V. 11. Ein Weinberg war dem Salomo

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V.  11.    Ein Weinberg war dem Salomo.
„Der Weinberg“ ist das Haus Israel s. Jes. 5, 7, „dem Salomo“ d. i. dem König, der über den Frieden gebietet, „zu Baal-hamon“ d. i. als die Israeliten scharenweise (oder geräuschvoll) dem Baal nachhingen s. Jud. 10, 6, da kamen feindliche Scharen über sie.
Er gab den Weinberg an Hüter, dass jeder ihm tausend Silberlinge für seine Früchte bringe.
Er fand unter dem Volke tausend vollkommene Gerechte im Gesetz und in guten Werken.
Oder: Der Weinberg stellt Israel dar s. Jerem. 2, 7 vergl. Deut. 11, 12, „dem Salomo“ d. i. dem König, dem der Friede gehört, „in Baal-hamon“, weil sie geräuschvoll den Schätzen der Reiche nachhingen s. Jos. 7, 21: „Ich sah unter der Beute einen schönen sinerarischen Mantel“ u. s. w. R. Chanina bar Jizchak sagte: Es war ein babylonischer Purpurmantel. Was macht (will) aber Babel hier (d. i. wie kam dieser Mantel hierher)? R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Der König von Babylon machte Geschäfte in Jericho, er sandte dahin Briefe und erhielt dafür Geschenke. Das sagt man auch: Jeder König, welcher nicht Herr im Lande Israel ist, hält sich selbst nicht für einen vollberechtigten König.
,,Er gab den Weinberg an Hüter“ d. i. Nebucadnezar, „dass jeder für seine Früchte tausend Silberlinge bringe“ d. i. er suchte tausend vollkommene Gerechte im Gesetze und in guten Werken aus vergl.  2  Reg. 24,  14.  16.
Die Rabbinen verstehen unter dem Weinberg das Synedrium. Es ist aber anderswo gelehrt worden, dass R. Ismael über drei Punkte vor den Gelehrten auf dem Weinberge in Jabne Zeugnis abgelegt habe und diese es annahmen. Fand denn aber die Sitzung wirklich in einem Weinberge statt? Nein, die Mitglieder des Synedriums saßen in Reihen, wie die Reben in einem Weinberge. Ein solcher Weinberg war „dem Salomo“ d. i. dem Könige, der über den Frieden gebietet, „zu Baal-hamon“ d. i. sie rauschten hinter dem Baal her, darum kamen auch feindliche Scharen über sie, denn es rauschen ihnen Mengen von Königen nach, wie es heißt Ps. 68, 13: „Könige der Heerscharen hüpfen, sie hüpfen.“ Es heißt nach R. Judan im Namen des R. Ini nicht tvabo ykalm Engel, sondern tvabo yklm Könige der Engel, selbst Michael und Gabriel springen ihnen nach. R. Judan sagte: Sie warfen über sie Lose, wie es heißt Joel 4, 3: „Und über mein Volk warfen sie das Loos.“ R. Judan bar Simon sagte: Sie springen beim Hingehen und springen beim Zurückgehen. R. Achwa bar R. Sera sagte: Er macht sie laufen s. 2 Sam. 18, 22: „Warum noch willst du laufen, mein Sohn?“
„Und die Hausfrau teilet Beute“ (s. Ps. 68, 13). Wer ist die Bewohnerin im Hause? Das ist die Thora, und du bist ihm (Mose) gegeben worden und sie verteilt Beute.
Oder: Unter „der Hausfrau“ ist die Schönste im Hause zu verstehen, du verteilst Beute an die Unteren. Die Schönste im Hause ist Mose, wie es heißt Num. 12, 7: „In meinem ganzen Hause ist er treu, und du wurdest ihm gegeben und er verteilte Beute an die Unteren.
R. Pinchas und R. Acha sagten im Namen des R. Alexandria: Es steht Ps. 8, 2 geschrieben: „Ewiger, unser Herr, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Majestät am Himmel glänzen lassest.“ R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagte: Es heißt nicht: rsa hnt, sondern hnt rsa d. i. dein Preis ist die Thora. Das ist dein Preis (;rvsya), deine Majestät, deine Ehre, dass die Thora im Himmel bleibe, wandten die Engel dir ein. Von euch, erwiderte Gott, geht das Verlangen danach nicht aus. Gleich einem Vater, bemerkte R. Judan, der einen Sohn mit verstümmelten Fingern hatte. Was tat er? Er führte ihn zu einem Seidensticker, dass er ihm sein Handwerk (seine Kunst) lehre. Als dieser seine Finger zu betrachten anfing, sprach er: Das ganze Handwerk kann nur durch die Finger betrieben werden, wie soll es dieser erlernen? Bei euch ist kein Markt dafür (d. i. sie findet keine Liebhaber bei euch). Solche Vorstellungen machten auch die Dienstengel, als Gott den Israeliten das Gesetz geben wollte. Herr der Welt! stellten sie vor, das ist dein Preis, deine Majestät, deine Ehre, dass dein Gesetz im Himmel bleibe. Er antwortete: Bei euch ist kein Verlangen danach, denn auf euch findet die Vorschrift Lev. 15, 19 keine Anwendung, da es unter euch kein Weib gibt. Ebenso wenig kann die Vorschrift Num. 19, 14, das Verhalten gegen eine Leiche betreffend, auf euch Anwendung finden, da es bei euch keinen Toten gibt. Ihr seht daher, dass es für mich nicht von Nutzen sein kann. Darüber belobt die Schrift den Mose mit den Worten Ps. 68, 19: „Du steigst in die Höhe und führest Gefangene.“ R. Acha sagte: Das sind die unter den Menschen gebräuchlichen Gesetznormen (Halachot), wie beispielsweise die schleimflüssigen Männer und blutflüssigen Weiber, die Menstruierenden und Gebärerinnen betreffend. Gleich einem Könige, sagten die Rabbinen, der seine Tochter ins Ausland verheiratete. Seine Untertanen machten ihm dagegen die Vorstellung: Unser Herr König! es ziemte sich wohl besser, wenn deine Tochter bei dir im Lande bliebe. Was liegt euch daran? Du könntest einmal, erwiderten sie, aus Liebe zu ihr sie besuchen und bei ihr bleiben. Nein, versicherte er, wenn ich auch meine Tochter ins Ausland verheirate, so bleibe ich dennoch bei euch im Lande. So stellten auch die Dienstengel Gott vor, als er den Israeliten das Gesetz geben wollte. Herr der Welt! Sprachen sie, dein Preis, deine Majestät, dein Lob ist es, dass die Thora im Himmel bleibe. Was liegt euch daran? entgegnete Gott. Du könntest einmal deine Schechina auf den Unteren ruhen lassen wollen. Meine Lehre gebe ich ihnen wohl, antwortete Gott, aber ich bleibe in den Höhen, ich gebe meine Tochter mit der Kethuba (d. i. mit einer reichlichen Aussteuer) in ein anderes Land, dass sie wegen ihrer Schönheit, Liebenswürdigkeit und hohen Abstammung (eig. weil sie die Tochter eines Königs ist) von ihrem Gemahle in Ehren gehalten werde, aber ich bleibe bei euch in den Höhen. Und wer hat das erläutert? Der Prophet Habakuk 3, 3: „Es deckt den Himmel seine Pracht, und seines Preises ist voll die Erde.“ R. Simon sagte im Namen des R. Josua ben Levi: Überall, wo das Gesetz Gottes ruht, da ruht auch seine Schechina. Wer hat das erläutert? David in  Ps. 148, 12, wo zuerst  Erde  und  dann  Himmel  steht.