417. - 428. Abschnitt - Über den Neumond (Rosch Chodesch)

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417. Am Neumond, d.h. am ersten Tag jedes neuen jüdischen Monats, kann man alle Arbeit verrichten; die Frauen haben jedoch den Gebrauch, an solchen Tagen nicht zu arbeiten und dies ist auch der Gebrauch. Ist es der Gebrauch, dass die Männer an solchen Tagen einige Arbeiten verrichten und andere nicht verrichten, so richtet man sich nach diesem Gebrauch.
 418. Am ersten Tag des neuen Monats darf man nicht fasten, auch darf kein Bußtag auf solche Tage oder der Purim oder Channukafest (wird späterhin vorkommen) ausgeschrieben werden; sind aber schon früher mehrere Fasttage ausgeschrieben und ist man mitten darin, so hört man des Neumonats oder Channuka- oder Purimtages wegen nicht auf u.s.w. Fastet ein einzelner Mann an einem von diesen Tagen wegen eines bösen Traumes, so muss er noch einmal fasten.
 419. Es ist G’tt wohlgefällig, am Neumonatstag besser als gewöhnlich zu essen.
 420. Wegen eines Toten können die Frauen an einem solchen Tage zwar klagen, aber sie müssen alle zusammen sprechen und in die Hände schlagen; nicht wie gewöhnlich, dass Eine vorspricht und die Anderen einfallen; ist der Tote in der Erde, so darf an einem solchen Tage nicht mehr geklagt werden.
Die folgenden Abschnitte bis 426 enthalten die Teils vermehrten, Teils veränderten Gebote für dieses kleine Fest, auch welcher abschnitt an diesem Tag in der Thora vorgelesen wird (vier Personen werden aufgerufen); ein Mussafgebet wird gehalten und das große Loblied (siehe unten) gesungen. Wenn ein Neumonatstag auf einen Shabbath fällt, werden zwei Thoras aus dem heiligen Schranke genommen u.s.w. Der Neumonatstag fällt jedes Mal im Monat Nisan, (2. B. M. 13,4. Nehemias 11,1), im März, entweder auf den Sonntag oder Dienstag, Freitag oder Shabbath; im Monat Ijar Montag, Donnerstag und Shabbath (1. Kön. 6,1) im April; im Monat Sivan (Esther 8,9), Mai, Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Freitag; Tamus, Juni, Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Freitag; Abh, Juli, Montag, Mittwoch, Freitag und Shabbath; Elul (Neh. 6,15) August, Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag; Tischri (1. Kön. 8,2), September, Montag, Dienstag, Donnerstag und Shabbath; Marcheschwon (1. Kön. 6,37), Oktober, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag; Kislev (Nrh. 1,1. Zach, 7,1 Macc. 1,57), November, jeden Tag außer Shabbath; Tebeth, Dezember, jeden Tag außer Donnerstag und Shabbath; Schwat (Zach. 1,7), Jänner, jeden Tag außer Sonntag und Freitag; Adar (Esther 3, 7, 2. Macc. 15,37), Februar, jeden Tag außer Sonntag, Dienstag und Donnerstag.
 Zur Zeit des Tempels schickte der hohe Rat (das Sanhedrin) zwei Zeugen aus, die genau beobachteten, wann der Mond neu wurde, sobald die Nachricht davon eintraf, wurde der Neumond angeordnet und zu feiern befohlen. Nach der Zerstörung des Tempels hat man sich einen astronomischen Kalender gemacht und den Neumond ausgerechnet. Da man nun den Lauf der Zeit nach dem Lauf des Mondes berechnet, das Mondjahr nur 354 Tage hat und das wahre Jahr, der Lauf der Erde um die Sonne 365 Tage dauert, hat man, um also die Ungleichheit der Jahre auszugleichen, alle zwei, drei oder vier Jahre einen 13. Monat zugegeben; diesen Monat nennt man Weader (und noch ein Adar). Zur Zeit des Tempels war der erste Tag eines jeden Monats immer ein sehr heiliger Tag (4. B. M. 28, 11, 14).
