעלח עם יעקב לקבורו לא נפסק אזור של אחד מהם ועל בנין בהמ"ק את תמה שנעשה כן.
6) Die in [] Klammern gesetzten Worte sind nach der Parallelstelle Jalk. zu I Kö. VII, 51 § 186 korrigiert.
7) Anklang an Jes. V, 27.
8) I Kö. VII, 51. ותשלם כל המלאכה


Vater zu begraben usw.«1) Und nichts ging einem von ihnen verloren.2) Und wenn das bei dem Gebäude des Heiligen, gelobt sei er, geschehen ist, so wundert dich das? Der Gedanke wird noch weiter ausgesponnen: כיון שהשלימו3) האומנין את המלאכה שלמה נפשם עכשיו דרשת שלא חלה אחד מהם (ולא חש בעיניו)4) ועכשיו אתה אומר כיון ששלמה המלאכה מהם מתו5) אמר הקדוש ברוך הוא שלא יטלו אותם אומות העולם6) ויבנו עמהם בניינים ויהיו אומרים אילו הן שבנו עִם שלמה בניין האלהים ומהו ותשלם אמר הקדוש ברוך הוא עלי לשלם להן מתן שכר. Sobald die Arbeiter das Werk beendet hatten, endete ihr Leben. Eben noch hast du erklärt, dass keiner von ihnen krank wurde und Augenschmerzen litt, und jetzt sagst du, sobald das Werk von ihnen beendet war, starben sie? Der Heilige, gelobt sei er, wollte nicht, dass die Völker der Welt sie nähmen und mit ihnen (andere) Gebäude bauten, um dann zu sprechen: Das sind die, die mit S. den Gottesbau errichtet haben. Was bedeutet also ותשלם? Der Heilige, gelobt sei er, sprach: Mir liegt es ob, ihnen den Lohn zu zahlen.7)
Wie ernst es der grosse Bauherr S. selbst mit dem Tiempelbau nahm, dafür spricht nicht nur, dass er ihn vor seinen eigenen Palästen und fast in der Hälfte der auf sie verwandten Zeit vollendete,8) sondern auch, dass er die sieben Jahre des Baues über keinen Wein trank.9)
Die Schilderung, welche die Bibel von der Einrichtung des Tempels gibt,10) ist so prächtig, dass die jüdische Sage nur nach einer Anknüpfung zu suchen braucht, sie noch zu überbieten. Von dem Libanonwaldhaus11) erzählt Josephus,12) dass an der Aussenseite
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1) Gen. 50, 7.
2) Wohl auf Gen. 50,14 zu beziehen: וישב יוסף . . . וכל העולים אתו vgl. Friedmann, Pes. I. c. Anm. 47.
3) Pes. R. ib., Jalk. I. c. — 4) Fehlt in Jalk.
5) Jalk. I. c.: .אחה אומר ששלמה נפשם
6) Jalk.: שלא יכחדום (יכריחום) עובדי אלילים.
7) Hier sind also zwei Deutungen des oben mit einander verbunden.
8) Pes. R. VI, 23b, Bam. R. XIV, 1, Schir R. I, 1, 5, Midr. Mischle zu XXII, 29.
9) Lev. R. XII, 5 nach R. Judan. Um zu rechtfertigen, dass S. an seinen Palästen länger baute als am Tempel, heben Pes. R. und Schir R. I. c. hervor, dass er sich mit dem Bau des Tempels besonders beeilt habe. Ähnlich schon Josephus Ant. VIII, 5, 1.
10) 1I Kö. VI, 15 ff. II Chr. III, 3 ff. — 11) I Kö. VII, 2. — 12) Ant, VIII, 5, 2.


