V. 4. Er führt mich ins Weinhaus

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V. 4. Er führt mich ins Weinhaus.
R. Meir sagte: Die Gemeinde Israel spricht: Durch den Wein bemächtigte sich meiner der böse Trieb, so dass ich zum Kalbe sprach: „Dieses ist dein Gott, Israel“ s. Ex. 32, 4; denn wenn der Wein in den Menschen einzieht, verwirrt er ihn. Genug Meir! entgegnete R. Jehuda, das Hohelied wird nicht zur Schande, sondern zum Ruhme Israels ausgelegt. Wie sind denn dann obige Worte zu deuten? Auf diese Weise: Die Gemeinde Israel spricht: Gott brachte mich in den großen Weinkeller, an den Sinai, und gab mir dort mein Panier, das Gesetz, die Gebote, die guten Werke, und ich nahm sie mit großer Liebe an.
R. Abba sagte im Namen des R. Jizchak: Die Gemeinde Israel spricht: Gott führte mich in den großen Weinkeller d. i. zum Sinai und gab mir von dorther das Gesetz, aus welchem das Reine auf 49 Arten und auf ebenso viele Arten das Unreine erörtert wird und ich nahm es mit großer Liebe an, wie es heißt: „Die Liebe ist sein Panier über mir.“
R. Jona sagte: Wenn zwei Genossen einer Gelehrtenschule, die sich mit der Untersuchung einer Halacha beschäftigen und der eine, eine Begründung dazu anzuführen sucht, der andere aber nicht, so spricht Gott in Bezug auf diesen: „Die Liebe ist sein Panier über mir.“
R. Acha sagte: Ein Unwissender (/rah ,i), der anstatt tbhav du sollst lieben, tbyyav du sollst hassen, liest, von dem sagt Gott (obgleich dadurch ein Entgegengesetzter Sinn, eine Blasphemie entsteht) Selbst sein Überspringen (der Buchstaben d. i. die undeutliche Aussprache derselben) ist mir lieb.
R. Issaschar sagte: Wenn ein Kind anstatt Mosche, Masche; anstatt Aaron, Ron und anstatt Ephron, Phron liest, so sagt Gott: Selbst sein unverständliches Sprechen (Schwatzen) gilt mir als Liebe.
R. Hunja sagte: Früher, wenn ein Mann mit dem Finger auf das Bild des Königs wies, machte er sich des Todes schuldig, jetzt gehen die Kinder in die Schule und weisen mit dem Finger auf den Gottesnamen (hrkzah li) und Gott spricht: Sein Daumen (vldvgv) winkt mir Liebe zu.
Die Rabbinen sagen: Selbst wenn ein Kind den Gottesnamen noch so oft überspringt, so erleidet es keinen Schaden, Gott spricht vielmehr: Sein Überspringen (vgvlydv) ist mir lieb!
R. Berachja sagte: Obgleich Jacob sich Täuschungen (]ylvgdh) gegen seinen Vater erlaubte, indem sie (seine Mutter) die Felle der Ziegenböcke um seine Hand legte s. Gen. 27, 16, so spricht doch Gott: Ich lasse darin meine Schechina ruhen, nämlich in den Vorhängen der Ziegenfelle über der Stiftshütte s. Ex. 26, 7, und nicht nur das, sondern seine Täuschung (vlvgydv) flösst mir Liebe ein.
R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Die Gemeinde Israel spricht: Gott brachte mich nach dem großen Weinkeller d. i. zum Sinai, wo ich Michael und seine Schar, Gabriel und seine Schar sah. Als ich nun diese höheren Scharen erblickte, gewann ich sie lieb. Da meine Kinder, sprach Gott zu Mose, gern mit Scharen lagern, so soll auch jeder bei seinem Panier (vlgd), bei den Zeichen ihrer Stammhäuser sich lagern s. Num. 2, 2.