 Die Zeremonien bei den Opfern sind mit einigen Abänderungen so wie bei den Opfern des Shabbaths, auch wurde im 4. B. M. 10,10. von den Leviten musiziert und trompetet, die Gemeinde sang die Psalme 113, 114, 115, 116, 117 und 118. diese sechs Psalme werden das große Loblied, Hallel Hagadol, genannt und werden noch an einem jeden Feiertag gesungen. die Zahl des Monatstage war entweder 30 oder 29. In jedem Monat nämlich verbirgt sich der Mond ungefähr zwei Tage, den ersten Tag, ehe der Monat vollends zu Ende kommt und Sonne und Mond vereinigt werden, und den anderen Tag, wenn er mit der Sonne vereinigt gewesen und sich gegen Abend im Westen wieder sehen lässt. Weil nun in zwei Monaten zwei halbe Tage einen ganzen machen, so haben etliche Monate 29 und etliche 30 Tage. Ward nun, wenn der 29. Tag vorbei war, des Abends oder in der Nacht darauf der neue Mond gesehen, so ward der folgende 30. Tag der erste des neuen Monats, der vorige Monat hatte also 29 Tage; ward aber der Mond erst des abends nach dem 30. gesehen, so ward der 31. Tag der erste des neuen Monats und der vorige Monat hatte also 30 Tage. Weil also das Jahr nur 354 Tage hatte musste man in 19 Jahren sieben Monate einschalten, nämlich im 3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19 Jahre. Die Hauptursache dieser Einschaltung war das Pessachfest, welches sonst manchmal im Winter und manchmal im Sommer hätte gefeiert werden müssen, da doch das Pessachfest immer im Frühling, wenn im gelobten Lande das Getreide reif war, das Laubhüttenfest im Herbst, wenn das Getreide eingesammelt wurde und das bürgerliche Jahr zu ende war, gefeiert wurde. Über solche Neumonde hatte das Sanhedrin die Aufsicht. Im Monat Adar beratschlagten sie darüber. Von sieben Deputierten wurde der Schluss gemacht, doch nicht ohne Vorwissen des Oberhauptes. Ward nun ein Schaltjahr beschlossen, so wurde an das ganze Land in folgenden Worten geschrieben: Wir tun euch kund, dass, weil die Tauben noch jung, die Lämmer zart sind, auch die Zeit, die Garbe zu schneiden, noch nicht da ist, es uns gut dünkt, diesem Jahr einen Monat zuzulegen. – In der letzten Zeit musste man sich die Erlaubnis, ein Schaltjahr zu machen, von den Römern erbitten. Daher soll sich Hillel, der berühmte weise Talmudist, einen fortwährenden Kalender gemacht haben, dessen man sich noch bis heute bediene. Das Sanhedrin hatte nicht allein die Aufsicht über die Schaltjahre, sondern es musste auch für die Neumondfeste sorgen. Daher kam es immer am 30. Tag zusammen und wartete auf Zeugen, die den neuen Mond gesehen haben; kamen nun Zeugen und ihr Zeugnis stimmt überein, so so wurde dieser 30. Tag geheiligt und zum Neumond verordnet, und der vorige Monat hatte 29 Tage; kamen aber keine Zeugen, so wurde dieser Tag noch zum vorigen Monat gerechnet. die Zeugen durften keine Frauen oder Sklaven oder sonst Leute sein, die zu Zeugen untüchtig sind, sondern gute, ehrliche Männer. Stimmt ihr Zeugnis mit der Ausrechnung des Sanhedrins überein, so wurden sie herrlich gastiert und bewirtet und der Präsident sprach das Wort: Mekudasch, d.h. er ist geheiligt, aus, worauf alle Anwesenden antworten: Er ist geheiligt, er ist geheiligt! War das Wetter trübe, so richtete sich das Sanhedrin nach der Ausrechnung. War der Neumond festgesetzt und geheiligt, so