Skulpturen, Bäume und Strauchwerk angebracht waren, so überaus fein gearbeitet, dass sie jeden Augenblick sich bewegen zu wollen schienen. Nun berichtet die Bibel, dass die zederne Wandbekleidung im Innern des Tempels mit allerhand Schnitzwerk, Koloquinthen und aufgebrochenen Blumen geziert war.1) Eine Beziehung des genannten Palastes zu dem Tempel findet sich noch an einer Stelle des Talmuds:2) אמר רב זוטרא בר טוביה למה נקרא שמו יער דכתיב בית יער הלבנון לומר לך מה יער מלבלב אף בית המקדרש מלבלב3) דאמר רב4) הושעיא בשעה שבנה שלמה בית המקדש נטע בו כל מיני מגדים ‏ של זהב והיו מוציאין פירות5) בזמניהן וכיון6) שהרוח מנשבת בהן היו7) נושרין פירותיהן שנ' ירעש כלבנון פריו ‏ (ומהן היתה פרנסה לכהונה)8) ‏ וכיון9) שנכנסו עובדי כובבים10) להיכל יבשו11) שנאמר ופרח לבנון אומלל ועתיד הקב"ה .להחזירה 12) לנו13) שנאמר פרוח תפרח ותגל אף גילת ורנן כבוד הלבנון נתן לה Es sagt R. Sutra bar Tobia: Warum wird er (der Tempel) das Haus des Libanonwaldes14) genannt? Um dir zu sagen: Wie ein Wald Sprösslinge treibt, so auch das Heiligtum. R. Oschaja hat nämlich gesagt: Zur Zeit, da S. das Heiligtum erbaute, pflanzte er allerhand Arten köstlicher goldener Fruchtbäume darin, die brachten ihre Früchte zu ihrer Zeit hervor, und sobald der Wind durch sie fuhr, fielen ihre Früchte herab, wie es heisst: Seine Frucht wird rauschen wie der Libanon; 15) von ihnen wurden die Priester unterhalten. Als aber die Heiden ins Heiligtum kamen, verdorrten sie; denn es heisst: Die Blüte des Libanon verwelkt.16) Einstens jedoch wird der Heilige, gelobt sei er, sie uns wiedergeben, wie es heisst: Ueppig soll sie aufspriessen und jubeln, ja jubeln und jauchzen; die Herrlichkeit des Libanon wird ihr (wieder) geschenkt.17)
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1) I Kö. VI, 8 vgl. auch ib. V. 29, 32, 35. II Chr. III, 5.
2) Joma 39b.
3) Von hier an auch Joma 21b u. Jalk. Nachum 560.
4) Joma 21b u. Jalk. I. c.: אושעיא.
5) Joma: פירותיהן בזמנן, Jalk.: הפירות בזמניהם.
6) Joma: וכשהרוח, Jalk. וכשהרוחות מנשבין.
7) Joma u. Jalk.: נושרין. —
8) Fehlt in Joma u. Jalk.
9) Joma u. Jalk.: וכשנכנסו. —
10) Joma: נכרים, Jalk. כותים.
11) Joma: יבש. —
12) Joma: להחזירן.
13) Das Wort fehlt in Joma u. Jalk.
14) I Kö. X, 17 scheint so verstanden zu sein.
15) Ps. 72, 16. — 16) Nachum I, 4. — 17) Jes. XXXV, 2.


