V. 5. Dein Hals gleicht einem Turm von Elfenbein

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V. 5.    Dein Hals gleicht einem Turm von Elfenbein.
Von Esau heißt es Gen. 33, 4: „Er lief ihm (Jacob) entgegen, umarmte ihn, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Alle Buchstaben des Wortes vhqsyv sind punktiert. Überall, wo die Buchstabenzahl mehr als die Zahl der Punkte beträgt, sagte R. Simeon ben Eleasar, so greife nach jener und lasse diese unbeachtet, wo aber die Punktzahl mehr als die Buchstabenzahl beträgt, so erfasse jene und beachte diese nicht, aber hier bei dem Worte vhqsyv er küsste ihn, sind beide an Zahl einander gleich, und es soll dir dadurch angedeutet werden, dass Esau nicht gekommen war, den Jacob zu küssen (vqsnl), sondern zu beißen (vksnl). Allein der Hals unseres Vaters Jacob wurde in Marmor verwandelt und die Zähne des ruchlosen Esau wurden stumpf und zerschmolzen wie Wachs. Es heißt doch aber: „und sie weinten?“ Allerdings jener weinte um seinen Hals und dieser um seine Zähne.
R. Abuhu im Namen des R. Eleasar verwies zum Verständnis der obigen Worte auf Ex. 2, 15, wo es heißt: Als Pharao den von Mose begangenen Todschlag erfuhr, wollte er ihn hinrichten lassen, allein Mose nahm die Flucht vor dem König. Ist denn das möglich? Kann denn ein Mensch vor einem König fliehen (sich ihm entziehen)? Daraus kannst du lernen, dass er ihn an demselben Tage zur Enthauptung verurteilte, allein das Schwert glitt, wie R. Abithar bemerkte, von seinem Halse ab und traf den des ruchlosen Scharfrichters, was auch dadurch angedeutet ist, dass Mose dem einen Sohne den Namen Elieser gab, indem er sagte Ex. 18, 4: „Denn der Gott meines Vaters war in meiner Hilfe und rettete mich vom Schwerte Pharaos“ d. i. er rettete mich, aber nicht den Scharfrichter. R. Bun wandte darauf den Spruch Salomos Prov. 11, 18 an: „Der Gerechte entgeht der Gefahr und der Ungerechte kommt an seine Stelle.“ R. Berachja wandte Prov. 21, 18 an: „Ein Lösegeld für den Gerechten ist der Ungerechte.“ Nach Bar Kapra wurde Moses Errettung auf diese Weise bewirkt. Es kam ein Engel in Moses Gestalt herab, welchen der Henker für Mose ergriff und Mose entfliehen ließ.
R. Abba bar R. Papi und R. Josua von Sichnin sagten im Namen des R. Levi: Alle Senatoren, Räte Pharaos waren in dieser Stunde teils stumm, teils taub, teils blind, teils lahm geworden. Man fragte die Stummen, wo ist Mose? allein sie konnten keine Antwort geben (sie konnten nicht reden), die Blinden, allein sie konnten nicht sehen, die Tauben, allein sie konnten nicht hören, die Lahmen, allein sie konnten nicht gehen, wie es auch heißt Ex. 4, 11: „Wer gab dem Menschen einen Mund? Wer macht stumm oder taub, sehend oder blind? Bin ich es nicht, der Ewige?“ d. i. bin ich es nicht, der alles dieses macht? „So gehe nun hin“, ich will dich zu Pharao senden.
deine Augen Teiche zu Cheschbon.
Unter jenen sind die Synedrien zu verstehen, welche der Gemeinde als Augen dienen vergl. Lev. 4, 13. Der Mensch hat 248 Glieder und sie alle folgen den Augen. So können auch die Israeliten nichts ohne das Synedrium tun, welches darum „Teiche zu Cheschbon“ genannt wird, weil es die Stimmen zu zählen (berechnen) hat, ob 36 frei und 35 schuldig sprechen.
am Thor der volkreichen Tochter d. i. die Halacha, welche vom Platze vor dem inneren Thore d. i. vom Sitze des hohen Gerichtshofes ausgeht und sich unter viele verbreitet.
