V. 11. Gehet heraus und sehet, ihr Töchter Zions

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V. 11. Gehet heraus und sehet, ihr Töchter Zions d. i.
ihr Söhne, die ihr für mich so mannigfach gekennzeichnet seid durch Haarscheren, Beschneidung und Schaufäden.
und seht euch an Salomo, den König d. i. den König, der alle seine Schöpfungen so vollkommen eingerichtet hat. Er hat Sonne und Mond in ihrer Fülle, die Sterne und den Tierkreis in  ihrer Fülle geschaffen. Bar Kapra sagte: Adam und Eva wurden erschaffen, als wären sie zwanzig Jahre alt. „Den König Salomo“  d. i. den König, dem der Friede gehört.
Oder unter „dem Könige“ ist derjenige gemeint, welcher seine  Werke für seine Geschöpfe unschädlich gemacht hat (vytvyrbl  vysim ,ylshs), wie beispielsweise das Feuer für unsern Vater Abraham, das Schwert für Jizchak, den Engel für Jacob. Oder unter „dem Könige“ ist der König gemeint, welcher Frieden zwischen seinen Geschöpfen stiftete, wie R. Simeon ben Jochai gelehrt hat: Die Veste besteht aus Schnee, und die Tiergestalten sind von Feuer s. Ezech.  1, 13. 22 und jener löscht diese und diese löschen jenen nicht aus.  Michael ist der Fürst des Schnees, Gabriel der Fürst des Feuers, und jener löscht diesen und dieser jenen nicht aus, und einer schadet dem andern nicht. Nicht nur zwischen einem Engel und dem andern,  sagte R. Abin, sondern sogar zwischen einem Engel, der halb Schnee  und halb Feuer ist und fünf Gesichter hat, macht Gott Frieden. Er hat fünf Gesichter, denn es heißt Dan. 10, 6: „Sein Leib war  Chrysolith und sein Gesicht wie das Ansehen des Blitzes“ u. s. w., und das eine schadet nicht dem andern. Einmal heißt es Ps. 104, 3: „er wölbt in Wassern seine Söller“ und ein anderesmal heißt es  Deut. 4, 24: „denn der Ewige, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer“, ebenso Dan. 7, 9: „sein Stuhl war Feuerflammen und dessen Räder lodernd Feuer“, und dennoch vernichtet das eine nicht das andere.  R. Jochanan sagte: Es heißt Hi. 25, 2: „Er macht Frieden in seinen Höhen“ d. i. die Veste besteht aus Wasser und die Sterne sind von Feuer und sie tun sich einander keinen Eintrag; niemals hat die Sonne die Risse des Mondes (d. i. die Hörner des abnehmenden  Mondes) gesehen.
Jacob vom Dorfe Chanin sagte: Es steht Hi. 25, 2 geschrieben: „Ist nicht die Herrschaft und Furcht bei ihm?“ d. i. jene wird von Michael, diese von Gabriel vertreten; „bei ihm“ d. i. bei ihm sind beide einig (;ymlsvm).
R. Levi sagte: Kein Gestirn steigt vor dem andern in die Höhe,  kein Stern blickt vor dem andern nach dem, was über ihm, sondern nach dem, was unter ihm ist, Wie dieser Mensch, der von einer Leiter berabsteigt und nicht hinter sich sieht. Auch bei den Plagen Ägyptens über Pharao machte Gott Frieden, wie beispielsweise beim Hagel, welcher mit flammendem Feuer vereinigt war  s. Ex. 9, 24. Nach R. Juda ist der Sinn der Stelle dieser: Wie  Flaschen von Hagelstücken voll Feuer, und das eine löschte nicht  das andere aus. R. Chanin sagte: Dieser Vergleich des R. Juda ist der Schale eines Granatapfels ähnlich, die einen Einblick in das Innere der Frucht gestattet. Nach R. Nechemja war das Feuer und der Hagel miteinander vermengt. Dieser Vergleich des R. Nechemja, bemerkte R. Chanin, ist einer Lampe gleich, in welcher Wasser und Öl sich befinden und die Flamme brennt fort und eins löscht nicht das andere aus. Nach den Rabbinen ist das Wort txqltmv zusammengesetzt aus atym und ahlqtm d. i. die Plage vereinigte in sich zwei feindselige sich aufreibende Wesen, um den Willen ihres Schöpfers zu erfüllen. Gleich einem Könige, sagte R. Acha, der zwei harte Legionen hatte, die sich gegenseitig hassten, die aber, als sie sahen, dass ein schwerer Krieg gegen den König ausbrach, sich aussöhnten (Frieden schlossen), damit sie den Krieg für ihren König führen könnten. So sind auch Feuer und Hagel Feinde gegen einander, die aber, als sie sahen, dass es einen Kampf des Königs der Könige, nämlich Gottes des Heiligen, gebenedeiet sei er, gegen die Ägypter galt, Frieden schlossen, damit sie den Krieg Gottes gegen die Ägypter führen könnten. Es war demnach ein Wunder im andern.
