V. 4. Kaum war ich weg von ihnen, da fand ich ihn, den meine Seele liebt

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V. 4. Kaum war ich weg von ihnen, da fand ich ihn,  den meine Seele liebt, nämlich Mose. Ich erfasste ihn und ließ ihn nicht, bis ich ihn brachte in meiner Mutter Haus  d. i. der Sinai, und in die Kammer meiner Gebärerin d. i. das Stiftszelt, von wo aus die Israeliten zu der Beobachtung der Lehre verpflichtet worden sind.
Oder: „Auf meinem Lager in den Nächten“ d. i. in der babylonischen Nacht, „suchte ich den, welchen meine Seele liebt“, nämlich Daniel, „ich suchte ihn und fand ihn nicht“ d. i. ich will mich aufmachen, die Stadt durchziehen, die Marktplätze und die Strassen, Städte und Länder, ich will ihn suchen, „den meine Seele liebt“, nämlich Daniel, „ich suchte und fand ihn nicht.“ „Es fanden mich die Wächter“ d. i. die Chaldäer. „Den meine Seele liebt“ d. i. Daniel. Wohin war er gegangen? Der eine sagt: um zu fasten,  denn er flehte um Erbarmen wegen der Zerstörung des Heiligtums  s. Dan. 9, 17; ein anderer sagt: er war zu Belschazars Gastmahl  gegangen, um die bedeutungsvolle Schrift: „Gezählt, gezählt, gewogen  und geteilt“ daselbst zu erklären s. das. 5, 25. Nach R. Chija dem Grossen lauteten ursprünglich jene Schriftzeichen  ]rlaa ypqnn cvtmm anm, nach R. Simeon ben Chalaphtha umxgvp ;da tuy tuy,  nach den Rabbinen vprcyn tql ,na ,na, nach R. Meir wie der Wortlaut ist                      ]ycrpv lqt anm anm und zwar bedeutet hnm: „Gezählt  hat Gott deine Regierung und macht ihr ein Ende“, lqt: „Gewogen bist du auf der Wage und zu leicht befunden“, ]ycrpv „Geteilt wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben“ (s.  Dan. 5, 26. 27).
Zu derselben Zeit versammelten sich alle Israeliten bei Daniel und sprachen: Daniel, unser Meister! alle bösen und schweren Weissagungen Jeremias sind eingetroffen, nur die eine gute noch  nicht, dass vor Ablauf von 70 Jahren der Ewige unsrer gedenken  und die gute Verheißung in Erfüllung bringen wird s. Jerem. 29, 10. Bringet mir, antwortete ihnen Daniel, das Buch des Propheten Jesaia. Er las ihnen daraus vor bis an das Kapitel 21, 1: „Auftrag  an die Wüste am Meer. Wie ein Wetter von Mittag kommt.“  Wenn es Meer heißt, wozu Wüste und wenn Wüste, wozu Meer?  fragte er. Allein es sind Winke für die vier Königreiche, welche  den wilden Tieren gleichen s. Dan. 7, 3-8. Diese Tiere sowohl, wie auch die von ihnen angerichteten Schäden, sagte R. Jochanan, sind verschieden. Seid ihr es würdig, so kommen sie vom Meere, wo nicht, so kommen sie vom Walde. Das vom Meere kommende Tier ist nicht schädlich, wohl aber das, was vom Walde kommt.  So auch, wenn ihr es würdig seid, wird keine Nation Gewalt über euch haben s. Ps. 80, 14. Das i in dem Worte riym ist schwebend (d. i. es ist über die Zeile hinausgeschrieben, damit man es  raym lesen könne), um anzudeuten: ist euer Verhalten geziemend,  so kommt über euch der zahme Eber aus dem Flusse (rayh ]m),  wo nicht, so kommt der (wilde) Eber aus dem Walde (riym) Und  wie mit den Tieren, so verhält es sich auch mit den Wettern. Es  gibt keinen schlimmern Sturmwind, bemerkte R. Levi, als den von  Mitternacht, welcher die Geschöpfe, die in den mittägigen Gegenden wohnen, blass macht. Wer ist denn unter dem mitternächtlichen Sturmwind zu verstehen? Kein anderer als Nebucadnezar, der von Mitternacht kam und das Heiligtum zerstörte, welches im Süden sich befand. Woher kam er? R. Chanina sagte: Aus der Wüste d. i. aus einem Lande, über welchem schwere Gesichte drohten s. Jes. 21, 2.
Die Prophetie hat 10 Namen: ]vzx, havbn, hpuh, rvbyd, hryma, yvvo, asm,  lsm, hoylm, hdyx. Welche ist die schwerste von allen? R. Elieser sagte: ]vzx ist die schwerste, denn es heißt Jes. 21, 2: „Ein schweres Gesicht ist mir verkündet worden.“ Nach R. Jochanan aber ist rvbyd die schwerste, wie es Gen. 42, 30 heißt: „Der Herr des Landes redete hart mit uns.“ Nach den Rabbinen ist die mit asm bezeichnete Weissagung die härteste, wie schon der Wortlaut besagt, denn asm ist soviel wie  dbk schwer.
Es heißt Jes. 21, 2: „Der Plünderer plündert und der Verwüster verwüstet. Zieh heran, Elam! belagere Medien!“ d. i. die von Elam über uns gebrachte Trübsal ist bereits vorüber, es entsteht nun eine von Medien, „alles Seufzen“ nämlich das von Babylon „bring ich zum Schweigen.“ V. 3: „Deshalb sind meine Lenden voll Schmerzes.“ Wenn schon unsere Vorfahren (Väter), sagte R. Simeon ben Gamliel, bei einem Teile solcher Drangsale verzagten, als sie nämlich das Land Edom umgehen mussten s. Num. 21, 4 vergl. Thren. 5, 9 und Dan. 7, 15, um wie viel mehr wir, die wir so viele Jahre in einer so bedrängten Lage uns befinden. „Darum sind meine Lenden voll Schmerzes, Wehen ergreifen mich wie der Gebärerin Wehen, ich krümme mich, wenn ich es höre“ d. s. die Schmähungen und Lästerungen des Frevlers s. Dan. 5, 3, „und werde erschreckt, wenn ich es sehe“ d. i. die Gemächlichkeit dieses Verruchten, als er ein so großes Gastmahl gab s. Dan. 5, 1. Was heißt br? R. Chama bar R. Chanina sagte: ,yhvla lsm ein Gastmahl (,xl) größer, als das Gastmahl für Gott. Er fragte sie (Daniel und Genossen): Durch wie viele Siebe geht das Mehl, wovon ihr den Omer auf den Altar niederlegt? Sie antworteten: Durch dreizehn. Das Brot, welches auf meine Tafel kommt, ist durch vierzehn Siebe gegangen. V. 4: „Mein Herz zittert“ d. i. der Gerichtshof hat sich um einen Tag in seiner Berechnung geirrt, „Grauen hat mich erschreckt“ d. i. nach R. Pinchas im Namen des R. Josua: ich habe bei der Phiole mich gelabt. Oder tvolp heißt soviel wie ein Mund, der Spottreden ausstreut. Oder der Sinn ist: Durch diejenigen, welche spotten, werde ich erschreckt. „Der Abend meiner Lust wird mir zum Schrecken“ d. i. den Abend (am Pessachfeste), an welchem ich meiner Erlösung mit Lust entgegen sah, hat er mir zum Schrecken gemacht.