wurden sogleich einige Leute auf den Ölberg geschickt, um daselbst ein großes Feuer anzuzünden, welches man sehr weit sehen konnte und als Zeichen diente, so dass auch auf anderen Bergen Feuer gemacht wurde; so ging es durchs ganze Land. Als aber in der Folge die Sadduzäer mit diesen Feuern allerlei Ärgernis machten, so schickte man, um Unordnung zu verhüten, boten durchs ganze Land mit der Nachricht, dass der Neumond zu Jerusalem geheiligt wurde. In Jerusalem ließ man diesen Feiertag durch Trompeten, in den übrigen Städten mit Hörnern einblasen. die Israeliten, welche fern von Jerusalem wohnten, feierten zwei Tage den Neumond, nämlich den letzten Tag des vorigen und den ersten des neuen Monats. Der Grund hierfür war, dass die Feuer auf den Bergen den entfernten Orten nicht so geschwind sichtbar werden konnten, besonders seit der Zeit, da die Feuer aufhörten und Boten herumgeschickt wurden, die Entfernten also nicht wussten, welcher Tag in Jerusalem als Neumond gefeiert wurde; um also gewiss zu sein, feierten die Entfernten zwei Tage. Daher rührt auch noch der Gebrauch her, dass außerhalb des gelobten Landes die Feiertage Neujahr, Pessach, Schawuoth und Sukkoth immer zwei Tage dauern. Im gelobten Lande feiert man auch jetzt noch nur einen Tag Rosch Haschanah, einen Tag Schawuoth, den ersten und siebenten Tag von Pessach und Sukkoth, von welchem letzteren Feste jedoch auch in Jerusalem noch der achte Tag gefeiert wird. (3. B. M. 23,36. – 4. B. M. 29,35.)
Es folgen jetzt die Arten der Gebete, welche am Neumond gehalten werden müssen. Es wird wie an den Feiertagen ein Mussaf Gebet gehalten, das große Loblied gesungen und in der Thora wird vorgelesen. 4. B. M. 28. Vier Personen werden dazu aufgerufen, der Cohen hört die drei ersten Verse vorlesen, der Levi den 3., 4., 5. Vers gewöhnlich, der Israelite den 5., 6., 7., 8., 9. und 10. Vers, der vierte Aufgerufene den 11., 12., 13., 14. und 15. Vers in obgedachtem Kapitel. Auch in dem großen Gebet nach der Hauptmahlzeit muss man ein besonderes Gebet, den Neumond betreffend, einschalten. Vor dem Mussafgebet nimmt man die Tephilin ab u.s.w. Da man, wie schon gemeldet, die Jahre und Monate nach dem Mondeslauf zählt, so hat man den Gebrauch, dass man den neuen Mond, so bald er sieben Tage alt ist, den Segen darüber spreche Birchat Halbanah, der Segenspruch über den Mond, von Lawan (weiß). Gewöhnlich wartet man damit bis zum Ausgang des Shabbath, wenn man aus der Synagoge kommt. Ist der Mond hell, so geschieht der Segenspruch auf der freien Strasse oder sonst in einem Hofe oder Garten, jedenfalls unter freiem Himmel, man schaut den Mond an, stelle die Füße zusammen und beginne erst wie folgt (auf hebräisch): Es ist ein gutes Zeichen, es ist ein gutes Glück für uns und ganz Israel. Alsdann wird der Segenspruch gesprochen: Gelobt seiest du Herr unser G’tt, du König der Welt, der du mit dem Wort und dem Geist deines Mundes den Himmel und alle seine Heere erschaffen hast und ihnen Gesetz und Zeit vorgeschrieben hast, was ihnen zu tun obliegt, dass sie sich nicht verändern, sondern sich G’ttes, ihres Schöpfers (der ein rechter Werkmeister ist und dessen Werke wahrhaftig sind) willengemäß erzeugen. Er hat den Mond sich erneuern heißen, welche Erneuerung allen denen, so im Mutterleib getragen