V. 9. Eine ist meine Taube, meine Fromme

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V. 9. Eine ist meine Taube, meine Fromme d. i.
Abraham, von welchem gesagt wird: Einzig war Abraham s. Ezech. 33, 24.
Die einzige ihre Mutter d. i. Jizchak, welcher seiner Mutter einziger Sohn war.
ihrer Gebärerin Auserkorene d. i. unser Vater Jacob, welcher bei seiner Familie auserkoren war, weil er ein ganz frommer Mann war.
Töchter sahen sie und priesen sie glücklich. Das sind die Stämme, deren Abkunft in Ägypten dem Pharao und seinem Hofe gefiel s. Gen. 45, 16.
Oder die Worte: „Töchter sahen sie und priesen sie glücklich“ lassen sich auf Lea anwenden, welche sagte s. Gen. 30, 13: „Die Töchter werden mich nun glücklich preisen.“
Königinnen und Nebenfrauen, sie verherrlichten sie, nämlich (den Sohn der Rachel) Joseph, von welchem der König zu seinen Dienern sagte s. Gen. 41, 38, 39: „Werden wir einen wie diesen finden?“ d. i. wenn wir von einem Ende der Welt bis zum andern gehen, so finden wir keinen wie diesen, wie es auch heißt das.: „dass dir Gott dies alles kund getan, so ist keiner so verständig und weise wie du.“
R. Jizchak legte den Vers auf die Zahl der Abschnitte des Gesetzes aus. Die sechzig Königinnen sind die sechzig Traktate von Halachot, die achtzig Nebenfrauen sind die achtzig Abschnitte (des halachischen Kommentars zum Leviticus), die Jungfrauen ohne Zahl sind die zahllosen Thosaphot, welche miteinander übereinstimmen, obgleich sie aus einem Grunde, aus einer Halacha und einer und derselben Schlussfolgerung (hvs hryzg eig. argumentum a pari und rmvxv lq argumentum de minore ad majus) hervorgegangen sind.
R. Juda bar Ilai deutete den Vers auf den Baum des Lebens und auf den Garten Eden. Die sechzig Königinnen sind die Vereine der Gerechten, die mit dem Gesetze beschäftigt im Garten Eden unter dem Lebensbaume sitzen. Es ist gelehrt worden: Der Lebensbaum erfordert eine Reise von 500 Jahren und alle Gewässer der Schöpfung teilen sich daselbst) und fließen unter ihm hervor. Nach R. Jehuda bar R. Ilai gilt das nicht nur für seinen Stamm, sondern auch für den Umfang seiner Äste. Es ist gelehrt worden: Der Auszug eines Kor trinkt ein Thirkab und der Auszug von Kusch trinkt Ägypten und Ägypten beträgt eine Reise von 40 Tagen, denn es ist 400 Parasangen im Geviert, trotzdem es nur 1/60 von Kusch beträgt, so muss Kusch so groß sein, dass man sieben Jahre und darüber zu reisen hat. Kusch aber ist wieder nur 1/60 von der Welt, und eine Reise um die Welt beträgt nach der Länge 500 Jahre und nach der Breite auch 500 Jahre. Die Welt wieder ist 1/400 des Gehinnom, folglich beträgt der Umfang des Gehinnom eine Reise von 2100 Jahren. Wir finden, dass die ganze Welt gewissermaßen sich wie der Deckel eines Topfes zur Hölle verhält. Die Welt beträgt ferner 1/60 des Gan Eden, und für Eden gibt es kein Mass.
Oder die achtzig Nebenfrauen stellen die achtzig Genossenschaften der Gelehrten in der Mitte dar, welche sitzen und mit dem Gesetze sich beschäftigen, mit Ausnahme des Lebensbaumes, „die Jungfrauen ohne Zahl“ sind zahllosen Schüler; glaubst du etwa, sie seien verschiedener Meinung? Darum steht: eine ist meine Taube … alle erklären (schließen, folgern) aus demselben Grunde, aus derselben Halacha.
Die Rabbinen legen den Vers auf die Israeliten aus, welche aus Ägypten zogen. Die 60 Königinnen bedeuten die 600000, welche in einem Alter standen von 20 Jahren und darüber, die 80 Nebenfrauen bedeuten die 800000, welche ein Alter von 20 Jahren und darunter hatten, und die Jungfrauen ohne Zahl deuten auf die unzähligen Proselyten hin.
R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: die Völker der Welt werden bloß nach der Zahl der Familien angegeben, aber nicht nach der Zahl der Einzelnen; aber die Israeliten werden mit der Zahl der Familien und der Einzelnen angegeben s. Num. 3, 34, wo das Wort ,hydvqp die Zahl und rpcmb die Abkunft andeutet vergl. 2 Sam. 24, 7, wo rpcm die Zahl und dqpm die Abkunft andeutet! Dieses Zeugnis geben nicht nur wir uns, sondern sogar der ruchlose Bileam gibt es uns s. Num. 30,  10.
„Eine ist meine Taube“ d. i. die Gemeinde Israel, wie David 2 Sam. 7, 23  gesagt hat: „Wo gibt es wohl auf Erden so ein einiges Volk wie das deinige, Israel? „Sie ist die einzige ihrer Mutter“ s. Jes. 51, 4; „ihrer Gebärerin Auserkorene“ d. i. nach der Übersetzung des R. Jacob bar Abuna vor R. Jizchak bar Mina: außer ihr (den Israeliten) hat Gott keine Kinder; „die Töchter“ d. s. die andern Völker, „sehen sie und preisen sie glücklich“ s. Mal. 3,  12 und „die Nebenfrauen verherrlichen sie“ s.  Jes. 49, 23.