V. 15. Siehe du bist schön, meine Freundin

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V. 15. Siehe du bist schön, meine Freundin.
Du bist schön durch die Ausübung der religiösen Vorschriften, du bist schön durch die Liebeswerke (,ydcx tvlymgb), du bist schön durch Befolgung der Gebote, du bist schön durch Beachtung der Verbote, du bist schön in deinem häuslichen Leben durch die Entrichtung der Heben und Zehnten, du bist schön in der dir empfohlenen Mildtätigkeit gegen die Armen und Fremden, nämlich in Bezug auf die Nachlese, die vergessene Garbe und die Früchte des Eckfeldes (oder Eckbaumes) und den Armenzehnten und das Freigeben, du bist schön in der Beobachtung des Gemischten (Kilaim), du bist schön durch das Tuch mit den Schaufäden (Zizith) du bist schön im Pflanzen, du bist schön durch die Vorhaut des Baumes (Lev. 19, 23. 24), du bist schön durch die vierjährige Pflanzung, du bist schön durch die Beschneidung, du bist schön durch das Reißen, du bist schön durch das Gebet, du bist schön durch das Keriath Schema, du bist schön durch die Mesusa, du bist schön durch die Thephillin, du bist schön durch die Laubhütte, du bist schön durch Lulab und Ethrog, du bist schön durch Busse, du bist schön durch gute Werke, du bist schön in dieser Welt und du bist schön in jener Welt.
deine Augen gleichen den Tauben.
Unter den „Augen“ ist das Synedrium zu verstehen, welches die Augen der Gesamtheit darstellt s. Num. 15, 24. Wie die 248 Glieder des menschlichen Körpers nur den Augen folgen, so folgen auch die Israeliten nur der Entscheidung dieses Gerichtshofes. Wie „die Taube“ erscheinen auch die Israeliten lieblich bei ihrem Pilgern nach Jerusalem hinauf zur Festzeit. Wie diese Taube sind auch die Israeliten äußerlich durch Scheren, Beschneidung und Zizith gekennzeichnet. Sowie die Taube sind auch die Israeliten züchtig. Wie die Taube ihren Hals dem Streiche hinstreckt, so auch Israel s. Ps. 44, 23. Wie diese Taube die Sünden sühnt, so sühnt auch Israel die Völker, denn die 70 Farren, welche am Feste geopfert wurden, entsprechen den 70 Völkern, damit nicht die Welt von ihnen verwüstet werde, worauf die Worte des heiligen Sängers Ps. 109, 4 hindeuten: „Für meine Liebe feinden sie mich an, und ich bete.“ Wie diese Taube ihr Männchen, sobald sie es kennt, nicht gegen ein anderes vertauscht, so hat auch Israel Gott, seitdem es ihn als den wahren erkannt hat, nicht mit einem andern vertauscht. Wie diese Taube zu ihrem Neste zurückkehrt, dasselbe erkennt und den Taubenschlag, die jungen Tauben, ja sogar die Fenster erkennt, so kennen auch die Gelehrten (Schüler der Weisen), die vor ihnen (vor dem Synedrium) in den drei Reihen sitzen, ihren Platz. Wie diese Taube, wenn ihr auch die jungen genommen werden, den Taubenschlag niemals verlässt, so haben auch die Israeliten, trotz der Zerstörung des Tempels, die drei jährlichen Feste nicht aufgehoben. Wie diese Taube jeden Monat brütet, so erneuern auch die Israeliten jeden Monat die Beschäftigung mit dem Gesetze und den guten Werken. Wie diese Taube ausfliegt und zu ihrem Taubenschlage wieder zurückkehrt, so auch Israel s. Hos. 2, 2: „Sie eilen herbei wie Vögel aus Ägypten“ d. i. das Geschlecht der Wüste, ,,und wie Tauben aus dem Lande Assyrien“ d. s. die zehn Stämme, „und ich lasse sie wohnen in ihren Häusern, spricht der Ewige.“
Rabbi sagte: Es gibt eine Taubengattung, zu welcher ihre Genossen, wenn man ihr zu essen gibt und diese es riechen, zu ihnen in ihren Taubenschlag kommen. Ebenso finden sich bei einem Alten, wenn er Lehrvorträge hält, viele Proselyten ein, wie beispielsweise Jethro, der, als er die den Israeliten geschehenen Wunder vernommen hatte, zu Mose kam. Ebenso verhielt es sich mit Rachab, Chananja, Mischael und Asarja, viele Proselyten wurden durch sie gewonnen, wie Jes. 29, 23 geschrieben steht vergl. daselbst V. 24.
Rabbi hielt einmal seinen Vortrag und es war die Versammlung (Zuhörerschaft) eingeschlafen. Um sie zu wecken (ermuntern), sprach er: Eine Frau in Ägypten brachte 600000 Menschen auf einmal zur Welt. Wer war sie? fragte ein Schüler Namens R. Ismael bar R. Jose. Der Rabbi antwortete: Es war Jochebed, die den Mose gebar, der soviel wie das ganze aus 600000 Personen bestehende Volk Israel gilt s. Ex. 15, 1; Num. 1, 54; Deut. 34, 10.
„Deine Augen gleichen den Tauben.“ Wie diese Taube, so bringt auch Israel Licht in die Welt s. Jes. 60, 3. Wann brachte eine Taube Licht in die Welt? In den Tagen Noachs, wie es Gen.8, 11 heißt: „Und es kam zu ihm die Taube zur Abendzeit und trug ein abgepflücktes Ölblatt in ihrem Schnabel.  Wenn sie es nicht getötet hätte, wäre ein großer Baum daraus geworden. [ru ist soviel wie lyuq getötet vergl. Gen. 37, 33: Joseph ist zerrissen worden. Vergl. Ber. r. Par. 33 u. Math. Keh. R. Berachja sagte: Woher brachte sie es? Nach R. Levi von den Schösslingen im israelitischen Lande, weshalb auch die Leute sagen, dass dieses Land von den Wassern der Flut verschont geblieben sei, wie in Ezech. 22, 24 geschrieben steht. R. Jochanan sagte: Sogar die Mühlsteine wurden durch die Wasser zerrieben.
Nach R. Tirja waren der Taube die Pforten des Paradieses geöffnet worden, und von da brachte sie das Blatt. Hätte sie denn aus dem Paradiese, fragte R. Ibo, nicht etwas Besseres, wie Zimt oder Balsam bringen können? Nein, sie wollte damit dem Noach andeuten und zu ihm sagen: Mein Herr Noach! lieber etwas Bitteres wie dieses aus Gottes Hand, als Süßes aus deiner Hand!