R. Jehuda bar Rabbi sagte: Es bezieht sich darauf, dass man sich nach  der Mehrheit richten soll.
Deine Nase wie der Turm des Libanon.
Unter ersterer ist der Tempel zu verstehen. Sowie die Nase auf der Höhe des Menschen steht, ebenso steht der Tempel auf der Höhe der Welt, und sowie die Umgebung der Nase mit den meisten Zierraten behängt ist, ebenso kam auch die Priester-, Leviten- und Herrscherwürde von Jacob.
„wie der Turm des Libanon“, wie Deut. 3, 25 gesagt ist. Er heißt darum Libanon, erklärt R. Tabjumi, weil der Tempel die Sünden Israels bleicht (weiss macht) wie Schnee vergl. Jes. 11, 18. Nach R. Simeon ben Jochai heißt er deshalb so, weil alle Herzen sich an demselben erfreuen s. Ps. 48, 3, nach den Rabbinen, weil Gott gesprochen hat: „Mein Auge und Herz wird zu aller Zeit dort sein“ s. Reg. 9, 3.
„der gegen Damaskus schauet.“
R. Jochanan sagte: Jerusalem wird sich einst bis an die Thore von Damaskus ausdehnen s. Sach. 9, 1. Was heißt das Wort: ;rdx ? Nach R. Jehuda ist es der Name eines Ortes. Ich kann dir zuschwören, sagte R. Jose, der Damaszener, da ich von Damaskus bin, dass es daselbst einen Ort gibt, der Chadrach heißt. Nach R. Nechemja ist Chadrach der Name des Königs Messias, denn derselbe ist scharf (dx) und sanft (;rv); scharf gegen die Völker, sanft gegen die Israeliten.
Oder: Chadrach ist der König Messias, der einst alle Weltbewohner in der Busse vor Gott leiten wird und Damaskus wird sein Ruheort sein. Wie? Es gibt doch keinen anderen Ruheort für ihn als den Tempel s. Ps. 132, 14? Allein Jerusalem wird sich einst nach allen Seiten so ausdehnen, bis es an das Thor von Damaskus reicht; und die aus ihrer Heimat Vertriebenen werden daselbst Ruhe finden, um zu erfüllen, was gesagt ist: „Damaskus ist sein Ruheort.“ Wie steht es nun aber mit Jeremias Weissagung s. 30, 18? fragte R. Jochanan. Wie der Feigenbaum unten von engem, oben aber von weitem Umfange ist, so wird auch Jerusalem sich nach allen Seiten erweitern, und die Vertriebenen werden daselbst eine Ruhestätte finden, damit erfüllt werde, was Jes. 54, 3 geschrieben ist: „Zur Rechten und zur Linken wirst du dich ausbreiten.“ Das gilt in Bezug auf die Länge, in Bezug auf die Breite heißt es Sach. 14, 10: „Vom Turme Chananel bis zu den Königskeltern“ d. i. nach R. Saccai dem Grossen bis an die riphäischen Gebirge,   bis zu den Keltern  (weiten Räumen), die der König der Könige, Gott, ausgeweitet hat. So steht es mit der Länge und Breite. Betreffs der Höhe aber vergl. Ezech. 41, 7: „Es werden die Seitenzimmer immer breiter nach oben zu“ u. s. w. Es ist gelehrt worden: Jerusalem wird sich weit erstrecken und wird auch eine Höhe bis zum Throne der Herrlichkeit erreichen, so dass du sprechen wirst: Der Ort ist mir eng. Was die Vortrefflichkeit Jerusalems betrifft, so lässt sich diese nach R. Jose bar R. Jeremja schon an ihren Mauern erkennen, wie es heißt Sach. 2, 5: „Ich werde ihr sein, spricht der Ewige, eine Feuermauer ringsum.“