In der Krone, womit seine Mutter ihn krönte. Nach R. Jochanan fragte R. Simeon ben Jochai den R. Eleasar bar R. Jose: Hast du vielleicht von deinem Vater gehört, mit welcher Krone seine Mutter ihn (den Salomo) geschmückt hat? Ja, antwortete derselbe Wie war es denn? R. Eleasar antwortete: Gleich einem Könige, welcher eine einzige Tochter hatte, die er allzu sehr (eig. mehr als genug) liebte, er nannte sie meine Tochter und er ließ von seiner Liebe nicht ab, bis er sie meine Schwester, ja sogar meine Mutter nannte. Ebenso liebte Gott die Israeliten allzu sehr, er nannte sie meine Tochter s. Ps. 45, 11 und er ließ von seiner Liebe nicht ab, bis er sie meine Schwester s. Cant. 4, 10, ja sogar bis er sie meine Mutter nannte s. Jes. 51, 4, wo ymaly steht, ohne v, was daher auch ymal meine Mutter gelesen werden kann. R. Simeon erhob sich hierauf und küsste den R. Eleasar am Haupte mit den Worten: Hätte ich nur diese Erklärung aus deinem Munde gehört, so wäre ich schon befriedigt gewesen.
R. Chanina bar Jizchak sagte: Wir haben in der ganzen Schrift gesucht und nicht gefunden, dass Bathseba ihrem Sohne Salomo eine Krone aufgesetzt hat, und du sagst: „mit der Krone, mit welcher ihn seine Mutter schmückte?“ Demnach kann unter der Krone nur das Stiftszelt gemeint sein, das, sowie die Krone mit Edelsteinen und Perlen besetzt ist, mit himmelblauen, purpurfarbenen und karmesinfarbenen Stoffen und Byssus geschmückt war.
R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Du findest, als Gott zu Mose sprach: Mache mir ein Stiftszelt, so hätte er vier Stäbe aufstellen und eine Decke darüber ausbreiten können, so wäre die Wohnung fertig gewesen, aber Gott verfuhr nicht so, sondern er hob ihn in die Höhe und zeigte ihm rotes, grünes, schwarzes und weißes Feuer und sprach zu ihm: „Sowie dieses mache sie.“ Herr der Welt! entgegnete Mose vor Gott, woher soll ich Feuer von so verschiedenen Farben nehmen? Mache sie, sprach Gott, nach dem Muster, was du auf dem Berge gesehen hast s. Ex. 24, 40. Gleich einem Könige, sagte R. Abun, der ein kostbares Bild hatte und von seinem Haussohn (Vertrauten) verlangte, er möge ihm auch ein solches machen, und als dieser vorstellte: Mein Herr König! wie kann ich ein solches Bild machen? „Du erscheinst in deinen Farben, ich aber in meiner Herrlichkeit. So sprach auch Gott zu Mose: Sieh und mache mir ein solches. Herr der Welt! stellte dieser vor, wie kann ich es? Nach dem Muster, antwortete Gott. R. Berachja sagte im Namen des R. Bezaleel: Gleich einem Könige, welcher vor seinem Haussohne (seinem Vertrauten) in einem mit Perlen besetzten schönen Gewande erschien und zu ihm sagte: Mache mir ein ähnliches und die Antwort erhielt: Mein Herr König! wie vermag ich es denn? Ebenso sprach Gott zu Mose: Mache mir ein Stiftszelt! worauf dieser entgegnete: Kann ich denn ein solches machen? Sieh und mache es! entgegnete Gott. Kann ich es denn? sprach wieder Mose. Sowie das, sprach Gott, was du oben siehst, mache das unten. Es steht Ex: 26, 15 geschrieben: „Und mache die Bretter von Akazienholz.“ Es heißt nicht: dymih ,yus yoi sondern: ,ydmvi ,yus yoi d. i. die Akazienbäume „standen“ wie die, welche der oberen Strasse einverleibt sind. Machst du diese von oben unten nach, so verlasse ich meine Ratsherren hier oben, lasse mich herab und beschränke meine Schechina unter euch unten (auf Erden). Wie so? Wie oben Seraphim stehen s. Jes. 6, 2, so sollen auch unten Akazienbäume stehen und wie oben sollen auch unten Sterne sein. Hieraus ergibt sich, sagte R. Chija bar Abba, dass die goldenen Haken im Stiftszelte wie die Sterne am Himmel erschienen.
am Tage seiner Hochzeit d. i. am Tage, wo die Israeliten am Sinai dem Bräutigam glichen.
am Tage seiner Herzensfreude d. s. die Worte des Gesetzes vergl. Ps. 19, 9.
Oder unter „dem Tage seiner Hochzeit“ ist das Stiftszelt und unter „dem Tage seiner Herzensfreude“ ist der Tempel zu verstehen.