KAP. 31. WAJEZE - בראשית לא ויצא von Rabbi Samson Raphael Hirsch

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Kap. 31. V. 1. und er hörte die Reden der Söhne Laban’s: Jaakob hat Alles, was unserm Vater gehört, sich angeeignet, und von dem, was unserm Vater gehört, hat er all’ diese Herrlichkeit geschaffen; 2. auch Labans Gesicht sah Jaakob, und siehe, der war auch nicht mehr mit ihm wie gestern und vorgestern. 3. Da sprach Gott zu Jaakob: Kehre zu dem Lande deiner Väter und zu deinem Geburtsorte zurück, und ich werde mit dir sein. 4. Da schickte Jaakob und rief Rachel und Lea aufs Feld zu seinen Schaafen, 5. und sprach zu ihnen: Ich sehe eures Vaters Angesicht, er ist mir nicht so mehr wie gestern und vorgestern, und nur der Gott meines Vaters hat mir beigestanden. 6. Ihr doch wisset es, daß ich mit meiner ganzen Kraft eurem Vater gedient. 7. Euer Vater aber hat mich mit Versprechungen getäuscht, hat meinen Lohn in zehn Bestimmungen gewechselt und nur Gott hat ihn mich nicht schädigen lassen. 8. Sagte er: Punktirte sollen dein Lohn sein, so warfen alle Schaafe Punktirte; sagte er: am Fuß Gezeichnete sollen dein Lohn sein, so warfen alle Schaafe am Fuß Gezeichnete; 9. so rettete Gott das Eigenthum eures Vaters und gab es mir. 10. Nun war es , als jetzt die Schaafe sich erregten, da erhub ich im Traum meine Augen und sah, und siehe: die Böcke, welche die Schaafe bestiegen, waren fußgezeichnete, punktirte und gesprenkelte. 11. Da sprach ein Engel Gottes zu mir im Traum: Jaakob! Ich erwiederte: Hier bin ich. 12. Er sprach: Hebe doch deine Augen auf und siehe, alle die Böcke welche die Schaafe besteigen, sind fußgezeichnete, punktirte und gesprenkelte; denn ich habe Alles gesehen, was Laban dir thut. 13. Ich bin aber der Gott von Bethel, wo du einen Denkstein gesalbt und dort mir ein Gelübde gethan; jetzt mache dich auf, gehe hinaus aus diesem Lande und kehre zum Lande deiner Geburt zurück. 14. Da antworteten Rachel und Lea und sprachen zu ihm: Haben wir noch Antheil und Erbe im Hause unseres Vaters? 15. Sind wir ihm nicht wie Fremde geachtet, da er uns verkauft, und sogar unsern Kaufpreis selbst verzehrt hat? 16. Denn all’ der Reichthum, den Gott von unserem Vater gerettet hat, ist unser und unserer Kinder! Und nun, Alles, was dir Gott gesagt hat, thue! 17. Da machte sich Jaakob auf, hub seine Kinder und seine Frauen auf die Kameele, 18. und führte all sein Eigenthum, alle Habe die er erworben, das für sein Eigenthum Erworbene, das er in Padan Aram erworben hatte, fort, um zu seinem Vater Jizchak, zum Lande Kenaan heim zu kommen. 19. Laban war aber fortgegangen um seine Schaafe zu scheeren; da stahl Rachel ‏-‎ die Götzen ihres Vaters, 20. und Jaakob stahl — das Herz‏ ‎des Aramiten Laban, deshalb weil er‏ ‎es ihm nicht sagte; denn er entfloh. ‏21. So floh er und alles Seine; er machte sich auf, setzte über den Fluß, und nahm seine Richtung zum Berge Gilead. 22. Am dritten Tage wurde es ‎Laban berichtet, daß Jaakob entflohen war. 23. Da nahm er seine Genossen mit sich, setzte ihm auf einem sieben Tage langen Wege nach und erreichte ihn am Berge Gilead. 24. Gott aber kam zu dem Aramiten Laban im Traume und sprach zu ihm: Hüte dich, daß du mit Jaakob nichts sprechest von Gutem bis zu Bösem! 25. Als daher Laban Jaakob erreichte, — und Jaakob hatte sein Zelt auf dem Berge, Laban aber seine Genossen auf dem Berge Gilead ausgestellt, — 26. da sprach Laban zu Jaakob: Was hast du gethan! Hast mein Herz bestohlen! Hast meine Töchter wie Kriegsgefangene weggeführt! 27. Warum bist du heimlich geflohen und hast mich bestohlen? Hast mir nichts gesagt, hätte dich doch in Freuden und mit Gesängen, mit Pauke Und mit Harfe entlassen! 28. Hast mich nicht zugelassen meine Söhne und Töchter zu küssen! Jetzt siehst du’s, wie thöricht du gehandelt. 29. Meine Hand ist in der Kraft euch Böses zu thun, aber der Gott eures Vaters hat verwichene Nacht zu mir also gesprochen: Hüte dich mit Jaakob von Gutem bis zu Bösem zu sprechen! 