worden, eine schöne Krone und Zierde ist; sie werden auch wie der Mond erneuert werden und ihren Schöpfer loben und erheben, wegen seines mächtigen und herrlichen Reiches. Gelobt seiest du Herr, der du die Neumonde erneuerst, gelobst sei dein Schöpfer, gelobt sei der, der dich gemacht, gelobt sei dein Former, gelobt sei dein Schöpfer. (Hier hüpft man drei Mal) in die Höhe, mit zusammengehaltenen Füssen und sagt ferner:) Gleichwie ich zu dir hinaufspringe und dich doch nicht erreichen kann, so soll mich auch kein Feind berühren, noch mir einigen Schaden zufügen (darauf steht man ein wenig still und wiederholt solches drei Mal, alsdann fährt man fort und sagt:) es fallen über sie Furcht und Schrecken und in deinem starken Arm lass sie wie die Steine unbeweglich sein, mache sie stumm, wie ein Stein in der Stärke deines Armes, es fallen über sie Furcht und Schrecken (dann setzt man hinzu:) David, der König über Israel, lebt und bleibt feststehend (dadurch soll angezeigt werden, dass wie der Mond ab- und zunimmt, so nimmt auch das Königreich David ab und zu, und wie der Mond sich mit der Sonne vereinigt und sein Licht von ihr erhält, so werden sich auch die Israeliten mit G’tt vereinigen, zu den Zeiten des Messias). Endlich sagt man, einer zum anderen: Frieden sei mit euch, und der Andere erwidert: mit euch sei Friede (dreimal wiederholt und zum Schluss angehängt die Worte:) ein gut Zeichen und gut Glück sei es uns und ganz Israel.
 Länger als bis den 10. des Monats wartet man nicht mit dem Segenspruch über den Mond, denn es könnte bewölkter Himmel erfolgen, wo man den Mond nicht sehen kann. Vor Zerstörung Jerusalems, den neunten Tag des Monats Ab und vor Jom Kippur den zehnten Tag des Monats Tischri, spricht man den Segen nicht über den Mond. Nach dem 15. Tag eines jeden Monats darf man den Segen über den Mond nicht mehr sprechen, aber auch nicht vor dem siebenten Tag des Monats.  428. Die Ordnung, der Feiertage die nach dem Kalender fallen, ist folgende: 1. Rosch Haschanah kann niemals auf einen Sonntag, Mittwoch oder Freitag fallen; 2. Jom Kippur niemals auf Sonntag, Dienstag oder Freitag; 3. Channuka niemals auf den Dienstag; die Fasten Esther niemals auf den Sonntag, Dienstag oder Freitag; 5. das Purimfest niemals auf Montag, Mittwoch oder Shabbath; 6. das Pessachfest niemals auf Montag, Mittwoch oder Freitag; 7. das Schawuothfest niemals auf Dienstag, Donnerstag oder Shabbath; 8. die zwei großen Fasttage, der 17. im Monat Tamus und der 9. im Monat Ab, niemals auf Montag, Mittwoch oder Freitag (am ersten dieser beiden Tage ist Jerusalem eingenommen, am zweiten, nämlich der 9. Ab, ist der Tempel zerstört worden). Alle jüdischen Feste richten sich im Kalender (Luach) nach den Pessachtagen. auf welchen Tag in der Woche z.B. der erste Pessachtag fällt, auf einem solchen fällt auch der Fasttag: Die Zerstörung des Tempels (Tische beab, der 9. im Monat Ab); wie der zweite Pessachtag, so fällt auch Schawuoth; wie der dritte Pessachtag, so fällt auch Rosch Haschanah, wie der vierte Pessachtag, so auch das Freudenfest über die Endigung des Gesetzbuches (Thora) Zimchat Thora), der neunte Tag, als Zugabe zum Sukkothfest, wie der fünfte Pessachtag, so auch Jom Kippur, wie der sechste Pessachtag, so auch das Purimfest im verflossenen Jahre.