KAP. 19. Jitro - שמות יט יתרו von Rabbi Samson Raphael Hirsch

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Kap. 19. V. 1. Am dritten Neumond nach dem Auszuge der Söhne Jisrael's aus Mizrajim, an demselben Tage waren sie in die Wüste Sinai gekommen; 2. sie zogen nämlich von Refidim, kamen in die Wüste Sinai, schlugen ihr Lager in der Wüste auf, und Jisrael lagerte dort dem Berge gegenüber. 3. Mosche aber war hinan gegangen zu Gott hin, da rief ihm Gott vom Berge zu: Also sage dem Hause Jaakob's und stelle den Söhnen Jisrael's vor: 4. Ihr habt gesehen, was ich an Mizrajim gethan, während ich euch auf Adlerflügel hob und euch zu mir brachte. 5. Und nun, wenn ihr auf meine Stimme ernstlich hören und meinen Bund hüten wollet, so müßt ihr mehr als alle Völker mir ausschließlich angehören, denn mein ist die ganze Erde.

V. 5. Und nun — Ihr seid nun hierhergekommen, wohin ich euch geladen, damit ‏,תעבדון את האלקי' בהר הזה‎ damit ihr an diesem Berge in meinen Dienst tretet, ‏וגו' אם שמוע‎ ‏,תשמעי‎ wenn ihr dies ernstlich wollt, wollt mir gehorchen und mein mit euch begonnenes Bundesverhältniß erhalten, so ist meine Grundbedingung, daß ihr mehr als alle andern Veölker mir ‏סגולה‎ seid. ‏סגולה‎ Aus Koheleth 2. 8.: ‏כנסתי לי וגו' וסגלת מלכים‎, ‏והמדינות‎ so wie aus Chron. 1. 29, 8.: ‏,עוד וגו’ יש לי סגולה זהב וכסף‎ ergibt sich, daß ‏סגולה‎ ‎ein Eigenthum bedeutet, das nur ein Einziger hat, eigenthümliche Schätze von Königen und Ländern, ein Privatschatz an Gold und Silber, über welchen ihm allein die Disposition zusteht. Ebenso Baba Bathra 52, a. und Baba Kama 97, b.: ‏קבל מן הקטן יעשה‎ ‏,לו סגולה ,החובל בבניו ובבנותיו של אחרים גדולים יתן להם מיד ,קטנים יעשה להם סגולה‎ wo ‏סגולה‎ ebenfalls ein für ein noch unmündiges, sonst noch nicht erwerbfähiges Kind sicher gestelltes und ihm allein verbleibendes Besitzthum bezeichnet. ‏סגולה‎ ist somit ein Gut, auf welches kein Anderer ein Recht hat, das in keiner Beziehung zu einem Andern steht. Die Grundbedingung, die mit diesem Worte für unser Verhältniss zu Gott gefordert wird, ist daher, daß wir in jeder Beziehung Unseres Wesens, mit unserm ganzen Sein und unserm ganzen Wollen, ganz und ausschließlich sein Eigenthum werden, unser ganzes Sein und all’ unser Wollen nur von Ihm abhängig sein, von Ihm gestalten lassen und keiner andern Macht und keinem andern Wesen einen Einfluß auf die Lenkung unserer Geschicke und auf die Leitung unserer Thaten einräumen. ‏:כי לי כל הארץ‎ denn dies Verhältniß, in das ihr zu mir treten sollt, ist kein Ausnahmeverhältniß, ist vielmehr nur der erste Wiederbeginn des normalen Verhältnisses, in welchem die ganze Erde zu mir stehen soll; alle Menschen und alle Völker sind ihrer Bestimmung nach mein und werden von mir zu mir erzogen,


6. Ihr aber sollt mir ein Reich von Priestern und ein heilig Volk sein! Dies sind die Worte, die du zu Jisrael’s Söhnen sprechen sollst.