30. Nun! Du bist nun einmal gegangen, denn du hast in der That dich nach dem Hause deines Vaters gesehnt; warum aber hast du meine Götter gestohlen? 31. Da antwortete Jaakob und sprach zu Laban: Weil ich mich gefürchtet, weil ich mir gesagt, du könntest mir deine Töchter rauben. 32. Bei wem du aber deine Götter findest, der soll nicht leben bleiben, in Gegenwart unserer Brüder erkenne dir heraus was bei mir ist, und nimm es dir; Jaakob wusste nicht, daß Rachel sie entwendet hatte. 33. Da kam Laban in Jaakob’s Zelt und in Lea’s Zelt und in das Zelt der beiden Mägde und fand nichts. Als er aus Lea’s Zelt ging, kam er in das Zelt Rachel’s, 34. und Rachel hatte die Götzen genommen, sie in das Kissen des Kameels gelegt und saß nun auf ihnen. Laban betastete das ganze Zelt und fand nichts. 35. Da sprach sie zu ihrem Vater: Möge es in den Augen meines Herrn nicht verdrießen, daß ich nicht vor dir aufstehen kann, es ist mir die Weise der Frauen. So suchte er und fand die Götzen nicht. 36. Da verdroß es Jaakob und nun erhub er sich zum Streite wider Laban. Es begann Jakob und sprach zu Laban: Was ist mein Verbrechen, was mein Vergehen, daß du mir nachgesetzt! 37. Da du alle meine Geräthe betastet hast, was hast du von allen Geräthen deines Hauses gefunden, lege es hier her in Gegenwart meiner und deiner Brüder, mögen sie zwischen uns Beiden entscheiden! 38. Der war ich zwanzig Jahre bei dir: Deine Schaafe und deine Ziegen haben nicht fehlgeboren und die Widder deiner Schaafe habe ich nicht gegessen; 39. Zerrissenes habe ich dir nicht heimgebracht, ich pflegte es dir zu ersetzen, von meiner Hand pflegtest du es zu fordern; mein war das Gestohlene am Tage, mein war es des Nachts; 40. ich war da am Tage da mich die Hitze verzehrte und der Frost in der Nacht; und verscheucht war der Schlaf in der Nacht von meinen Augen. 41. Das ward mir zwanzig Jahre in deinem Hause: gedient habe ich dir vierzehn Jahre für deine beiden Töchter, und sechs Jahre für deine Schaafe, und du verändertest meinen Lohn in zehn verschiedenen Bestimmungen. 42. Wäre nicht der Gott meines Vaters, der Gott Abraham’s und der Opferungsschauer Jizchak’s für mich gewesen, du hättest jetzt leer mich fortgeschickt! Mein Elend und meiner Hände Mühe hat Gott gesehen, und es in verwichener Nacht erwiesen. 43. Da antwortete Laban und sprach zu Jaakob: Die Töchter sind meine Töchter, die Söhne meine Söhne, die Schaafe meine Schaafe, und Alles, was du siehest, ist mein, — und meinen Töchtern, was könnte ich diesen heute thun, oder ihren Söhnen, die sie geboren? 44. Und nun, komme, laß uns einen Bund schließen ich und du, daß Er Zeuge bleibe zwischen mir und dir! 45. Da nahm Jaakob einen Stein und hob ihn hoch auf zum Denkstein, 46. und es sprach Jaakob zu seinen Genossen: Sammelt auch Steine; sie nahmen Steine und machten einen Hügel, und sie aßen dort bei dem Hügel. 47. Laban nannte ihn Steinhügel des Zeugnisses, und Jaakob nannte ihn Galed. 48. Laban sagte nämlich: Dieser Steinhügel ist Zeuge zwischen mir und dir heute, darum nannte er ihn Galed, 49. und auch: Hammizpah (die Schaustätte), weil er gesagt hatte: Gott wird zwischen mir und dir schauen — denn wir werden einander nicht mehr sichtbar sein — 50. Wenn du meine Töchter leiden lassen, oder zu meinen Töchtern noch Frauen nehmen wirst, so ist freilich kein Mensch bei uns, aber siehe: Gott ist Zeuge zwischen mir und dir! 51. Laban sprach ferner zu Jaakob: Siehe, hier ist dieser Steinhügel — und hier auch der Denkstein — den ich zwischen mich und dich geworfen, 52. Zeuge ist dieser Steinhügel und Zeuge dieser Denkstein, daß ich nie diesem Steinhügel zu dir, und du nicht diesem Steinhügel und diesem Denkstein zu mir vorüber ziehen wollest zum Bösen. 53. Der Gott Abraham’s und der Gott Nachor’s — der Gott ihres Vaters werden zwischen uns richten! — Jaakob schwur bei dem Opferungsschauer seines Vaters Jizchak. 54. Jaakob bereitete ein Mahl auf dem Berge und lud seine Genossen ein zum Speisen; sie speisten und übernachteten auf dem Berge.