Der Vergleich des Tempels mit dem Walde ist auch in den Midrasch übergegangen. וכן הוא אומר ויבן את בית יער הלבנון למה.. נמשל ליער מה יער פרה ורבה כך בית המקדש כל מה שהיה בתוכו היה פרה ורבה 1). »Und er baute das Haus des Libanonwaldes.«2) Warum wird er (der Tempel) dem Walde verglichen? Wie der Wald fruchtbar ist und sich vermehrt, so war fruchtbar und vermehrte sich alles, was darin war. — Aehnlich Bam. R.3) ... ואומר בית יער הלבנון וגו. Warum wird er... . genannt? Um dir zu sagen: Wie der Wald Früchte hervorbringt, so auch das Heiligtum, nämlich die Figuren, die an den goldenen Wänden waren, denn es waren dort allerhand Arten von Bäumen nachgebildet.4)
Stand dieser Glaube erst einmal fest, so fehlte es nicht an weiteren Belegen. Als solche gelten teils dunkele Worte, wie ואומר6) זהב פרוים מהו פרוים שהיה עושה פירות :פרוים5) oder אפריון7) זה בהמ"ק ויש אומרים שעושה פירות וכו...
Apirjon bedeutet das Heiligtum ... manche sagen, weil es Früchte trug. Denn als S. das Heiligtum erbaute, bildete er darin allerlei Arten von Bäumen nach. Und wenn die Bäume auf dem Felde Früchte trugen, so trugen sie auch die im Gotteshause. Diese Früchte schüttelte man herunter, sammelte sie auf und bewahrte sie für den Fonds zur Ausbesserung des Gebäudes. Als aber Manasse das Götzenbild im Tempel aufstellte,8) vertrockneten alle diese Bäume. Das bedeutet der Schriftvers: Die Blüte des Libanon verwelkt. Aber einstens wird der Heilige usw. (wie oben).
Verwendung und Schicksal der Wunderbäume haben hier eine andere Tendenz erhalten. Dass sie seit Manasses Götzendienst verwelkt sind, bleibt jetzt ein feststehender Zug.9)
Zum Teile werden aber auch Bibelverse im Sinne der Sage gedeutet: (10. הנה מטתו זה בית המקדש וגו »Siehe, um das Lager
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1) Ta.: פ' נשא S. ט"ז. —
2) I Kö. VII, 2. — 3) XI, 3.
4) Hier werden wir deutlich an Josephus erinnert; s ob. S. 18 Anm. 12.
5) II Chr. III, 6. — 6) Bam. R. XI, 3, ib. XII, 4. — 7) Hohel. III, 9.
8) II Kö. XXI, 7, II Chr. XXIII, 7.
9) S. Ta. Wien und Bam. R. XII, 4, wo als Autor ר' חנינא בר יצחק genannt wird.
10) Ta. Buber I, c., kürzer: Bam. R. XI. 3. Aus Ta. ist die ganze Stelle übergegangen in Jalk. רמז תש"י נשא und Jalk. Hohel. חתקפ"ו. Nach Bam. R. XI, 8 sind die Tradenten: .ר' ביבי בשם ר' אלעזר


S. stehen rings sechzig Helden . . .«1) Warum wird das Heiligtum dem Lager verglichen? Weil, wie das Lager nur der Fortpflanzung und Vermehrung dient, so sich fortpflanzte und vermehrte alles, was im Heiligtum war, wie es heisst: »Und die Stangen wurden länger.«2) Endlich schliesst ein M. Tanchuma3) die Sage in sich ab, indem er, die Verwendung der Fruchtbäume dem Talmud, ihr Schicksal dem Midrasch entnehmend, auch den Beginn des Wunders schärfer fixiert und wiederum an das Stiftszelt in der Wüste anknüpft. א"ר לוי כשהכניס שלמה את הארון לבית המקדש וכו' R. Levi sagt: Als S. die Lade ins Heiligtum brachte, blühten alle Bäume und die Cedern, die dort waren, und trieben Früchte, wie es heisst: Gepflanzt im Hause des Ewigen, blühen sie in den Vorhöfen unseres Gottes.4) Und sie trieben auch weiterhin Früchte, von denen die jungen Priester reichliche Versorgung erhielten, bis Manasse aufstand und das Götzenbild ins Heiligste brachte. Da wich Gottes Majestät und vertrockneten die Früchte, wie es heisst: Die Blüte des Libanon verwelkt. Schon hier sagt der Heilige zu Mose: Die Stangen, die du für die Lade gemacht hast, werden nach 480 Jahren5) sich verlängern, wie es heisst: Und die Stangen wurden länger... 2)


Kapitel 3.
Die Einweihung.

Diese letzte Version führt uns auf eine andere, weit verbreitete Legende, für die sich freilich kaum zwei Quellen anführen lassen, die wörtlich mit einander übereinstimmen. Das Motiv in allen wollen wir voranstellen: Es ist die Auszeichnung Davids vor S.; denn ob Gott nun David von seinem Vergehen
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1) Hohel. III, 7.
2) So die Deutung des ויאריכו I Kö. VIII, 8, II Chr. V, 9.
3) Ed. Wien S. 103a. — 4) Ps. 92, 14.
4) Der Text hat פ''ד, so auch ed. Mantua u. Amsterdam; es ist aber nach I Kö. VI, 1 ת"פ zu lesen oder, wenn man, wie Buber I. c. Anm. 79, die 7 Jahre des Tempelbaues hinzurechnet: תפ''ז. Freilich wird an der biblischen Stelle vom Auszug aus Aegypten an gerechnet.