V. 6. und gerade für diese Bestimmung der gesammten Erde sollt ihr mir ein ‏ממלכת כהנים‎ und ein ‏גוי קדוש‎ sein. ‏ממלכת כהנים‎ jeder Einzeine von euch, soll dadurch, daß er sich in seinem ganzen Thun von mir »regieren« läßt, in Wahrheit ‏עול מלכות שמים‎ auf sich nimmt und verwirklicht, ein ‏,כהנ‎ ein Priester sein, der durch sein Wort und Beispiel die Erkenntnis und Huldigung Gottes verbreitet, wie es Jesaias 61, 6. aus- gesprochen ist: »Ihr aber werdet Priester Gottes genannt werden, Diener unseres Gottes wird man euch nennen;« und ‏קדוש‎ גוי und, wie priesterlich in jedem Einzelnem so soll eure Gesammterscheinung nach Außen eine Gott heilige sein; ein einziges Volk unter den Völkern, das nicht dem eigenen Ruhm, der eigenen Größe, der eigenen Verherrlichung, sondern der Begründung und Verherrlichung des Reiches Gottes auf Erden angehört; und auch dieses wieder eben dadurch, daß es seine Größe nicht in der Macht, sondern in der absoluten Herrschaft des göttlichen Sittengesetzes sucht; denn das eben beißt ‏- .קדושה‎ ‏,לא פחות ולא יותר ,אלה הדברים וגו wie die Weisen erläutern, nicht weniger und nicht mehr. Ein Minderes genügt nicht für eure Zukunft, und eines Mehreren bedarf es nicht.

7. Mosche kam, berief die Aeltesten des Volkes und legte ihnen alle diese Worte vor, die ihm Gott aufgetragen. 8. Das ganze Volk antwortete einstimmig und sprach: Alles, was Gott gesprochen, wollen wir thun. Mosche brachte die Worte des Volkes zurück zu Gott. 9. Gott sprach darauf zu Mosche: Siehe, ich komme zu dir in einer Verdichtung der Wolke, damit das Volk höre, wenn ich mit dir rede, und so werden sie auch dir für immer vertrauen. Mosche hielt Gott die Worte des Volkes entgegen. 10. Gott aber sprach zu Mosche, gehe zum Volke und heilige sie heute und morgen, und lasse sie ihre Kleider waschen. 11. Lasse sie zum dritten Tage bereit sein; denn am dritten Tage wird Gott vor den Augen des ganzen Volkes auf den Berg Sinai sich hinablassen. 12. Umgrenze dass Volk ringsum und sage ihm: Hütet euch wohl den Berg zu besteigen oder auch nur einen Theil davon zu berühren! Jeder, der den Berg anrührt, soll getödtet werden. 13. Daß ihn keine Hand berühre! Denn gesteinigt soll er werden, oder nur hinabgestürzt, sei es Vieh oder Mann, er soll nicht leben bleiben; wenn das Entlassungshorn seine Töne dehnt, dürfen sie wieder den Berg ersteigen. 14. Mosche ging vom Berge hinab zum Volke, heiligte das Volk und sie wuschen ihre Kleider. 15. Er aber sprach zum Volke: Seid auf drei Tage bereit; nahet euch keinem Weibe. 16. Und es war am dritten Tage, als der Morgen ward, da waren Donner und Blitze und eine schwere Wolke auf dem Berge und ein überaus starker Schofar-Ton. Alles Volk, das im Lager war, erbebte. 17. Mosche führte das Volk hinaus, Gott entgegen aus dem Lager; sie stellten sich aufrecht im Thalgrund des Berges. 18. Der Berg Sinai dampfte ganz, deswegen weil Gott auf ihn im Feuer sich hinabgelassen. Sein Dampf stieg auf wie der Dampf des Kalkofens und der ganze Berg erzitterte sehr. 19. Und während der Schofar-Ton immer fortfuhr und stärker wurde, sprach Mosche und Gott antwortete ihm laut. 20. Gott ließ sich hinab auf den Berg Sinai, hin zu dem Gipfel des Berges, und Gott rief Mosche hinzu dem Gipfel des Berges, und Mosche stieg hinan. 21. Da sprach Gott zu Mosche: Gehe hinab, warne das Volk, daß sie nicht durchbrechen zu Gott hin um zu sehen, es könnte viel von ihm fallen. 22. Und auch die Priester, die zu Gott hintreten, sollen an ihre Heiligung denken, sonst könnte Gott über sie Verderben senden. 23. Mosche erwiederte Gott: Es kann das Volk nicht zum Berge Sinai hinansteigen, denn du hast uns gewarnt: umgränze den Berg und heilige ihn! 24. Da sprach Gott zu ihm: Geh hinab, und komme du wieder herauf und Aharon mit dir; die Priester aber und das Volk sollen nicht durchbrechen zu Gott hinanzusteigen, er könnte sonst Verderben unter sie senden. 25. Mosche stieg hinab zum Volke und sagte es ihnen,